Berliner Friedhöfe - Alter St. Matthäus Kirchhof |
| Geschrieben von Roland Wagner | |
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Die Gräber von Wilhelm und Jakob Grimm Eigentlich hatte alles mit den ARD-Neuverfilmungen der Märchen der Brüder Grimm angefangen. Natürlich hatte ich sie nicht vergessen. Der böse Wolf erschrak nicht nur Rotkäppchen und die sieben Geißlein, nein auch ich hatte als Kind Sorge von ihm gefressen zu werden...mal ganz abgesehen davon, dass meine Großmutter immer wieder beteuerte: "Das ist doch nur ein Märchen". Nun das Rache sauer ist konnte wir dann nicht nur in der Gänsemagd erlesen, gewissermaßen mussten auch meine Kinder Jahre später Zittern vor dem Fluch der bösen Fee im Märchen Dornröschen. So geht es landauf landab, ja weltweit vielen Menschen, mit großer Faszination suchen sie die märchenhaften Schlösser und Burgen in allen Regionen von Deutschland auf, die zu den beeindruckenden Sehenswürdigkeiten unserer Heimat zählen, bereisen die "Deutsche Märchenstraße" zwischen dem Geburtsort der "Märchenbrüder" Hanau und der Stadt in welche die Bremer Stadtmusikanten aufbrachen um ihren betörenden Gesang zu verkünden. Das aber auch die deutsche Hauptstadt Berlin mit den berühmten Grimms verbunden ist, dürfte weit weniger Menschen bekannt sein. Die Gräber von ihnen befinden sich auf dem "Alten St. Matthäus Kirchhof" in Berlin-Schöneberg. Auf der Suche nach ihren Lebensstationen las ich, geradezu entsetzt über diese Wissenslücke, von ihren Gräbern in Berlin. Bis dahin hatte ich immer nur im Umfeld von Frankfurt oder zwischen Weser, Werra und Fulda mit ihnen gerechnet aber in Berlin !? Das die Brüder von 1837 mehr oder weniger ins Berliner Exil vertrieben wurden und hier bis zu ihrem Tode am "Deutschen Wörterbuch"schrieben und die deutsche Sprache erforschten, dass sie im Umfeld des heutigen Potsdamer Platzes lebten, zur St. Matthäus Kirchgemeinde zählten, deren filigrane Stüler Kirche von 1846 heute zwischen den modernen Bauten der Berliner Philharmonie und der Neuen Nationalgalerie steht. Ebendiese Gemeinde kaufte 1853 beim, vor den Toren der Stadt gelegenen, Dörfchen Schöneberg ein Areal, von welchem man zu dieser Zeit wohl noch einen schönen Ausblick auf die sich rasch im Spreetal entwickelnde Großstadt hatte.Schon als der Friedhof angelegt wurde stampften an ihm links und rechts die Dampfrösser der Berlin-Potsdamer und Anhaltinischen Bahn vorbei. Noch heute liegt der Kirchhof als ruhige Insel umschlossen von quirligen Verkehrstrassen. Mit der S-Bahn erreicht man ihn gut. Direkt vor seinem Eingang ist die Station Yorck-Straße der S-Bahnlinie S1.Durch das mächtige Sandsteinportal geht es auf den Friedhof. Gleich links die Friedhofskapelle, geradezu steigt der Hauptweg den Hang hinauf. Dieser macht den Friedhof zu einem besonderen unter den sonst in Berlin auf ebenen Flächen angelegten Begräbnisplätzen. Weit oben, mit guter Aussicht auf die Stadt stehen die schlichten Grabsteine von Jakob und Wilhlem Grimm sowie dessen Söhnen Rudolf und Hermann Grimm.
Atrium der Familie Hansemann In direkter Nähe der bescheidenen Grimm-Gräber umschließt eine mit Säulen unterbrochene Mauer ein Areal an desem hangseitigen Flügel ein Mausoleum befindet. Auf dem, mit einer Bronzetür verschlossenen Hof befinden sich einzelne Gräber mit Büsten der Verstorbenen. Es ist das Familiengrab der Bankiersfamilie Hansemann. Der Pfarrerssohn David Hansemann (1790-1864) begann seine Karriere als Wollhändler. Schon mit 32 Jahren hatte er ein stattliches Vermögen und gründete damit Versicherungen und Banken . Auch als Politiker machte er von sich Reden - so wurde er 1848 Finanzminister. Im Umgang mit Geld hatte er offenbar ein grlückliches Händchen. Er gilt als Gründer der Disconto-Gesellschaft, die mit ihrem Vermögen in der Deutschen-Bank auf ging. So wundert es nicht, dass die aufwendige Grabanlage 1986 mit Mitteln der Deutschen Bank AG aufwendig saniert wurde.1903 folgte Adolph von Hansemann (1826-1903)seinem Vater in diese Grabanlage. Auch er ein erfolgreicher Kaufmann, übernahm er nach dem Tod seines Vaters 1864 den Vorsitz des Aufsichtsrates der Discont-Gesellschaft. 1870/71 sorgte er mit wenigen anderen für die Finanzierung des Deutsch-Französischen Krieges, was ihm den Adelsstand einbrachte, als Großfinanzier war er beteiligt am Entstehen der Deutschen Großindustrie u.a. den Kruppwerken und verschiedenen Bergwerksbetrieben. Welche der Lebensleistungen der Familie Hansemann das Ehrengrab der Stadt Berlin bescherte ist mir nicht bekannt, irgendwie sypathischer ist mir die bescheidene Bekanntheit der Grimmbrüder, die sich auch in ihren Gräbern widerspiegelt!Das Grab des "Milchgrafen" Bolle Weit hinten, in der westliche Ecke, an der Mauer zur Monumentenstraße, steht ein Mausoleum welches aus weißen Porzelanklinkern errichtet wurde. Wäre es nicht vom Schmutz ergraut, könnte es an eine Molkerei erinnern und genau dieses wollte wahrscheinlich der Architekt. Dieses Bauwerk dient als letzte Ruhestätte der Familie Bolle. Carl Anreas Julius Bolle (1832-1910) wurde in Milow an der Havel geboren, an seinem Geburtshaus errinnert noch eine Gedenktafel an ihn, als Maurer und später Maurermeister profitierte er vom Wohnungsbauboom in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Berlin. Mit dem Geld aus dem Bau eigenere Mietshäuser begann er auch in anderen Dienstleistungsbereichen Firmen aufzubauen. Doch Eisfabrik, Seefischhandel, Konservenfabrik und Obstbaumplantage waren nur Zwischenstationen. Richtig bekannt wurde er als Bimmel-Bolle, als fahrender Milchändler. Mit der wachsenden Bevölkerung wurde der Bedarf an frischen Milchprodukten immer größer, den er mit Geschick und Geschäftssinn decken konnte. Bis vor wenigen Jahren noch gab es im Berliner Stadtbild einige Supermärkte mit dem Namen Bolle. In Alt-Moabit entstand in den neunziger Jahren aus den historischen Gebäuden der Bolle-Meierei am Spreeufer ein Versorgungszentrum mit Läden und Restaurants.Alte Äste auf dem Grab von Rudolf Virchow Irgendwo an der Mauer zur Monumentenstraße soll auch das Grab des Pädagogen Adolph Diesterweg sein. Er starb 1866 an Cholera. Ich finde das Grab nicht. Dafür einge Wege parallel dazu hangabwärts einige Gräber von Medizinern. Wilhelm Griesinger (1817-1868), der Psychiater und Internist, liegt hier, der Gynäkologe Carl Wilhelm Mayer (1795-1868) schaut als Relief aus seinem Grabstein und eingerahmt von einem Gusseisernen Geländer ruht direkt daneben sein Schwiegersohn der Mediziner und Sozialpolitiker Rudolf Virchow (1821-1902). Sein Grab, auch dieses ist ein Ehrengrab verdiente ein wenig mehr Zuwendung. Die Stadt, welche ihm Krankenhäuser und soziales Engagement zu verdanken hat, ein großes Klinikum ist nach ihm benannt, läst die Ruhestätte verkümmern. Der Eisenzaun rostet vor sich hin, auf dem Grabhügel lagen herabgestürtze Äste obwohl der letzte Sturm einige Tage zurück liegt. Bevor ich seine Ruhestätte fotogrfiere öffne ich das knarrende Metalltor und entferne die Äste. Das Grab des Königs von Deutschland Nur einige Schritte entfernt, am Hauptgang des Kirchhofs befindet sich seit einigen Monaten das Grab des Königs von Deutschland. Eine eigenwillige Grabstätte für einen Adeligen? Für diesen König von Deutschland eine wunderbare Stelle. Die Stille und das Vogelgezwitscher hier in seiner Geburtsstadt Berlin würde ihn erfreuen...obwohl sein Grab noch vor geraumer Zeit viel idyllischer lag. "Es ist vorbei bye bye..." singt er von seiner Wolke und weiß, dass er nach fast 15 Jahren von seiner Ruhestätte auf seinem Grundstück im schleswig-holsteinschen Fresenhagen nach Berlin-Schöneberg umgebettet wurde. Rio Reiser (1950-1996) ist hier seinen Brüdern, Freunden, Kollegen und Fans näher. Sein Grab erleuchtet an diesem Morgen im Sonnenlicht. Viele frische Blumen zeigen, dass er noch immer im Herzen vieler Menschen ist, die ihn hier besuchen. An seinem Grabstein mit der Königskrone und dem Wappen, einem großem Herz mit seinem Namenszug kann der Besucher sitzen bleiben auf einer kleinen Steinbank und im inneren weiter seinen Songs lauschen....St.-Matthäus-Kirchhof - Ruhestätte für bekannte und unbekannte Tote Auf diesem Friedhof liegen noch viele bekannte und unbekannte Tote. Max Bruch der Komponist und Dirigent liegt hier, der Künstler, der die Goldelse auf Berlins Siegessäule schuf Friedrich Drake ist hier begraben, der Architekt des im 2. Weltkrieg zerbombten Wertheim am Leipziger Platz - Alfred Messel, viele Ärzte, Archäologen, Sprachwissenschaftler, Künstler....viele einfache Berliner. Die Gräber sind schlicht oder schrill, die Mausoleen eher auffällig oder gar monumental, wie z.B. der riesige Bau für Familie Riese und manche Grab"steine" sind so einzigartig, dass der Besucher sie nie vergessen wird. Eine Collage aus Urkunden, Zeitungsausschnitten, Texten und Fotos erinnert an den Opernregisseur und Schwulen-Aktivisten Andreas Meyer-Hanno (1932-2006). Eine einprägsame Inszenierung dieses Grab und an einigen Tagen im Jahr wird der Friedhof zum Kunstraum, Mausoleen werden bei einer Führung von EFEU e.V. geöffnet und offenbaren Kunstinstallationen. Der gemeinützige Förderverein organisiert Buchlesungen, thematische Friedhofsrundgänge und ist bemüht Paten für Gräber zu finden, deren Geschichten nicht vergessen werden sollten...
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Eigentlich hatte alles mit den ARD-Neuverfilmungen der Märchen der Brüder Grimm angefangen. Natürlich hatte ich sie nicht vergessen. Der böse Wolf erschrak nicht nur Rotkäppchen und die sieben Geißlein, nein auch ich hatte als Kind Sorge von ihm gefressen zu werden...mal ganz abgesehen davon, dass meine Großmutter immer wieder beteuerte: "Das ist doch nur ein Märchen". Nun das Rache sauer ist konnte wir dann nicht nur in der Gänsemagd erlesen, gewissermaßen mussten auch meine Kinder Jahre später Zittern vor dem Fluch der bösen Fee im Märchen Dornröschen. So geht es landauf landab, ja weltweit vielen Menschen, mit großer Faszination suchen sie die märchenhaften Schlösser und Burgen in allen Regionen von Deutschland auf, die zu den beeindruckenden Sehenswürdigkeiten unserer Heimat zählen, bereisen die "Deutsche Märchenstraße" zwischen dem Geburtsort der "Märchenbrüder" Hanau und der Stadt in welche die Bremer Stadtmusikanten aufbrachen um ihren betörenden Gesang zu verkünden. Das aber auch die deutsche Hauptstadt Berlin mit den berühmten Grimms verbunden ist, dürfte weit weniger Menschen bekannt sein. Die Gräber von ihnen befinden sich auf dem "Alten St. Matthäus Kirchhof" in Berlin-Schöneberg. Auf der Suche nach ihren Lebensstationen las ich, geradezu entsetzt über diese Wissenslücke, von ihren Gräbern in Berlin. Bis dahin hatte ich immer nur im Umfeld von Frankfurt oder zwischen Weser, Werra und Fulda mit ihnen gerechnet aber in Berlin !? Das die Brüder von 1837 mehr oder weniger ins Berliner Exil vertrieben wurden und hier bis zu ihrem Tode am "Deutschen Wörterbuch"schrieben und die deutsche Sprache erforschten, dass sie im Umfeld des heutigen Potsdamer Platzes lebten, zur St. Matthäus Kirchgemeinde zählten, deren filigrane Stüler Kirche von 1846 heute zwischen den modernen Bauten der Berliner Philharmonie und der Neuen Nationalgalerie steht. Ebendiese Gemeinde kaufte 1853 beim, vor den Toren der Stadt gelegenen, Dörfchen Schöneberg ein Areal, von welchem man zu dieser Zeit wohl noch einen schönen Ausblick auf die sich rasch im Spreetal entwickelnde Großstadt hatte.Schon als der Friedhof angelegt wurde stampften an ihm links und rechts die Dampfrösser der Berlin-Potsdamer und Anhaltinischen Bahn vorbei. Noch heute liegt der Kirchhof als ruhige Insel umschlossen von quirligen Verkehrstrassen. Mit der S-Bahn erreicht man ihn gut. Direkt vor seinem Eingang ist die Station Yorck-Straße der S-Bahnlinie S1.Durch das mächtige Sandsteinportal geht es auf den Friedhof. Gleich links die Friedhofskapelle, geradezu steigt der Hauptweg den Hang hinauf. Dieser macht den Friedhof zu einem besonderen unter den sonst in Berlin auf ebenen Flächen angelegten Begräbnisplätzen. Weit oben, mit guter Aussicht auf die Stadt stehen die schlichten Grabsteine von Jakob und Wilhlem Grimm sowie dessen Söhnen Rudolf und Hermann Grimm.
In direkter Nähe der bescheidenen Grimm-Gräber umschließt eine mit Säulen unterbrochene Mauer ein Areal an desem hangseitigen Flügel ein Mausoleum befindet. Auf dem, mit einer Bronzetür verschlossenen Hof befinden sich einzelne Gräber mit Büsten der Verstorbenen. Es ist das Familiengrab der Bankiersfamilie Hansemann. Der Pfarrerssohn David Hansemann (1790-1864) begann seine Karriere als Wollhändler. Schon mit 32 Jahren hatte er ein stattliches Vermögen und gründete damit Versicherungen und Banken . Auch als Politiker machte er von sich Reden - so wurde er 1848 Finanzminister. Im Umgang mit Geld hatte er offenbar ein grlückliches Händchen. Er gilt als Gründer der Disconto-Gesellschaft, die mit ihrem Vermögen in der Deutschen-Bank auf ging. So wundert es nicht, dass die aufwendige Grabanlage 1986 mit Mitteln der Deutschen Bank AG aufwendig saniert wurde.1903 folgte Adolph von Hansemann (1826-1903)seinem Vater in diese Grabanlage. Auch er ein erfolgreicher Kaufmann, übernahm er nach dem Tod seines Vaters 1864 den Vorsitz des Aufsichtsrates der Discont-Gesellschaft. 1870/71 sorgte er mit wenigen anderen für die Finanzierung des Deutsch-Französischen Krieges, was ihm den Adelsstand einbrachte, als Großfinanzier war er beteiligt am Entstehen der Deutschen Großindustrie u.a. den Kruppwerken und verschiedenen Bergwerksbetrieben. Welche der Lebensleistungen der Familie Hansemann das Ehrengrab der Stadt Berlin bescherte ist mir nicht bekannt, irgendwie sypathischer ist mir die bescheidene Bekanntheit der Grimmbrüder, die sich auch in ihren Gräbern widerspiegelt!
Weit hinten, in der westliche Ecke, an der Mauer zur Monumentenstraße, steht ein Mausoleum welches aus weißen Porzelanklinkern errichtet wurde. Wäre es nicht vom Schmutz ergraut, könnte es an eine Molkerei erinnern und genau dieses wollte wahrscheinlich der Architekt. Dieses Bauwerk dient als letzte Ruhestätte der Familie Bolle. Carl Anreas Julius Bolle (1832-1910) wurde in Milow an der Havel geboren, an seinem Geburtshaus errinnert noch eine Gedenktafel an ihn, als Maurer und später Maurermeister profitierte er vom Wohnungsbauboom in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Berlin. Mit dem Geld aus dem Bau eigenere Mietshäuser begann er auch in anderen Dienstleistungsbereichen Firmen aufzubauen. Doch Eisfabrik, Seefischhandel, Konservenfabrik und Obstbaumplantage waren nur Zwischenstationen. Richtig bekannt wurde er als Bimmel-Bolle, als fahrender Milchändler. Mit der wachsenden Bevölkerung wurde der Bedarf an frischen Milchprodukten immer größer, den er mit Geschick und Geschäftssinn decken konnte. Bis vor wenigen Jahren noch gab es im Berliner Stadtbild einige Supermärkte mit dem Namen Bolle. In Alt-Moabit entstand in den neunziger Jahren aus den historischen Gebäuden der Bolle-Meierei am Spreeufer ein Versorgungszentrum mit Läden und Restaurants.
Irgendwo an der Mauer zur Monumentenstraße soll auch das Grab des Pädagogen Adolph Diesterweg sein. Er starb 1866 an Cholera. Ich finde das Grab nicht. Dafür einge Wege parallel dazu hangabwärts einige Gräber von Medizinern. Wilhelm Griesinger (1817-1868), der Psychiater und Internist, liegt hier, der Gynäkologe Carl Wilhelm Mayer (1795-1868) schaut als Relief aus seinem Grabstein und eingerahmt von einem Gusseisernen Geländer ruht direkt daneben sein Schwiegersohn der Mediziner und Sozialpolitiker Rudolf Virchow (1821-1902). Sein Grab, auch dieses ist ein Ehrengrab verdiente ein wenig mehr Zuwendung. Die Stadt, welche ihm Krankenhäuser und soziales Engagement zu verdanken hat, ein großes Klinikum ist nach ihm benannt, läst die Ruhestätte verkümmern. Der Eisenzaun rostet vor sich hin, auf dem Grabhügel lagen herabgestürtze Äste obwohl der letzte Sturm einige Tage zurück liegt. Bevor ich seine Ruhestätte fotogrfiere öffne ich das knarrende Metalltor und entferne die Äste.
Nur einige Schritte entfernt, am Hauptgang des Kirchhofs befindet sich seit einigen Monaten das Grab des Königs von Deutschland. Eine eigenwillige Grabstätte für einen Adeligen? Für diesen König von Deutschland eine wunderbare Stelle. Die Stille und das Vogelgezwitscher hier in seiner Geburtsstadt Berlin würde ihn erfreuen...obwohl sein Grab noch vor geraumer Zeit viel idyllischer lag. "Es ist vorbei bye bye..." singt er von seiner Wolke und weiß, dass er nach fast 15 Jahren von seiner Ruhestätte auf seinem Grundstück im schleswig-holsteinschen Fresenhagen nach Berlin-Schöneberg umgebettet wurde. Rio Reiser (1950-1996) ist hier seinen Brüdern, Freunden, Kollegen und Fans näher. Sein Grab erleuchtet an diesem Morgen im Sonnenlicht. Viele frische Blumen zeigen, dass er noch immer im Herzen vieler Menschen ist, die ihn hier besuchen. An seinem Grabstein mit der Königskrone und dem Wappen, einem großem Herz mit seinem Namenszug kann der Besucher sitzen bleiben auf einer kleinen Steinbank und im inneren weiter seinen Songs lauschen....
Auf diesem Friedhof liegen noch viele bekannte und unbekannte Tote. Max Bruch der Komponist und Dirigent liegt hier, der Künstler, der die Goldelse auf Berlins Siegessäule schuf Friedrich Drake ist hier begraben, der Architekt des im 2. Weltkrieg zerbombten Wertheim am Leipziger Platz - Alfred Messel, viele Ärzte, Archäologen, Sprachwissenschaftler, Künstler....viele einfache Berliner. Die Gräber sind schlicht oder schrill, die Mausoleen eher auffällig oder gar monumental, wie z.B. der riesige Bau für Familie Riese und manche Grab"steine" sind so einzigartig, dass der Besucher sie nie vergessen wird. Eine Collage aus Urkunden, Zeitungsausschnitten, Texten und Fotos erinnert an den Opernregisseur und Schwulen-Aktivisten Andreas Meyer-Hanno (1932-2006). Eine einprägsame Inszenierung dieses Grab und an einigen Tagen im Jahr wird der Friedhof zum Kunstraum, Mausoleen werden bei einer Führung von 