Nach "Rügen - Die Schönste" und "Das große Buch über Fehnmarn" hat die Edition Limosa aus dem wendländischen Clenze in Zusammenarbeit mit dem Nordfrieslandverlag ihr drittes großes Inselbuch herausgegeben: "Trauminseln im Norden - Sylt, Amrum, Föhr und Römö" - ein Bildband für Bewohner, Inselurlauber, Freunde der Inseln und Menschen, die sich bisher nicht für Nordseeinseln begeistern konnten...
Sylt --- Amrum --- Föhr
Das erste Mal stehe ich am Strand der Nordsee im Norden von Dänemark. Es
ist ein kühler, stürmischer Sommerabend und ich kann es wie immer nicht
lassen und springe egal bei welchem Wetter und zu welcher Tages- oder
Nachtzeit beim ersten Besuch an einem neuen Strand direkt in die Fluten.
Die Wellen peitschen meine Haut, ich schrei mir die Kälte weg und bin
nach einem unerklärlichen zwicken an der rechten Wade recht bald wieder
aus dem Wasser. Am nächsten Tag liege ich mit 39 Fieber im
kuscheligen Bett des Bauernhofes und seh von da an, für den Rest des
Urlaubs nur hinter dem Katenfenster wie sich das Gras auf den Dünen im
Wind bewegt...
Der erste Versuch sich mit der Nordsee zu versöhnen ist irgendwo
nördlich von Wilhelmshaven. Ein äußerst steriles ehemals Fischer- heute
Urlauberdörfchen kassiert bereits vor der Düne, die mit breiten
Betonpfaden überquert werden kann, einen beträchtlichen Betrag für das
Betreten des Strandes. Hinter der Düne der Anblick des Grauens statt
blauem Meer grauer Schlamm. Von Wasser nichts zu sehen. Da wurde mir
klar warum ich mit meinem Strandgeschirr soviel Lächeln in die Gesichter der mir
entgegenkommenden Urlauber gezeichnet hatte...die Versuche Zwei zwischen
Bremer- und Cuxhaven und Drei am Jadebusen waren dummer Weise nicht
erquicklicher...die Nordsee meinte es nicht gut mit mir....
Trauminseln im Norden
In den kalten Julitagen 2011 schickt mir die Edition Limosa ein großes
Bücherpäckchen zu. Das größte Buch (30X24 cm/240 Seiten) obenauf in Blau:
"Trauminseln im Norden -Sylt, Amrum, Föhr und Römö" Klar die
Verlagsleute wussten nichts von meiner Pechsträhne in Sachen
Nordsee...ich wende mich zuerst den regionalen Kochbücher zu und lese
begeistert, welche Rezepte in Topf und Pfanne bereitet mir wohl in den
nächsten Tagen in den Bauch gelangen. Am Nachmittag fahr ich vom
Berliner Osten nach Spandau. Die Sommerferien werden wieder zum
Straßenflicken genutzt es gibt Stau. Vor mir ein Familienauto - auf
seiner Heckklappe ein Aufkleber mit den Umrissen der Insel Rügen. Ein
älteres Paar fährt ganz vorbildliche "30". Die haben einen Fisch auf der
Kofferklappe...dann wieder Rügen, auch Hiddensee und öfters Usedom die
Sonneninsel...hinter dem Brandenburger Tor kommt eine andere Silhouette
hinzu "Sylt" . Häufiger als häufig fahren Autos vor mir mit dem
Aufkleber dieser lang gezogen Insel auf der Autorückseite. Die Stadt ist
noch immer geteilt...aber an Sylt muss was dran sein...ich beeile mich
nach Hause und beginne in dem Bildband von Jügen Rust zu schmökern...
Sylt - eine unwiderstehliche Mischung
Nach 12 Seiten Einführung über das Inselleben, die Natur und die
Inselmenschen folgen 88 bunte informative und abwechslungsreiche Seiten
über die größte der im Buch besprochenen Nordseeinseln -die Insel Sylt.
Obwohl das mit der Insel, wie gleich im ersten Kapitel beschrieben so
eine Sache ist! Der Hindenburgdamm (einst 11,2 Kilometer lang (seit 1954
8,1km) 10 Meter hoch und 11 Meter breit auf der Dammkrone) macht sie im
Grunde seit der Eröffnung am 1. Juni 1927 zum Festland. Doch für die
Bewohner und Besucher bleibt sie immer eine Insel - kommen doch auch
trotz des Dammes viele mit der Fähre vom dänischen Havneby oder mit dem
Fahrgastschiff von Strucklahnungshörn auf die Insel herüber (mehr dazu
im Kapitel "Zug oder Schiff? - Die gute Wahl zwischen zwei Arten zu
reisen"S. 90f).
Wir lernen die Insel kennen, eine eigenwillige Übung verlangt uns der
Autor ab...aber ehrlich wer hat dies nicht schon selbst unwillkürlich
beim Betrachten einer Landkarte gemacht: Wir "wandern mit den Augen"
(Seite: 70) umrunden auf der Karte die Insel, erobern die Küste, finden
die Orte Westerland, Kampen, List, Hörnum ... Jeder dieser Orte bekommt
sein Kapitel, manchmal teilen sich auch zwei Orte eins! "Kampener Flair und
Lister Herbheit - Zwei Orte, die man nicht vergleichen sollte" S. 48 .
Rust verdeutlicht, dass es nicht nur die Breite der Inseln an den
jeweiligen Orten ist, die Beide unterscheidet. Kampen ist etwas näher
dran am Damm, gehört eher noch zum Zentrum der Insel und vielleicht war
es dieser kleine Unterschied, der Kampen bereits in den goldenen 20ern
zu einem noblen Urlaubsort machte. In dieser Zeit so schreibt er
hinterließ halb Deutschland seine Visitenkarte hier "in Form von
literarischen, journalistischen, fotografischen und sonstigen
Produkten". Die Häuser hier haben seit 1912 einen verordneten Baustil
unten Klinker oben Reet. Eines von ihnen ist Haus Kliffende "ein wenig
verdeckt in den Kampener Dünen" Diese Herberge bewohnten berühmte Menschen wie der Verleger Ernst Rowohlt, die Maler Emil Nolde und Max
Liebermann, der Schriftsteller Thomas Mann oder der Politiker Gustav
Stresemann. Bis heute bewohnen gutbetuchte und nicht selten bekannte
Menschen die Klinkerbauten mit den Reetdächern in Kampen. Von List ist es
nicht weit bis zum nördlichsten Punkt Deutschlands. Rust beschreibt
diesen Ort einmalig: "Auf dem Lister Ellenbogen gibt es eine kleine
Schippe Sand, gleich an der Brandung, auf der sich die letzten Körner
der Republik in der Nordsee verlieren...Hier hat man wirklich das
untrügliche Gefühl von einem "Land's end".
Sylter Mosaiksteinchen - Cafe' , Künstler, Kochrezepte...
Was nun die beiden Orte unterscheidet lesen Sie selbst...ach eines
verrate ich ihnen noch: Kampen hat es nicht aber List: das
Erlebniszentrum Naturgewalten und "Eine kleine kulinarische Oase -
Voigts 'Alte Backstube' in List". Neben den ausführlichen bestens
recherchierten Beiträgen über Orte und Sehenswürdigkeiten bietet der
Band kleine Mosaiksteinchen des Lebens auf der Insel, so ein kurzes
Kapitel (Seite 52) über besagtes Cafe'-Restaurant "Alte Backstube" in dem es
neben Pfannkuchen-Spezialitäten jeden Freitag handgemachte Inselmusik
gibt - keine Folklore - nein! Swing, Pop und Jazz.
Andere Mosaiksteine, und wir können nur Beispiel aus der Vielfalt der
Insel erwähnen, sind "Das Rote Kliff" - so heißt es im Buch: Ein
Naturplatz, der sich in das Gedächtnis der Menschen einprägt, Svetlana
Vorreiter - eine Malerin aus St. Petersburg, die Sylt und das Leben auf
der Insel in einzigartigen Gemälden festhält, "Musik am Meer - erklingt
in der Musikmuschel der Westerländer Kurpromenade" -S. 82 ,
Bouillabaisse von Nordseefischen - Sternekoch Jörg Müller aus Westerland
verrät eines seiner Rezepte...
Ausführlichund geradezu liebevoll beschreibt Rust in längeren
Abschnitten auch das "Herz der Insel - Westerland, Wennigstedt, Braderup
und Tinnum" S. 76ff gibt Hintergründe zur Geschichte der Orte und
erklärt was die Orte faszinieren lässt. Wunderbare Bilder, wie das
fotorealistische Gemälde: "Sylter Heidelandschaft" von der Tinnumer Künstlerin Charlotte
Mager erzeugen Lust auf MEER und NATUR.
Leuchttürme auf Sylt
Jürgen Rust überredet uns nicht "am Strand zu faulenzen, im
Strandkorb Kreuzworträtsel zu lösen...sich in der Sonne zu aalen" er
empfiehlt die "archaischen Gefühle, die der menschliche Körper bei ...
elementaren Aktivitäten entwickelt" zu spüren: z.B. dem Barfußlaufen im Sand.
(S. 80) Geht man dann auf einer Insel immer am Strand entlang, erreicht
der Strandläufer begleitet vom Getöse der Brandung irgendwann
Leuchttürme. Sylt's Leuchttürme erhalten ein eigenes Kapitel:
"Brandungsrauschen und Leuchtturmblicke - Die unbewussten Magnete" S.
28ff.Teils versteckt in den Dünen, ragen ihre Köpfe immer weit aus dem
Sand heraus um den Seeleuten, zumindest war es in der Vergangenheit bei
allen der Fall, den Weg zu weisen. 1855 wurde der Kampener Leuchtturm
fertiggestellt. 42 Meter ist er hoch und reicht mit seinem Lichtschein
23 Seemeilen in das Meer hinaus! Nicht weniger beeindruckend sind die
Leuchttürme List Ost und List West auf dem Ellebogen welche die
"ältesten (eisernen) noch aktiven Leuchttürme Deutschlands" sind.
Strandspaziergänger im Süden der Insel finden den rot-weiß-gestreiften
Hörnummer Leuchtturm in den Dünen. Am Anfang des letzten Jahrhundert, so
erfahren wir in dem Bildband "Die Trauminseln im Norden" war im Bauch
des Turmes die Schule von Hörnum. Noch heute sind die Pennälerbänke von
damals erhalten.
Solche Informationen, oder kleine Episoden machen das Buch so lesens-
und empfehlenswert. Besonders wenn es um die Geschichte geht, um
Ereignisse die weit zurückliegen und für den Besucher von heute kaum
vorstellbar sind, wie die Sturmflut in der Nacht vom 16. zum 17. Februar
1962. Ein Orkan peitschte mit 200 Stundenkilomtern von der Nordsee
heran und riss Hörnum für eine ganze Zeit von der Insel. Über diese und
andere Katastrophen, welche die Insel heimsuchten informiert Rust im
Kapitel "Sturmfluten und Orkane -Sylt ist eine riesige Zielscheibe im
Meer" Wie schön diese Insel mit ihren 40 Kilometern Küste im Meer liegt
zeigt besonders eines der vielen hundert Fotografien des Bandes. Ein
Luftbild der Insel (Seite 36) zeigt Sylt, wie es einst auch der
Weltumflieger Wolfgang von Gronau, dessen Grab in List zu finden ist,
gesehen hat. Könnten wir ihn noch begleiten müssten wir nur knapp 7
Kilometer südöstlich bis zur benachbarten Insel Amrum fliegen, dem nächsten Kapitel unser Bildbandreise ...
Sehenswürdigkeiten auf Sylt
Amrum - Kniepsand, Jungsteinzeit und Amerikaner
Wir landen mit dem Wasserflugzeug direkt vor dem Kniepsand von Amrum.
Dieser weiße bis zu 1,5 Kilometer breite Sandstreifen mit einer Vielzahl
von Badestränden für Nackte und Angezogene ist eine natürliche Barriere
gegen die brandende Nordsee. Dieser Sandpfeil ist auf dem Luftbild
(Seite 120f) mit seiner schützenden Schönheit gut zu erkennen. Der Sand
inspiriert Jürgen Rust zum Kapitel "Soviel Sand! - Ein etwas anderer
Ausflug"(Seite 154f). Keine der Nordseeinseln hat davon soviel wie
Amrum. Will der Badegast zum Wasser muss er teils minutenlang durch ihn
stampfen, den Feinkörnigen, der kein Wasser hält und bei Sturm auch
weggeblasen wird. So ändert sich die Insel von Jahr zu Jahr und die Landkarte (S. 114) wird bald eine historische
Momentaufnahme sein... Von Bestand bleiben die Orte Norddorf, Nebel,
Süddorf und Wittün, die auch im Buch ihren Platz und ihre Geschichten
haben. Wir lesen davon, dass bereits in der Jungsteinzeit die ersten
Bewohner hier siedelten - Großsteingräber künden davon, erfahren, dass
sie ihre Unterkünfte auf dem Geestkern errichteten (das ist der feste
erhöhte Kern der Insel, um den sich die Sanddünen aufgeschoben haben )
... Amrum hat heute etwas mehr als 2000 Einwohner. Hunderttausende
besuchen jährlich die Insel. Unter den Ausländern, welche auf die Insel
kommen sind viele Amerikaner, deren Vorfahren auf der Insel geboren
wurden. Diese überquerten im 19. Jahrhundert das Meer, um nicht von
Preußen in den Militärdienst gezwungen zu werden...
Amrum Dünen, Möwen und die Angst vor unsittlichen Badetouristen
Hinter dem Kniepsand kommen die Dünen. Sie sind ein besonders
schützenswertes Naturrefugium. Nur auf den Holzwegen darf sich der
Besucher bewegen. Von den vielen Aussichtspunkten des bis zu einem
Kilometer breiten und 12 Kilometer langen Dünenstreifens ist vor allem
die vielfältige Vogelwelt Amrums zu bestaunen. "Möwen, die hier in
zahlreichen Kolonien brüten und ihren Nachwuchs aufziehen" sind in den
Dünen anderer Inseln eine Seltenheit. Die Touristenströme auf Amrum sind
kleiner und so bleiben die Möwen in ihrem natürlichen Lebensraum.
Urlaubsraum musste geschaffen werden am Ende des 19. Jahrhundert, als
diese merkwürdige Sitte der Festlandstädter begann, freie Tage auf den
Inseln zu verbringen. Im Kapitel "Erbaut auf weißen Dünen - Wittün - ein Seeheilbad mit wechselvoller Geschichte" (Seite 116) beschreibt Jürgen Rust wie der Urlauberort an der Südspitze Amrums entstand. 1890 wurde er gegründet, um die Alteingesessenen vor den Unsittlichkeiten der zu gereisten Badetouristen zu schützen.
Amrum ist wie ein Freilichtmuseum
Die Amrumer Orte ob in Nord oder Süd ähneln ein wenig einem Freilichtmuseum nur mit einem "gravierenden Unterschied" beemerkt Rust: "sie sind alle in Gebrauch"! Die Windmühle von Nebel ist genauso mit Reet gedeckt wie viele der historischen Bauernhäuser (Reet ist nicht gleich Reet Seite 143), und in Meerum gibt es noch eine Vogelkoje. Richtig gelesen "Koje" - also ein Ruheplätzchen für Vögel? Mitnichten! Der vermeintliche Ruheplatz für Zug- und Rastvögel wurde ab 1730 über Jahrzehnte hinweg als Großfanganlage z.B. für Enten genutzt. Bis zu 150.000 Enten pro Jahr fanden in den "Vogelreusen" - Amrums ihr Ende und wurden aufs Festland exportiert. Heute ist die Vogelkoje ein beschauliches Plätzchen mit dichten Wald um einen kleinen Weiher. Im Herbst werden noch immer Enten gefangen aber ihre Stückzahl ist limitiert.
Zu einer Hochseeinsel gehören auch seit Jahrhunderten an die Küsten gespülte unbekannte Seeopfer. Diese finden "In fremder Erde" (Seite 132f) in den Heimatlosenfriedhöfen auf Amrum und Sylt ihre letzte Ruhestätte. Landratten, die diese Friedhöfe besuchen werden erstaunt sein über die Zahl der dort Ruhenden. Die Heimatlosenfriedhöfe zeigen auf eindringliche Weise die zerstörende Kraft der Natur...
Dü min tüs min öömrang lun...
...Du, mein Zuhause, mein Amrumer Land... ist die Übersetzung der Überschrift aus dem Öömrang, dem Amrumer Dialekt. Auch diesem wendet sich Rust zu (Seite 131) und dem höchsten Leuchtturm an der Westküste von Größ-Dün (Seite 130) "Inklusive Düne... kommt der Turm auf ... 67,7 Meter. Auf Seite 124 lesen wir die Geschichte der St. Clemens Kirche von Nebel, werden in verschiedene Gasthöfe mit regionaler Küche eingeladen, sehen Bilder der Piratenbande an Bord der MS "Eilun", entdecken die Kunstgalerien und Ateliers und müssen uns doch auf den Weg machen zu nächsten Insel nach Föhr...
Sehenswürdigkeiten auf Amrum
Insel Föhr die zweitgrößte Nordseeinsel
Die Insel Föhr, die zweitgrößte der deutschen Nordseeinseln, erreichen wir über den Hafen von Wyk, der großen Inselstadt im Südosten der Insel. Bereits 1819 wurde der Ort das erste Seebad Schleswig-Holsteins. Damals so lesen wir in dem Bildband "Trauminseln im Norden", kamen gerade 61 Urlaubsgäste an Land. Heute teilen sich die 4300 Wyker die Insel mit 20.000 Feriengästen. Im Wappen von Wyk erkennen wir ein Dreimasterwrack, ein Schiff...den mit der Seefahrt ist natürlich auch der Inselort Wyk fest verbunden. Deshalb gibt Autor Jürgen Rust auch "Meeresgeschichten" (Seite 190ff) preis. In dem Kapitel erzählt er von der Insel der Seeleute, Fischer und Fährleute...von mutigen Männern die im 17. und 18. Jahrhundert aufbrachen, um mit Seeleuten aus Hamburg und von den anderen Nordfriesischen Inseln auf Walfang zu gehen. Einer von ihnen war Matthias Petersen - genannt Matthias der Glückliche. Er erlegte mit seinen Mannen in 50 Jahren Seefahrt 373 Wale und brachte es so zu einigem Wohlstand...Sein Grabstein, den ein Wal ziert, steht an der Kirche von Süderende.
Süderende, Dunsum, Utersum, Wrixum ...
Im Kapitel "Friesische Dörfer - eine Tagesfahrt mit einem Dutzend Etappen" (Seite 170 ff) erfahren wir mehr über die Dörfer mit den ulkig klingenden Namen, von denen es auf der Insel Föhr anscheinend recht viele gibt.
Steigen wir aufs Rad und folgen dem Autor zuerst nach Boldixum. Hier war lange der Hafen der Insel, es gibt eine historische Windmühle und eine uralte Backsteinkirche. Wrixum hat schmale Gassen und auch eine Kornmühle, Oevenum hat die älteste Jugendfeuerwehr Deutschlands, Midlum ist die Mitte der Insel, Alkersum hat ein besonderes Kunstmuseum (dazu später mehr) Oldsum ist das Künstlerdorf und hat auch eine Mühle, Süderende hat das Grab des Glücklichen, Dunsum wartet auf mit dem schönsten Blick auf Sylt und Amrum auf, in Utersum hatte Hans Rosenthal ein Haus, von Hedehusum kann man schön auf das Wattenmehr blicken, Witsum ist das kleinste der Dörfer, Borgsum wartet mit einer Burganlage aus dem 9. Jahrhundert auf, Goting hat einen wunderschönen Strand und Nieblum eine mittelalterliche Kirche und den Park De Meere. Ein Fragezeichen bleibt woher die Orte ihre Namen haben...klingt irgendwie nach Asterix, aber damit hat es wohl nichts zu tun!
Der Badearzt und Museumsfründer Dr. Carl Häberlin
Zurück in Wyk lohnt ein Besuch des Dr. Carl-Häberlin-Friesen-Museum. Der Gründer des Heimatmuseums war "Der Insel und ihren Menschen zugetan" (Seite 203) Dr. Carl Häberlin (1870-1954) kam nach dem Abschluss des Medizinstudiums nach Föhr und übernahm eine Allgemeinarztpraxis. Mit Fahrrad und Kutsche besuchte er seine Patienten auf der ganzen Insel, mit dem Segelboot sogar die kranken Menschen auf den Halligen. Er lernte das Leben der Inselbewohner kennen und schätzen, erfuhr die Geschichten der Orte und begeisterte sich an den Trachten der Föhrer (dazu lässt uns Jürgen Rost in seinem Kapitel: "Sprechende Steine und tanzende Trachten - Was von den alten Zeiten übrig blieb" -Seite 180ff noch mehr erfahren). So wird Dr. Häberlin scheinbar ganz nebenbei zum Heimatforscher und gründet bald das Heimatmuseum in Wyk auf Föhr.
www.friesen-museum.de
Museum Kunst der Westküste
Von einem überregional anerkannten Museum berichtet Rust in dem Abschnitt: "Museum Kunst der Westküste - Vom Leben der Menschen am Meer" S. 218ff . Dem Namen des Museums entsprechend, sammelt es Kunst, die das Leben am Meer "der kontinentalen Nordseeküste" in den Mittelpunkt rückt. Badende Menschen, Promenaden-Spaziergänger, die hart arbeitenden Fischer sind einige der Motive der über "500 grafische Arbeiten und Gemälde" umfassenden Sammlung des 2009 eröffneten Museums in
Alkersum. Künstler wie Max Beckmann, Christian Krogh, Max Libermann, Emil Nolde und Edvard Munch sind nur Beispiele für das umfassende Arsenal von Grafikern und Kunstmalern, deren Werke in Alkersum vereint sind. Der gesamte Museumskomplex ist über die Ausstellung hinaus ein "Treffpunkt auf Föhr tätiger Küntler und Ort der Begegnung von Einheimischen und Besuchern..."
www.mdkw.de
Sehenswürdigkeiten auf Föhr
Fazit - wirklich wunderschöne verlockende Trauminseln im Norden
Der journalistische Bildband ist ein journalistisches Bilderband von vier Trauminseln im friesischen Norden. Fasettenreich wie die Inseln Sylt, Amrum, Föhr und Römö (auf 13 Seiten lädt uns Jürgen Rust auf die dänische Insel Römö ein) sind, werden sie von Jürgen Rust detailfreundig abgebildet, Porträts von Menschen, Landschaften, Geschichte und Geschichten der Inseln machen diesen Bildband zu einem wirklich lesenswerten Buch, welches zwei Auswirkungen auf mich hatte/hat: Es gab mir so viele Impulse für diesen Bericht, dass er wirklich sehr viel länger wurde als ich zuerst vermuten wollte und dieses Buch wird der erste Schritt zur Versöhnung für mich mit der Nordsee sein! Es hat mich wirklich neugierig gemacht noch einmal an die Küste zu fahren und viele der bis eben aufgeschrieben Sehenswürdigkeiten und Orte selbst zu sehen und zu erleben. Nordsee ich komme....!
Fakten zum Buch:
240 Seiten ; über 1000 Abbildungen darunter vier Karten der Inseln
Edition Limosa GmbH
ISBN 978-3-86037-455-9
Preis: 19,90 €uro
weitere Buchtitel von Limosa: Rügen
|