Mit dem Rother Wanderführer auf den Einbecker Hausberg |
| Geschrieben von Roland Wagner | |
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Von Einbeck zur Burg Greene Gleich den Anreisetag wollen wir für eine etwa 4stündige Wanderung nutzen. Zur Eingewöhnung reicht uns eine blaue Tour. Wir werden nach 5 Stunden erfahren haben, das blau schon ganz schön anstrengend sein kann! Da wir als ersten Übernachtungsort den Münchhausenort Bodenwerder ausgewählt haben, nutzen wir einen Stopp bei der Anreise in der schönen Fachwerk- und Bockbierstadt Einbeck für unsere Wanderung. Von Einbeck zur Burg Greene heißt der Tourenvorschlag im Rother Wanderführer. Wie in jeder Routenbeschreibung beginnt der Autor mit einigen Einführungssätzen zur konkreten Wanderregion, schon hier gibt er erste Empfehlungen. Sein Tipp: Unbedingt die historische Altstadt von Einbeck ansehen. Das verschieben wir an das Ende unserer Tour. Wie die Einführung findet sich in jedem Kapitel ein kleiner Kartenauszug, der durchaus zur Groborientierung ausreicht, ein Streckenprofil mit Kilometer- und Zeitangaben sowie den Höhenunterschieden zwischen den Teilabschnitten der Wegstrecke. Hier erfahren wir, dass wir in der ersten Stunde, also auf vier Kilometern, einen Höhenunterschied von 175 Metern zu "erklimmen" haben. Danach zeigt das Höhenprofil ein bergab, ein bergauf und wieder ein bergab auf dem 18 Kilometer langen Rundkurs an. Insgesamt ist ein Höhenunterschied von 275 m zu bewältigen, das ist eine der, jeder Tourenbeschreibung vorangestellten, Kerninformationen : Ausgangspunkt / Höhenunterschied / Anforderungen / Einkehr / Karte. So erfahren wir schnell, dass wir Ausdauer, Orientierungsvermögen benötigen, da die Wege teilweise ohne Markierung zu wandern sind. Wir sollten Proviant dabei haben, da es keine Einkehrmöglichkeit gibt, erhalten eine Wanderkartenempfehlung (wir laufen ohne Karte los) und sollen an den Parkplätzen der Altstadt von Einbeck starten. Die Wahl des Parkplatzes bereitet uns ein wenig Kopfzerbrechen, im direkten Innenstadtbereich verlangen die Parkautomaten unbeschreibliche 2€ je Stunde. Bei vier bis fünf Stunden schon ein recht teures Vergnügen, was die Einbecker Stadtväter ihren Touristen abverlangen. Dafür könnte ich mir fast einen Rother-Wanderführer kaufen, wenn nicht eh die Höchstparkdauer überschritten wäre. Orts unkundig, aber mit dem Vorwissen des Buches ausgestattet, suchen wir auf einem im Zentrum aushängenden Stadtplan den Weg zum Hubeweg. Auf diesem soll der Wanderer Einbeck verlassen, also suchen wir dort nach dem geeigneten Stellplatz. An dieser Stelle gibt Visitatio den ultimativen Geheimtipp, für alle die diese Route wandern wollen. Stellt Euer Fahrzeug auf den kleinen Parkplatz links vor der Kreuzung Hubeweg / Harlandstraße ab. Er liegt direkt am Wanderweg, seine großen Bäume spenden Schatten und!!! er ist kostenlos (Stand Juli 2010). Raus aus dem Auto, Rucksack auf den Rücken, Wanderschuhe an die Füße und los geht es schweißtreibende vier Kilometer bergauf. Mal abgesehen, das der Berg gut anstrengend ist für eine erste Wanderung nach einigen Monaten, kommt was den Schweiß betrifft eine eindeutige Fehlentscheidung hinzu. Wir starten in der Mittagshitze eine Tages, für den 34 Grad angemeldet sind. Entlang des endlos scheinenden Hubeweges, vorbei an Reihenhäusern und Zweckbauten aus den letzten Jahrzehnten gelangen wir an den Ortsrand. Ulrich Tubbesing empfiehlt den Schatten der Lindenallee, der mit einer Sonne im Zenit leider wenig Abkühlung bietet. Am Waldrand angelangt, ist das erste Mal Orientierungssinn angefragt. eine lang gestreckte Kurve zieht Richtung Nordwest. Rechts zweigt eine schmalere Straße ab, die sofort mit steilerem Anstieg parallel der Hauptstraße folgt. Kein Wegweiser, kein Straßenname - aber die Karte im Wanderführer reicht, um zu entscheiden den steileren Weg zu nehmen. Jetzt wird es richtig anstrengend. Auf Asphalt, vorbei an einem kleinen Hotel, dem versteckt im Wald liegenden Forsthaus und einem Forstschuppen mit Mufflonschneckenverzierung kraxeln wir die Hube empor. Links zeigt ein Wegweiser Richtung Friedwald. Nach einigen hundert Metern kommt der erste, dann der zweite Wanderparkplatz. Auf der Hube dem Hauswald von EinbeckWir sind eine knappe halbe Stunde unterwegs, haben die ersten drei Zeilen der Tourbeschreibung hinter uns, das Wasser rinnt zwischen Rucksack und Rücken in die Hosenregion und wir biegen rechts ab auf den Schotterweg, der in den Wald hineinführt. Das Ende des Anstiegs ist nicht in Sichtweite. Steil und gerade führt der Weg bergauf. Unklar wie hoch 175 Höhenmeter sind. Aber wir suchen die sportliche Herausforderung und klagen nicht, auch wenn zu Hitze und Bergaufstieg kleine Plagegeister kommen, die uns zu recht unnatürlichen Hand- und Armbewegungen zwingen. Weibliche Tabanidae stürzen sich auf uns, um mit ihren lästigen Mundwerkzeugen an unser Blut zu gelangen. Zum Glück reist der Zuflug der Bremsen bald wieder ab! Am Sendemast der Telekom auf dem Fuchshöhlenberg ist der erste Aufstieg des Tages geschafft. Mit wenigen leichten Links- und Rechtsbiegungen windet sich der Weg durch den malerischen Laubwald, der hier auch Schatten spendet, zur Schwarzen Hütte. Eine kurze Pause, für einen Schluck Wasser leisten wir uns. Bis hier waren wie 15 Minuten über der Zeitempfehlung des Rother Wanderführers. Eine längere Pause wollen wir uns erst auf Burg Greene erlauben. Am Wegweiser, an der Schwarzen Hütte treffen viele Wege zusammen, fehlt glücklicherweise nicht der Pfeil Richtung Greene. Aussichtslos wäre es hier mitten im Wald die richtige Richtung zu finden. Ich muss an die Ratschläge des kleinen roten Wanderführers in meiner Tasche denken, der keine Garantie gibt den Weg auch zu finden....In der folgenden 3/4 Stunde geht es bergab. Forstfahrzeuge haben den Weg aufgewühlt. Trotz der Hitze der letzten Tage hält sich energisch Regenwasser in den Fahrrinnen. Das Wild wird dankbar sein. Die Spuren der Fahrzeuge sind ein Zeichen der Zivilisation. Hier im Hauswald von Einbeck, der Höhenzug Hube hat eine Fläche von knapp 47 Quadratkilometern, ist uns noch kein Mensch begegnet. Ein Grund sich zu freuen für den Großstädter, der die Ruhe des Waldes sucht. Die Touristiker von Einbeck sollten darüber nachdenklich sein. Ist ihre Umgebung als Wanderregion erkannt? Reicht es Touristen nur mit der Schönheit des Fachwerks zu locken? Die Ausschilderung und Markierung der Wege läßt zweifel aufkommen. Unser Wanderweg, so lese ich im Wanderführer war trotz seines beträchtlichen Höhenunteschiedes einst eine vielfrequentierte Route der Fuhrwerke, die vom Harz kommend in Richtung Weser unterwegs waren. Über die Hube konnten die sumpfigen Leineauen umfahren werden. Ein Thema, welches mit Informationstafeln am Wegesrand dem Wanderer Wissenszuwachs vermitteln könnte! Für einige Zeit verlieren wir den Weg des Wanderfühers. Es ist der breitere Forstweg, der ausnahmsweise mit einem Wegweiser Richtung Burg Greene markiert ist, der uns von der empfohlenen Strecke abbringt. So gelangen wir zwar sicher und eventuell bequemer ans Ziel, aber es dauert wieder einige Minuten länger. Ein gutes hat aber diese Wegwahl, den Nahe der Burg fällt mir ein Schild auf "Taubergsweg", welches mir später helfen soll. Bevor wir schon etwas ungeduldig das erste Mal den kantigen Bergfried der schönsten Burgruine des Leinetals (Untertitel des Tourenkapitels im Rother Wanderfüher ) erblicken, lenkt ein Fuchs seine Aufmerksamkeit auf sich. Nur wenige Schritte vor uns will er die Forststraße überqueren. Der Wind steht schlecht für ihn so nimmt er erst mit Verzögerung Witterung auf. Flux dreht er in den Wald zurück, um in zwanzig Meter Entfernung zu verharren. Auf seiner Höhe angelangt erblicken wir ihn wieder. Starr schauen wir uns gegenseitig an. Nach vier-fünf Sekunden ist es ihm zu blöd. Er macht kehrt und verschwindet im Unterholz. Nur wenige hundert Meter weiter öffnet sich der Wald. Ein großzügiger Parkplatz sucht auch hier an diesem Hitzetag vergebens seine Berufung. Kein Auto, kein Mensch weit und breit. Hinter einer Baumreihe lugt Burg Greene hervor. Das nächste Teilstück ist erreicht! Burg Greene Die Burgruine ist umgeben von einigen Häusern. Handwerker sind dabei auf einem renovierungsbedürftigen Bau Dachlatten zu wechseln. Direkt gegenüber des Burgportals mit seinem Kronenwappen und metallverziertem Holzgatter sitzt ein Mann in seinem Büro hinter Fachwerkmauern am Computer. Neid kommt in mir auf, über diesen entzückenden Arbeitsplatz. Den Bergfried der mittelalterlichen Burg hat der Mann immer vor Augen. Errichtet wurde die Burg, von der nur noch die Außenmauern, der Turm, das Tor und einige Fundamentumrisse erhalten sind 1308 durch die Edlen von Homburg. Ganze 101 Jahre dauerte die Anwesenheit derer von Homburg auf Greene, dann starb die Adelslinie aus. Witwe Schonette vermachte die Burg, welche die Handelswege entlang der Leine und am Leineübergang bewachte an den Herzog Berhard von Braunschweig. Der Bischof von Hildesheim geriet darüber mit den Welfen in Streit und so wechselte die Feste 1414 für 12000 rheinische Gulden den Besitzer, allerdings mit der Zusicherung des bevorzugten Wiederverkaufsrechts für die Braunschweiger. Von diesem machte 1451 Wilhelm der Ältere von Braunschweig Gebrauch. 1499 waren die 12000 rheinische Gulden von den Welfen aufgebracht, um die Burg endgültig wieder in Besitz zu nehmen. 1553 begann durch Volrad von Mansfeld die Zerstörung der Burg. Nachdem dieser Haudrauf sich mit der erfolgreichen Belagerung und Plünderung des Ratzeburger Doms in den Auseinandersetzungen der Reformationszeit einen Namen gemacht hatte, zog er gegen den katholischen Herzog von Braunschweig zu Felde, eroberte Burg Liebenburg bei Goslar, zerstörte das Rittergut Kirchberg bei Seesen und letztendlich hieb er gegen Burg Greene. Im 30jährigen Krieg wurden die Zerstörungen fortgesetzt. So blieb den Herzögen Rudolf August und Anton Ulrich im Jahr 1694 nur die Möglichkeit die Burg aufzugeben. Zitat: "weil das alte Schloss und Amtshaus sowohl Alters als Gefahr halber nicht mehr bestehen, weniger der Amtshaushalt auf solchen alten Gebäuden fernerhin geführet werden könne." Ab 1704 war Burg Greene verlassen und verfiel. Zweihundertneunundvierzig Jahre später gerät die Burgruine noch einmal in den Mittelpunkt der Geschichte, der Nachkriegsgeschichte. 1953 wird der Bergfried Gedenkstätte der deutschen Kriegsgefangenen des Verbandes der Heimkehrer. Beim Aufstieg zu Aussichtsplattform des Bergfriedes erblickt der Besucher Altaren ähnelnde Wandnischen. Eine Texttafel daneben erklärt ihre einstige Nutzung. In den Ehrenschreinen mit den Wappen der Bundesländer wurden Unterschriftenlisten für die Freilassung aller Kriegsgefangenen deponiert. Bis 1961 waren diese Dokumente hier aufbewahrt und allabendlich erklang vom Turm her die Freiheitsglocke. Der Aufstieg zur Plattform lohnt mit einer wunderbaren Aussicht über das Leinetal bis in den Harz auf der einen und bis in Höhenzüge des Weserberglandes auf der anderen Seite. Für einen Moment verschnaufen wir noch auf dem ehemaligen Burghof, dann geht es auf den Rückweg. Über Taubergs Ruh nach Negenborn Im Rother Wanderführer "Weserbergland" heißt es: "Am Parkplatz oberhalb Greene benutzt man das Forststräßchen, nimmt im Wald links den vergrasten "Taubergweg" zum Rastplatz "Taubergs Ruh" und wandert stehts in Waldesnähe bis zum sogenannten Himmelreich." Das Schild kommt mir wieder in den Sinn, vom ein wenig verfehlten Hinweg zur Burg Greene - "Taubergweg"! Also Retoure! Einige hundert Meter wieder bergauf, bis sich nach Südwest hin eine Lichtung am Wegesrand zeigt. Hier festgenagelt an einem Ahorn der Wegweiser nach Taubergs Ruh. Ohne dieses Schild wäre der Rückweg wahrscheinlich unauffindbar. Was wir nicht ahnen können, hier beginnt der abenteuerlichste Teil des Weges. Nur wenige Meter verläuft der Weg noch am Waldrand. Unten im Tal fahren vereinzelt Autos in Richtung Einbeck - letztes Zeichen der Zivilisation. Dann verschwindet der Weg im Dickicht, wird schmaler, die Äste streifen das Gesicht. Hier hat lange kein Wanderer seinen Fuß gesetzt. Der letzte Regen, bei Tagestemperatur jenseits der 30 Grad kaum in Erinnerung, hat schlammige Kuhlen hinterlassen. Zweifel kommt auf, Rothers Wanderführer würde uns verführen. Da öffnet sich der Wald zu einem Kreisrund. Baumstämme sind hier gelagert, ein breiterer Schotterweg schließt sich an. Licht erfüllt den Südhang hier. Die alten Laubbäume haben erst in gewaltiger Höhe Äste angesetzt deren Blätter dem Wanderer wenig Schatten spenden. Waren wir schon bei Taubergs Ruh - oder ist dies hier das Himmelreich? Der Weg schlängelt sich sanft bis er an einer Weggabelung wieder den Berg hinauf will. Links eine Haarnadelkurfe schlagend führt eine Schotterpiste weiter ins Tal. Kein Schild weit und breit. Des Wanderers Instinkt lässt ihn die Hakenkurve wählen, auch wenn es scheinbar die entgegengesetzte Richtung ist. Da, schon fast verwittert ein Schild, eigentlich Abseits der Blickrichtung - Zufallsfund!! - "Südrandweg" - wir scheinen gerettet. Über diesen Weg so Rothers Wanderführer gelangen wir hangseitig in das hübsche Negenborn. Doch bis dahin vergeht noch einige Zeit und auch hier ist weiter Orientierungssinn gefragt. Die Wegemarkierung jedenfalls ist in diesem Waldstück eher eine Katastrophe denn Wanderfreundlich. Selbst eine große Orientierungstafel an einer Schutzhütte, benennt Wege aber zeigt keine Ziele. Spätestens hier hilft nur noch die Sonne die zu vorgerückter Stunde schon mehr in Richtung Westen gewendet ist. Wir folgen ihr einen Berg hinauf und sehen bald die Kirchturmspitze von Negenborn.Hier ist Siesta. Kein Mensch auf der Straße. Unter dem Pflaster gluckst ein Quelle, offenbar der Born, welcher dem Ort den Ursprung gab. Die kleine Kirche, einige Treppenstufen hinauf wurde bereits im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt, Ende des 19. Jahrhundert aber mit einem neuen Turm versehen. Es wird Zeit Negenborn den Rücken zu kehren. Ein letzter steiler Anstieg steht uns bevor. Trockenvegitation auf dem Altendorfer Berg Die Sonne brennt erbarmungslos. Die Negenborner Quellenstraße führt hinaus auf einen schattenlosen, von hohem Gras und Unkraut überwucherten Feldweg. Zum Ende hin steigt er steil an. Bei Temperaturen um 32 Grad Celsius ist der Weg beschwerlich. Selbst in der Feriensiedlung, nur knapp 200 Meter entfernt ist kein Mensch zu sehen. Die Siedlung heißt "Sonnenberg". Wir spüren warum!Oben angelangt umgibt uns eine völlig andere Vegitation als vor einer halben Stunde am Negenborner Burgberg. War es dort dichter Buchenwald, der am Boden sogar noch die eine oder ander Pfütze trotz des heißen Wetters vor Austrocknung bewahrt hat, stehen wie hier im nach Harz duftenden Kiefernwald. Der Kammweg führt nach Süden. In westlicher Richtung muss Einbeck in der Senke liegen. Der Rotherbuch Wanderführer "Weserbergland" greift voraus und teilt uns mit, dass an der Buschwiese der Abstieg beginnen wird. Die Buschwiese gehört zum Naturschutzgebiet Altendorfer Berg. Die eine Hälfte ist von einem Weidezaun umschlossen. Schafe liegen dicht gedrängt beieinander. Auch ihnen ist es bei dieser Hitze zu anstrengend ihrer "Arbeit" nachzugehen. Die über zig Jahrzehnte andauernde Beweidung dieses 100 Hektar großen Gebietes hat zu einer schützenswerten Trockenvegitation geführt. In diesem Sommer ist es so trocken, dass der Boden gerissen ist. Dazwischen fast vertrocknete Grashalme. Immer wieder stehen kleine Gruppen von Wacholder oder einer recht spitzdornigen Hecke auf der Fläche verteilt. Das Areal erweist sich als idealer Lebensraum für Insekten, Spinnen und Reptilien. Die seltenen Orchideen, die auch hier zu finden sein sollen, entdecken wir nicht. Entweder ist es auch für ihre Existenz zu heiß, oder wir entdecken sie nicht, weil es uns zu heiß ist. Ohne Kopfbedeckung sollte man doch nicht an solchen Hitzetagen auf Wanderung gehen. Am Weinbergweg erreichen wir das Stadtgebiet von Einbeck. Durch Reihenhaussiedlungen finden wir bald den Weg zurück zum Parkplatz am Hubeweg. Nach einer kurzen Rast werden wir uns aufmachen, das langsam in abendliche Licht tauchende Fachwerkstädtchen Einbeck zu besuchen. Das kleine rote Büchlein vom Bergverlag Rother bleibt bis zur nächsten Tour im Rucksack.
Fazit des Buchtest (-tipp)
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Häufig werden von Verlagen für die Presse vorbereitete Texte für Rezensionen der Buchtitel einfach nur in den Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt. Belletristik erhält nicht selten die Gnade des Autoren einer Buchbesprechung gelesen zu sein. Mit gedruckten Wanderführern sollte man noch spezieller umgehen. Sie sollten getestet werden. Visitatio griff dazu aus dem über 500 Titel umfassenden Katalog des
Gleich den Anreisetag wollen wir für eine etwa 4stündige Wanderung nutzen. Zur Eingewöhnung reicht uns eine blaue Tour. Wir werden nach 5 Stunden erfahren haben, das blau schon ganz schön anstrengend sein kann! Da wir als ersten Übernachtungsort den Münchhausenort Bodenwerder ausgewählt haben, nutzen wir einen Stopp bei der Anreise in der schönen Fachwerk- und Bockbierstadt Einbeck für unsere Wanderung. Von Einbeck zur Burg Greene heißt der Tourenvorschlag im Rother Wanderführer. Wie in jeder Routenbeschreibung beginnt der Autor mit einigen Einführungssätzen zur konkreten Wanderregion, schon hier gibt er erste Empfehlungen. Sein Tipp: Unbedingt die historische Altstadt von Einbeck ansehen. Das verschieben wir an das Ende unserer Tour. Wie die Einführung findet sich in jedem Kapitel ein kleiner Kartenauszug, der durchaus zur Groborientierung ausreicht, ein Streckenprofil mit Kilometer- und Zeitangaben sowie den Höhenunterschieden zwischen den Teilabschnitten der Wegstrecke. Hier erfahren wir, dass wir in der ersten Stunde, also auf vier Kilometern, einen Höhenunterschied von 175 Metern zu "erklimmen" haben. Danach zeigt das Höhenprofil ein bergab, ein bergauf und wieder ein bergab auf dem 18 Kilometer langen Rundkurs an. Insgesamt ist ein Höhenunterschied von 275 m zu bewältigen, das ist eine der, jeder Tourenbeschreibung vorangestellten, Kerninformationen : Ausgangspunkt / Höhenunterschied / Anforderungen / Einkehr / Karte. So erfahren wir schnell, dass wir Ausdauer, Orientierungsvermögen benötigen, da die Wege teilweise ohne Markierung zu wandern sind. Wir sollten Proviant dabei haben, da es keine Einkehrmöglichkeit gibt, erhalten eine Wanderkartenempfehlung (wir laufen ohne Karte los) und sollen an den Parkplätzen der Altstadt von Einbeck starten. Die Wahl des Parkplatzes bereitet uns ein wenig Kopfzerbrechen, im direkten Innenstadtbereich verlangen die Parkautomaten unbeschreibliche 2€ je Stunde. Bei vier bis fünf Stunden schon ein recht teures Vergnügen, was die Einbecker Stadtväter ihren Touristen abverlangen. Dafür könnte ich mir fast einen Rother-Wanderführer kaufen, wenn nicht eh die Höchstparkdauer überschritten wäre. Orts unkundig, aber mit dem Vorwissen des Buches ausgestattet, suchen wir auf einem im Zentrum aushängenden Stadtplan den Weg zum Hubeweg. Auf diesem soll der Wanderer Einbeck verlassen, also suchen wir dort nach dem geeigneten Stellplatz. An dieser Stelle gibt Visitatio den ultimativen Geheimtipp, für alle die diese Route wandern wollen. Stellt Euer Fahrzeug auf den kleinen Parkplatz links vor der Kreuzung Hubeweg / Harlandstraße ab. Er liegt direkt am Wanderweg, seine großen Bäume spenden Schatten und!!! er ist kostenlos (Stand Juli 2010). Raus aus dem Auto, Rucksack auf den Rücken, Wanderschuhe an die Füße und los geht es schweißtreibende vier Kilometer bergauf. Mal abgesehen, das der Berg gut anstrengend ist für eine erste Wanderung nach einigen Monaten, kommt was den Schweiß betrifft eine eindeutige Fehlentscheidung hinzu. Wir starten in der Mittagshitze eine Tages, für den 34 Grad angemeldet sind. Entlang des endlos scheinenden Hubeweges, vorbei an Reihenhäusern und Zweckbauten aus den letzten Jahrzehnten gelangen wir an den Ortsrand. Ulrich Tubbesing empfiehlt den Schatten der Lindenallee, der mit einer Sonne im Zenit leider wenig Abkühlung bietet. Am Waldrand angelangt, ist das erste Mal Orientierungssinn angefragt. eine lang gestreckte Kurve zieht Richtung Nordwest. Rechts zweigt eine schmalere Straße ab, die sofort mit steilerem Anstieg parallel der Hauptstraße folgt. Kein Wegweiser, kein Straßenname - aber die Karte im Wanderführer reicht, um zu entscheiden den steileren Weg zu nehmen. Jetzt wird es richtig anstrengend. Auf Asphalt, vorbei an einem kleinen Hotel, dem versteckt im Wald liegenden Forsthaus und einem Forstschuppen mit Mufflonschneckenverzierung kraxeln wir die Hube empor. Links zeigt ein Wegweiser Richtung Friedwald. Nach einigen hundert Metern kommt der erste, dann der zweite Wanderparkplatz.
auf den Schotterweg, der in den Wald hineinführt. Das Ende des Anstiegs ist nicht in Sichtweite. Steil und gerade führt der Weg bergauf. Unklar wie hoch 175 Höhenmeter sind. Aber wir suchen die sportliche Herausforderung und klagen nicht, auch wenn zu Hitze und Bergaufstieg kleine Plagegeister kommen, die uns zu recht unnatürlichen Hand- und Armbewegungen zwingen. Weibliche Tabanidae stürzen sich auf uns, um mit ihren lästigen Mundwerkzeugen an unser Blut zu gelangen. Zum Glück reist der Zuflug der Bremsen bald wieder ab! Am Sendemast der Telekom auf dem Fuchshöhlenberg ist der erste Aufstieg des Tages geschafft. Mit wenigen leichten Links- und Rechtsbiegungen windet sich der Weg durch den malerischen Laubwald, der hier auch Schatten spendet, zur Schwarzen Hütte. Eine kurze Pause, für einen Schluck Wasser leisten wir uns. Bis hier waren wie 15 Minuten über der Zeitempfehlung des Rother Wanderführers. Eine längere Pause wollen wir uns erst auf Burg Greene erlauben. Am Wegweiser, an der Schwarzen Hütte treffen viele Wege zusammen, fehlt glücklicherweise nicht der Pfeil Richtung Greene. Aussichtslos wäre es hier mitten im Wald die richtige Richtung zu finden. Ich muss an die Ratschläge des kleinen roten Wanderführers in meiner Tasche denken, der keine Garantie gibt den Weg auch zu finden....
Die Burgruine ist umgeben von einigen Häusern. Handwerker sind dabei auf einem renovierungsbedürftigen Bau Dachlatten zu wechseln. Direkt gegenüber des Burgportals mit seinem Kronenwappen und metallverziertem Holzgatter sitzt ein Mann in seinem Büro hinter Fachwerkmauern am Computer. Neid kommt in mir auf, über diesen entzückenden Arbeitsplatz. Den Bergfried der mittelalterlichen Burg hat der Mann immer vor Augen.
Im Rother Wanderführer "Weserbergland" heißt es: "Am Parkplatz oberhalb Greene benutzt man das Forststräßchen, nimmt im Wald links den vergrasten "Taubergweg" zum Rastplatz "Taubergs Ruh" und wandert stehts in Waldesnähe bis zum sogenannten Himmelreich." Das Schild kommt mir wieder in den Sinn, vom ein wenig verfehlten Hinweg zur Burg Greene - "Taubergweg"! Also Retoure! Einige hundert Meter wieder bergauf, bis sich nach Südwest hin eine Lichtung am Wegesrand zeigt. Hier festgenagelt an einem Ahorn der Wegweiser nach Taubergs Ruh. Ohne dieses Schild wäre der Rückweg wahrscheinlich unauffindbar. Was wir nicht ahnen können, hier beginnt der abenteuerlichste Teil des Weges. Nur wenige Meter verläuft der Weg noch am Waldrand. Unten im Tal fahren vereinzelt Autos in Richtung Einbeck - letztes Zeichen der Zivilisation. Dann verschwindet der Weg im Dickicht, wird schmaler, die Äste streifen das Gesicht. Hier hat lange kein Wanderer seinen Fuß gesetzt. Der letzte Regen, bei Tagestemperatur jenseits der 30 Grad kaum in Erinnerung, hat schlammige Kuhlen hinterlassen. Zweifel kommt auf, Rothers Wanderführer würde uns verführen. Da öffnet sich der Wald zu einem Kreisrund. Baumstämme sind hier gelagert, ein breiterer Schotterweg schließt sich an. Licht erfüllt den Südhang hier. Die alten Laubbäume haben erst in gewaltiger Höhe Äste angesetzt deren Blätter dem Wanderer wenig Schatten spenden. Waren wir schon bei Taubergs Ruh - oder ist dies hier das Himmelreich? Der Weg schlängelt sich sanft bis er an einer Weggabelung wieder den Berg hinauf will. Links eine Haarnadelkurfe schlagend führt eine Schotterpiste weiter ins Tal. Kein Schild weit und breit. Des Wanderers Instinkt lässt ihn die Hakenkurve wählen, auch wenn es scheinbar die entgegengesetzte Richtung ist. Da, schon fast verwittert ein Schild, eigentlich Abseits der Blickrichtung - Zufallsfund!! - "Südrandweg" - wir scheinen gerettet. Über diesen Weg so Rothers Wanderführer gelangen wir hangseitig in das hübsche Negenborn. Doch bis dahin vergeht noch einige Zeit und auch hier ist weiter Orientierungssinn gefragt. Die Wegemarkierung jedenfalls ist in diesem Waldstück eher eine Katastrophe denn Wanderfreundlich. Selbst eine große Orientierungstafel an einer Schutzhütte, benennt Wege aber zeigt keine Ziele. Spätestens hier hilft nur noch die Sonne die zu vorgerückter Stunde schon mehr in Richtung Westen gewendet ist. Wir folgen ihr einen Berg hinauf und sehen bald die Kirchturmspitze von Negenborn.
Die Sonne brennt erbarmungslos. Die Negenborner Quellenstraße führt hinaus auf einen schattenlosen, von hohem Gras und Unkraut überwucherten Feldweg. Zum Ende hin steigt er steil an. Bei Temperaturen um 32 Grad Celsius ist der Weg beschwerlich. Selbst in der Feriensiedlung, nur knapp 200 Meter entfernt ist kein Mensch zu sehen. Die Siedlung heißt "Sonnenberg". Wir spüren warum!