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Kulturvoll Berlin genießen

Geschrieben von Roland Wagner   
Sehenswürdigkeiten DeutschlandEndlich kann ich einmal einen wirklich gelungenen Freizeitführer für Berlin empfehlen. Vom Peter-Meyer-Verlag Frankfurt am Main kam mir dieser Tage ein Bändchen in die Hand, welches für Touristen aller Altersgruppen, Neuberliner und selbst alteingesessene Hauptstädter wirklich gute Tipps parat hält, egal ob es um Sehenswürdigkeiten, Museen, Theater, Bars, Kneipen und Restaurants oder Parks und Einkaufsmeilen geht.

 

 

 

Berlin die Hässliche ! (?)

Berlin City Kultur & GenussAutor Wolfgang Kling, selbst ein richtiger Berliner, weil er erst vor 34 Jahren nach Berlin zog (in Berlin ist man der Auffassung, dass richtige Berliner nicht in Berlin geboren wurden) hat mit Akribie einen inhaltsreichen und gleichzeitig wirklich lesenswerten Reiseführer geschrieben. Interessant ist die Herangehensweise an das 272 Seiten starke Büchlein im Handbuchformat. Schon im ersten Absatz kommt Kling mit einer unglaublichen Provokation daher, die er sich allerdings vom Schriftsteller Peter Schneider leiht: "Die Stadt ist nicht gerade eine Schönheit, eher ....'von einer wohl nicht mehr aufhebbaren Hässlichkeit, aber es ist eine Hässlichkeit von großem Charakter..." Wenn dies die These zu seinem Werk ist, gelingt es Kling auf den kommenden Seiten den Leser auf eine schöne Stadt mit Charakter aufmerksam zu machen, ohne dabei in den stehts wiederkehrenden Gliederungen üblicher Reiseführer zu verharren. Es gibt den obligatorischen historischen Einstieg mit überschaubaren Fakten zur Berliner Geschichte. Aber dann geht es los und es fühlt sich an wie ein, er schreibt es in seiner Einleitung, Baukastensystem. Nicht wie eins von IKEA, heißt man braucht keine unfreundliche Gebrauchsanweisung, nein es ist eher ein Lego-Baukasen : bunt, glänzend, variabel, intuitiv und vorallem kreativ! "Berlin City - Kultur & Genuss" macht mit seinen zwei geografischen und sieben thematischen Kapiteln wirklich Lust auf das selbständige Erkunden des Großstadtdschungels. Das Buch liefert keine dogmatischen Fertigrouten gibt eher Anregungen die Vielfalt Berlins zu kosten und zu genießen!

Berlins Mitte und seine Kiezkultur


Im ersten Kapitel führt uns Wolfgang Kling in "Die historische Mitte" Berlin's, zeigt uns das Regierungsviertel, die Spandauer Vorstadt, lädt uns ein zu kleinen Spaziergängen vom Brandenburger Tor zur Friedrichstraße, präsentiert die Humboldt-Universität und das Forum Fridericianum und geht mit uns von der Staatsoper zur Museumsinsel. Hat der Besucher noch Kraftreserven geht es weiter zum Marienviertel und dem Fernsehturm und dann zu einer Stippvisite ins historische Nicolaiviertel. Während er bereits in den einzelnen Abschnitten auf markante Gebäude, wie das Ephraimpalais von 1766 oder die Nikolaikirche  den"ältesten Sakralbau Berlins, der heute als Ausstellungs- und Konzerthaus genutzt wird", eingeht, wendet er sich in einem gesonderten Abschnitt bedeutenden Kirchenbauten der Stadt zu. Hier wirdRotes Rathaus ausführlicher über die St. Hedwigs Kathedrale, die an den Pantheon in Rom erinnert, die St. Marienkirche und den Berliner Dom mit der Hohenzollerngruft geschrieben. In ähnlich detaillierter Form gibt uns das Buch Informationen über repräsentative Bauten wie das Brandenburger Tor, die Neue Wache, das Rote Rathaus und den Reichstag ....Einzelne Straßenzüge und Plätze wie der Alexanderplatz, der Gendarmenmarkt, der Potsdamer Platz und die Hackeschenhöfe geraten in den Focus. Auch hier ist es die kompakte Information über Geschichte, Bauwerke und Fakten wie Öffnungszeiten, Eintrittspreise und die gesonderten Tipps in den Randspalten,welche das Büchlein so wertvoll machen. Da gibt es Hinweise welche Restaurants empfehlenswert sind, wann in den Kirchen die Orgeln erklingen oder welche Bücher (auch anderer Verlage!) noch wertvolle Zusatzinformationen geben könnten.
Das zweite Kapitel ist verschiedenen Berliner Kiezen vorbehalten. Deren Namen sind verknüpft mit besonderen Menschenschlägen, Wohnsituationen und Kulturellen Lebensbereichen. Das Kreuzberg von vorgestern ist irgendwie der Prenzlberg von gestern und der Friedrichshain von heute. Mit den Mietpreise wandeln die Bewohner von einem Viertel in das nächste, es wachsen neue Gemeinschaften mit anderen Einflüssen verschiedener internationaler und nationaler Kulturen, die wiederum von der Jugendlichkeit oder dem Alter seiner Bewohner und Besucher beeinflusst werden. Der Prenzlberg ist Hipp, wird aber in weiten Teilen immer glatter und steriler. Junge wohlhabende Familien ziehen hier ihre Kinder auf und sind schon etwas besorgter um die Ruhe der Nacht. Der Friedrichshain hingegen kennt diese nicht! Er ist Party-, Techno-, Mode- und Independetartmeile schlechthin, Kreuzberg ist Mythos, Rixdorf ein einst wirklich Böhmisches Dorf, Charlottenburg ein Liebesnest...Halt! Warum eigentlich? Die Antwort ist in der Geschichte zu suchen. Vor den Toren Berlins suchte  vor vielen Jahren "ein verliebtes Fürstenpaar, Sophie Charlotte und Friedrich mit Vornamen" einen Platz für ein beschauliches Schlösschen. Dieses wurde größer und repräsentativer, die Fürstin starb als der Fürst preußischer König wurde, woraufhin dieser dem Schloss und entstanden Städtchen den Namen seiner Geliebten Gattin gab...
Die Reise durch Berlin wird für den Leser des Buches eine stete Reise in die Geschichte, mit der Berlin wie kaum eine andere Stadt verbunden ist. An einzelnen Stellen des Buches werden besondere Geschichten mit einem gelben Hintergrund hervorgehoben. So lesen wir z.B. von tapferen Frauen jüdischer Männer von der Rosentstraße oder von der Blockade und der Luftbrücke.

Wasser, Mauer, Parks und Gärten...


Genug Geografie!? Nun auch die kommenden Kapitel kommen nicht ohne die Nennung von Adressen aus, aber das Sortierprinzip ist weniger von Straßenzügen und Plätzen beeinflusst als von Themen. Wussten Sie eigentlich schon das Berlin wirklich mehr Brücken hat als Venedig? ; dass Berlin eine Wasserstadt ist die wunderbar über Spree, Havel, Dahme, Panke und vielen verbindenden Kanäle und Flüßchen durchzogen ist... Steigen Sie ein in einen der vielen Ausflugsdampfer und genießen Sie diese andere Perspektive z.B. auf die Regierungsbauten in der Stadtmitte. "Berlin City - Kultur & Genuss" weiß wo die Anlegestellen sind, führt den Leser zu den Sommerstränden mit Bars und Musik (Bundespressestrand, Oststrand...) und gibt Anregungen um welche Seen sich Wanderungen lohnen. Wannsee und Mügelsee, die weithin bekannt sind, stehen da nicht einmal im Vordergrund. Es sind auch die Geheimtipps wie der Spaziergang um den Oranke- und Obersee zum Mies van der Rohe Haus, die das Buch so empfehlenswert machen.
Berliner MauerEin gesondertes Kapitel wendet sich der Berliner Mauer, ihrer Geschichte, ihren Schicksalen, ihren besonderen Plätzen und Gedenkstätten zu. Im Stadtzentrum selbst sind die Wunden der Zeit in den zurückliegenden zwanzig Jahren an vielen Orten verschwunden. Nur wenige Mauerstücke sind hier erhalten, viele von ihnen durchlöchert von "Mauerspechten". Doch wer mit offenen Augen durch die Stadt wandert findet mit Pflastersteinen markiert den Verlauf der einst teilenden Mauer. Diese Spur, übrigens auch als Mauerradweg markiert führt uns vom Brandenburger Tor über den Potsdamer Platz, die Topographie des Terrors zur bekannten Checkpoint Charly mit dem Mauermuseum. Wo die Stadtbezirke Mitte und Wedding aufeinander stoßen, an der Brunnenstraße, ist an der Gedenkstätte Berliner Mauer noch ein ganzes Stück des ehemaligen Grenzstreifens original erhalten. Zwischen Ostbahnhof und der markanten Oberbaumbrücke zieht das längste erhaltene Mauerstück (1316 Meter) täglich tausende Besucher mit seiner East Side Gallery an. "118 Künstler aus 21 Ländern" schufen hier "ein buntes Graffiti-Kunstwerk mit 106 Gemälden."
Berlin ist auch eine grüne Stadt. "15% der Stadt besteht aus öffentlichen Grünanlagen", dazu gehören Parks und Gärten sowie stille Ruheflächen. Fried- und Kirchhöfe sind in Berlin in besonderem Maße Spiegelbilder der deutschen Zeitgeschichte. Wolfgang Kling wählte für sein Buch acht bedeutende Begräbnisplätze der Hauptstadt aus, die einerseits grüne Oasen sind, aber zugleich für viele prominente Menschen die letzte Ruhestätte wurden. E.T.A. Hofmann und Felix Mendelsohn Bartholdy sind auf den Friedhöfen am Halleschen Tor begraben.Der Maler Adolph Menzel ruht auf dem Friedhof an der Bergmannstraße. Rudi Dutschke fand seine Ruhestätte auf dem Dahlemer St. Annen-Friedhof. Pfarrer Martin Niemöller, so lesen wir im Buch, sagte: "Er kann mein Grab haben. Ich habe ja Verwandtschaft in Westdeutschland." Auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde steht der Gedenkstein für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg und Bertold Brecht und Karl Friedrich Schinkel liegen mit vielen anderen Prominenten auf dem Dorotheenstättischen Friedhof in Berlin-Mitte. Wer Zilles Grab sucht muß "janz weit raus". Er ist auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf begraben. Die Brüder Grimm, der Arzt und Sozialpolitiker Rudolf Virchow und der Pädagoge Diesterweg liegen auf dem Alten St. Matthäus Friedhof in Berli-Schöneberg. Wäre das Buch nicht 2010 erschienen würde sicher darin stehen, dass Rio Reiser auch auf diesem Gräberfeld seinen Ruheplatz fand.
Knut, der berühmte Berliner Eisbär lebt auch nicht mehr, aber als Anziehungspunkt hat er es auf die Titelseite des Buches und in eine Überschrift geschafft. "Knut, Knautschke und Co" heißt der Abschnitt über den Zoologischen Garten und den Tierpark in Berlin Friedrichsfelde.
Ausführlichen Platz erhalten die großen Parkanlagen wie der Tiergarten, der Botanische Garten, die Gärten der Welt in Marzahn, der Volkspark Hasenheide (der einst eine Hasenweide war) und der Körnerpark mit dem sich ein Kiesgrubeneigentümer ein Denkmal setzte.

Museen, Theater, Tanzlokale

Schwules Museum BerlinInsgesamt sind in dem Freizeitführer 35 Museen der Hauptstadt erfasst. 26 von ihnen werden ausführlicher beschrieben. Natürlich sind dabei die großen international bekannten Häuser wie das Pergamon-Museum, das Neue Museum mit der Nofretete, das Alte Museum am Lustgarten, das Berliner Naturkundemuseum mit dem riesigen Skelett des Branchiosaurus oder das Deutsche Historische Museum. Wir finden auch die stillen Orte wie das Anne Frank Zentrum oder das Jüdische Museum, entworfen von dem Stararchitketen Daniel Libeskind. Aus der Vielfallt der Berliner Museumslandschaft weckt Wolfgang Kling auch Begeisterung für die skurrilen oder besonderen Museen wie das Hanfmuseum, die Blindenwerkstadt Otto Weidt oder das Schwule Museum am Mehringdamm. Keines dieser Häuser, auch hier wieder mit umfangreichen Informationen zu Öffnungszeiten und Eintrittpreisen, möchte der Berlin Besucher verpassen und schon beim Lesen dieser Seiten wird jeder Tourist verspüren, dass auch diese Reise nach Berlin zu kurz geraten ist.

Konzerthaus am GendarmenmarktEine Berlinreise ohne Theater- Opern- oder Kabarettbesuch ist frevel! Auch hier ist das Angebot der Stadt größer als es ein Buch wie dieses erfassen kann. Dennoch gelingt es dem Autoren eine Auswahl für verschiedene Geschmäcker zu treffen: die avantgardistische Volksbühne, das Berliner Ensemble - das Brecht Theater! , das Deutsche Theater für die klassischen Inszenierungen im neuen Gewand oder das schrille GWSW - Prime Time Theater im Wedding, in dem "alle drei Wochen eine neue Folge mit jeweils abgeschlossener Geschichte" auf die Bühne kommt. In der Aufzählung fehlen nicht die Bar jeder Vernunft, der Friedrichstadtpalast , die Philharmonie, das Konzerthaus am wunderschönen Gendarmenmarkt und die Deutsche Oper in der Bismarckstrasse. Ergänzt wird das Kulturelle Angebot mit Leseorten, Jazzclubs und natürlich dem Open-Air-Theater Berlins schlechthin der Waldbühne. Dem Theater-, Opern-, Kabarett- und Konzertbesucher in der Hauptstadt kann eins versichert werden: Jede Aufführung hat den Promibonus, den international und nationale bekannte und berühmte Künstler werden Sie auf den Bühnen begeistern auch während der Pausen ist das eine oder andere TV- und Filmgesicht im Publikum zu finden!
Wer das Tanzbein schwingen möchte findet im Freizeitführer "Berlin City - Kultur & Genuss" verschiedene Anregungen für alle Altersgruppen und Musikstile, ob es etwas nostalgisch sein soll in Clärchens Ballhaus unter der Diskokugel oder im weltweit angesagten Technoklub Berghain im Stadtbezirk Friedrichshain. An dieser Stelle ist das Bändchen auch für Berliner, die das Ausgehen verlernt haben, hilfreich bei der Rückkehr auf das Tanzparkett.

Vom Shoppen, Currywurst - Essen und anderen Verwöhntempeln in Berlin


 Sie suchen einen besonderen Knopf für die selbst gestrickte Jacke, die Anregung für ein ganz besonderes Geschenk vom Flohmarkt oder aus dem SecondHand Kaufhaus, wollen wissen auf welchen Märkten das Obst und Gemüse wirklich ÖKO ist und wo es die Zutaten für die internationale Genießerküche für den heimischen Herd gibt? Die Gelben Seiten sind von gestern! Ach ne! "Berlin City - Kultur und Genuss" kommt ja auch in gelb daher! Ich versichere Ihnen,  einige der Einkaufsplätze die in diesem Besuch vermerkt sind werde ich bei meinen nächsten Einkaufsbummeleien aufsuchen...schon beim Lesen lief mir das Wasser im Mund zusammen! Das Witzige ist, dass es auch das KADEWE sein kann aber wirklich nicht sein muss!
Mit dem genießen geht es weiter im Kapittel: "Currywurst & Hummer" Ob die Currywurst nun wirklich aus dem Ruhrgebiet oder Berlin kommt erfahre ich zwar nicht, aber dass die Berliner Currywurst am besten bei Curry 36 oder Konnopke in der Schönhauser schmeckt...hier soll sich sogar der Ex-Kanzler Schröder als Fan geoutet haben. (an dieser Stelle vieleicht ein Tipp für die Zweitauflage! Das Currywurstmuseum am Checkpoint Charly ist auch einen Besuch wert! ) Wem die Imbisswurst mit oder ohne Darm nicht reicht, der wird auch für Cafe'-Häuser, Altberliner Kneipen oder die wirklich edelen Gourmetrestaurants bei Sterneköchen begeistert! Das Buch schließt wie es beginnt: Es ist für jeden Geschmack etwas dabei!

Fazit


Erlesene Orte und Plätze in Berlin auf eigene Faust erkunden! Wer dieses will sollte unbedingt zum Freizeitführer "Berlin City - Kultur & Genuss" greifen und ihn zum Reisegepäck für die Hauptstadt legen. Menschen die anfangen mit dem entziffern kleinerer Buchstaben und Zahlen Schwierigkeiten zu bekommen, denen empfehle ich dringend zu einer Sehhilfe, besonders wenn es um die orangefarbene Schrift im bestens zusammengetragenen Glossar geht! Dies ist aber wirklich der einzige Kritikpunkt an diesem wunderbaren Berlin-Buch!
Ach so! Wenn Sie die Stelle finden, wo erklärt wird warum der Sekt - Sekt heißt dann teilen Sie es mir doch bitte mit! Vor lauter Spaß am Lesen der vielen kleinen Geschichtchen und Episoden in den Randspalten hab ich glatt vergessen wo das stand !?

Also viel Spaß beim Erlesen von Berlin!

 

Sehenswürdigkeiten DeutschlandSehenswürdigkeiten im Band "Berlin City - Kultur & Genuss"


Fakten zum Buch:


272 Seiten ; 130 Fotos
Stadtplan mit Verkehrslinien
Umweltfreundliche Herstellung
klimaneutrale Druck

pmv Peter Meyer Verlag Frankfurt am Main

ISBN 978-3-89859-313-7
Preis: 16,95 €uro


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