Mit dem Band "Weser & Renaissance" von Michael Bischoff und Rolf Schönlau hat der Holzmindener Verlag Jörg Mitzkat der einzigartigen Baukunst- und Kulturregion links und rechts der Weser einen äußerst lesbaren Reisbegleiter Touristen auf Straße der Wesserrenaissance herausgegeben.
Lange
schon suchte ich das geeignete Handbuch für Rad- oder Auto-Touren
entlang der Straße der Weserrenaissance.Nichts war zu finden. Selbst das
Zentrale Verzeichniss Antiquarischer Bücher ZVAB.com , in welchem immer
etwas zu finden ist, war lange Zeit "Suchstille". So kam es wie so
oft, wenn man ein Thema aus den Augen verliert, kommt es plötzlich aus
völlig unerwarteter Richtung:
Seit etwa einem Jahr veröffentlicht Visitatio die Rangliste Twitternder
Museen aus Deutschland. Einige Monate vergingen, da tauchte in der Liste
@Graf Simon VI auf. Unter seinem Synonym twittert das im Lemgoer
Schloss Brake befindliche Weserrenaissance-Museum. Der so wieder
lebendig gewordene Simon Vi berichtet über Ereignisse aus der
Renaissance-Zeit, von seinen bekannten oder weniger bekannten
Zeitgenossen (Kopernikus, Christopher Marlowe oder Landgraf Wilhelm dem
Weisen...) und von seinem Schloss Brake. Im Gezwitscher über die
Weserrenaissance gab er mir den Tipp zum Buch "Weser & Renaissance" ....
Die Reise geht von Bremen nach Hannoversch Münden entlang der Weser. Die
Autoren Michael Bischoff und Rolf Schönlau beschreiben die
herausragenden Bauten der Weserrenaissance und geben darüber in
einzelnen Kapiteln Informationen zu speziellen Themengebieten. In der
Einleitung werden wir mit der Entstehungszeit der Renaissancebauten an
der Weser (in einem Kapitel wird sie die Autobahn der frühen Neuzeit
bezeichnet) von 1520 bis 1620 konfrontiert. Es sind die hundert Jahre
zwischen Reformation und dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges, eine
Zeit wachsender Spannungen zwischen katholischem und protestantischen
Glauben, die recht große Zahl von weltlichen und kirchlichen Ländereien
werden vom Geist der Reformation erfasst, ein wirtschaftlicher und
kultureller Aufschwung setzt ein, der sich unter anderem im
flächendeckenden Umbau einst mittelalterlicher Herrschaftssitze im Stil
der Renaissance manifestiert.
Auch die Bürger von Bremen werden von dieser Moderne erfasst. Die
reichen Kaufleute der Hafen- und Hansestadt lassen das gotische Rathaus
mit einer außergewöhnlich schmuck reichen Renaissancefassade versehen,
die den Bau heute unter UNESCO-Weltkulturerbeschutz stellt. Dem
Zusammenfluss von Werra und Fulda entgegen kommen wir auch vorbei an
unbekannteren Baudenkmalen wie Schloss Thedinghausen, Schloss
Petershagen und der Schelenburg (Landkreis Osnabrück) oder lesen von den Renaissancebauten der Weserstadt
Nienburg, den Prachtbauten von Bückeburg und Stadthagen.Insgesamt werden in dem Band über Renaissancebauten in 44 Orten geschrieben. Zu den Orten und Budenkmalen im Buch zählen u.a. Celle, Wolfenbüttel, Lemgo, Einbeck, Höxter, Kassel, die Hämelschenburg, Schloss Helen und Schloss Bevern. Es sind die Daten der Bauzeit, ihre Baumeister und Bauherren, bemerkenswerte Episoden und zeitgeschichtliche Einordnungen, die "Weser & Renaissance" zu einem wertvollen Reisebegleiter für Kulturreisende in Niedersachsen machen.
Ein Audio CD ergänzt das Buch "Weser & Renaissance"
Das Format des Buches passt in jede Radtasche auf dem Weserradweg aber ist durch eine Besonderheit auch für Autoreisende besonders zu empfehlen. Zum Buch gehört eine Audio-CD, die Reisende auf der Route der Weserrenaissance auf das Thema perfekt einstimmt. Hörszenen geschrieben Rolf Schönlau erzählen in Dialogform wie seinerzeit Zollgrenzen zu umgehen waren, auf welche Weise Hamelner Kaufleute zu erlesenen Waren kamen und was es mit den Waidtransporten aus Thüringen auf sich hat (ist übrigens ein Rohstof zur Farberzeugung). Besonders die detaillierte Schilderung der Hochzeit von Ludolf von Münchhausen (1570-1640) mit der Anna von Bismark veranschaulicht das Leben in den Palästen dieser Zeit. Umrahmt mit zeitgenössischer Musik vom Ensemble - WESER RENAISSANCE aus Bremen ist die CD ein wirkliches Hörerlebnis.
Sandstein, Gymnasien, Tischsitten, Kornkammern ... Themenkapitel
Abgerundet wird das Buch durch ausführliche Themenkapitel, die weit über die Darstellungen der Baudenkmale im Stil der Weserrenaissance hinausgehen. Ausführlich wird geschrieben über den Baustoff - den Sandstein
der aus Obernkirchen kam und dort bereits im 11. Jahrhundert abgebaut wurde, im 16. Jahrhundert ein wirklicher Exportschlager wurde (Dänemark, Flandern, Holland) und natürlich auch in Renaissancebauten in der Weserregion
verbaut wurde. In anderen Abschnitten werden wir an den Tisch des Fürsten gebeten, lesen darüber wie die Bewohner der Renaissanceschlösser Landsknechtstruppen zusammenstellten die an den Kriegen dieser Zeit teilnehmen mussten,
die Oberweserregion eine bedeutende Kornkammer wurde und so zum Wohlstand an der Weser beitrug und erfahren Wissenswertes über einen gewissen Graf Simon VI. Dieser gab dem Lemgoer Baumeister Hermann Wulff den Auftrag die Burg Brake bei Lemgo zu einem prächtigen Renaissanceschloss umzubauen. Heute befindet sich hier das Weserrenaissance - Museum , welches sich mit einer detailreichen und liebevollen Ausstellung dem Erbe der Renaissance an der Weser verschrieben hat. Danke Graf Simon VI. für Schloss Brake und dem wunderbaren und wirklich empfehlenswerten Buchtipp!
Baudenkmale an der Straße der Weserrenaissance
Weser & Renaissance
104 Seiten
ISBN 978-3-931656-29-4
Preis: 19,80 Euro
Verlag Jörg Mitzkat
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