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Gärten und Parks in Niedersachsen - ein Bildband in Grün

Geschrieben von Roland Wagner   
Sehenswürdigkeiten in Deutschland Mit dem in diesem Jahr erschienen prachtvollen Bildband "Gärten und Parks in Niedersachsen" setzt der Rostocker Hinstorff - Verlag seine Anstrengungen erfolgreich fort, auch außerhalb Mecklenburg - Vorpommerns nach interessanten Themen für sein Verlagsprogramm zu  greifen. Begeben wir uns auf eine Reise durch wirklich grüne Oasen Niedersachsens!

 

 

gaerten-park-niedersachsen-.jpgEs ist ein grünes Buch geworden, der Bildband "Gärten und Parks in Niedersachsen" vom Rostocker Hinstorf - Verlag . Der Einband ist grün, den Schutzumschlag ziert ein Foto mit grüner Efeuhecke und gleich grünem Rasen (aufgenommen im Großen Garten Hannover-Herrenhausen) - selbst die Skulptur scheint nur noch kurze Zeit dem Grün zu widerstehen und letztlich, oder doch besser erstlich ist der Bildband gefüllt mit wunderbaren Fotos grünender Gärten und Parks im größten Flächenland Norddeutschlands. 

Die Autoren ein Expertenteam

Fast 50 Grünanlagen zwischen Nordsee und Harz, Elbe und Ems hat das Autorenteam um  Herausgeber Wilken von Bothmer detailverliebt besucht, beobachtet, beschrieben und ins Bild gesetzt. Dabei ist dem Team gemein, dass sie neben der Passion des Schreibens und Fotografierens auch ihre Berufung in Themen des Buches haben. von Bothmer ist studierter Forstwirt, Autor Jens Beck Architekt und Landschafts- und Freiraumplaner und Fotograf Karl Johaentges arbeitete vor seinen ersten Bildbänden als Architekt. Diese Sachkenntnis führt beachtenswerter Weise aber nicht zu einem Fachbuch, sondern zu einem wirklich bestens lesbaren Stoff, dessen Texte die Harmonie der beschriebenen Gartenanlagen bildhaft widerspiegeln und dessen Fotos Lust zum Betrachten vor oder nach dem Spaziergang im Grünen erzeugen: Schloss Richmond in Braunschweig spiegelt sich im Abendlicht in einemTeich. Die Stämme der Bäume färben sich Orange im schwächer werdenden Sonnenlicht, nur leicht schlieren die Wellen des Teiches das Spiegelbild. Am rechten Bildrand taucht noch ein Radfahrer zu abendlichen Tour auf dem Uferweg auf. Wenige Seiten weiter, wieder ein doppelseitiges Bild: Vier Farben zeichnen den Georgengarten in Hannover. Sattes Grün der Bäume und Sträucher, sandsteinfarben setzt die Augustenbrücke Licht in die Szene, an Ufersteinen und den Stämmen der Bäume am linken Bildrand findet sich Grau-braun - und in Rot (wurde es bestellt?) huscht eine ältere Dame über die Brücke. Für den Moment könnte man meinen, Karl Johaentges habe die Queen bei einem Besuch ihrer niedersächsischen Verwandtschaft ertappt. Völliger Faszination erliege ich beim Anblick der Fotografien der Fontäne im Großen Garten, der Figuren im Luststück oder der Randallee. Die außergewöhnliche Qualität von Foto und Druck erschließt sich beim Anblick der Bückeburger Figurengruppe von Adrian de Vries. Das Sonnenlicht von links hinten zeichnet sanfte Kontraste in Sandstein, Stahl, Grünspan und lässt Spinnweben als Brillantennetz erscheinen. Etwa 100 häufig ganz- oder doppelseitige Fotos zieren das Werk mit seinen 144 Seiten. Es bleibt genügend Platz um sich in Texten die Geschichte, botanischen und architektonischen Besonderheiten oder den  landschaftsgestalterischen Prämissen zuzuwenden.

Parks und Gärten der Niedersächsischen Residenzstädte

Intelligent strukturiert lesen wir zuerst von den Schlossparks  und -gärten der niedersächsischen Residenzen in Celle, Braunschweig, Wolfenbüttel, Oldenburg und Hannover. "Im Zentrum der Macht" titelt dieser Abschnitt und erklärt wie die "reich geschmückten Außenanlagen einem herrschaftlichen Sitz die gewünschte Aufmerksamkeit und damit künstlerische wie auch politische Ausstrahlung" verliehen. Mit Luftaufnahmen von Celle und Hannover wird die Macht durch Größe der Gärten veranschaulicht.

Grüne Kleinode in der Provinz - Schloss Clemenswerth als Beispiel

Es folgt ein Kapitel, welches sich den kleineren, den Grünanlagen der Jagd-, Sommer- und Lustschlösser des niedersächsischen Adels zu wendet. Bückeburg, Rastede, Jever, Burg Bentheim, Agathenburg, gar Cklemenswerth findet sich wieder. Der Bildband erobert die ganze Fläche Niedersachsens und findet selbst in der fernen Provinz Kleinode. Clemenswerth, so der Autor, zählt zu den wenigen vollständig erhaltenen barocken Jagdschlössern in Niedersachsen. Die Schönheit und Einzigartigkeit der Anlage führt  Jens Beck zu der Aussage, dass nur der wirkliche Besuch, kein Text und kein Bild, die Verspieltheit und Dynamik  des Schlossensembles  würdigen kann. Hier gibt sich Beck nicht geschlagen, er zeigt den nötigen Respekt des Autoren zu der Kunst der Schloss- und Landschaftsarchitekten. Schloss Clemenswerth errichtete kein geringerer als Conrad Schlaun, der auch für viele Bauten im Münsterland und am Rhein Verantwortung zeigte. Das Rüschhaus, der Erbdrostehof in Münster, Schloss Nordkirchen - allesamt den Freunden der 100-Schlösser-Route durchs Münsterland ein Begriff - aber auch, und dies sei hervorgehoben, das, zum UNESCO - Weltkulturerbe zählende Schloss Brühl, mit Park und Palais Falkenlust zeigen seine Handschrift.

Gartenkunst adliger Güter

Die beschriebenen und fotografierten Grünanlagen werden kleiner aber nicht minder beeindruckender. Selbst der  Landadel Niedersachsens war sich der Bedeutung von verzaubernden Gärten und Parks bewusst. Noch heute, wie in Gesmold gelebt  - Familie Hammerstein ist seit 1664 im Besitz von Schloss und Park - zeigen sich die Eigentümer traditionsbewusst und führen liebevoll die historischen Anlagen weiter.  Die Fotos dieser Gärten zeigen mehr Farbe. Rot und Flieder in Lütetsburg, sanftes Gelb in Densted und Rosa und Lila in Gesmold. Nicht unerwähnt bleiben darf der Landschaftpark von Wrisbergholzen und der Gutspark von Eckerde.

Mystik Sakraler Bauten, von Klostergärten und Freidhöfen

Mit Faszination schaut der Betrachter auf einer Doppelseite durch die romanischen Rundbögen der Stiftskirche Fischbeck -  nahe der Weser - in den Garten der Äbtissin. Dieser, der Klostergarten von Medingen und der Garten an der Pfarre von Beber entfaltet eine besondere Mystik. Beim betrachten der Bilder hört man das Summen der Bienen und Hummeln im Blütenmeer der Kräuterpflanzen, atmet schier deren Armonen ein und wird geweckt vom Läuten der Glocken.
Noch beruhigender für die Sinne erleben wir den Besuch der Friedhöfe. Die Wucht der mächtigen Grabmale auf dem Hase- und Johannisfriedhof in Osnabrück und die Unendlichkeit der Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof von Neustadt eröffnen eine kraft- und gleichzeitig hoffnungsvolle Stimmung.

Öffentliche Gärten, Parks der Industriellen, Gärten der Künstler, botanische Gärten und Gartenkunst des 20. Jahrhundert

In vier Kapiteln werden weitere Sparten der Landschaftsgestaltung besprochen und abgebildet. Da sind die Stadt- und Kurparks von Bad Pyrmont, Seesen, Göttingen, Braunschweig, Hannover und Wilhlemshaven, deren Existenz nicht selten auf  Flächen, wegen militärischer Unbrauchbarkeit abgerissener und geschliffener Festungsanlagen, wurzelten.
Mit der Industrialisierung und dem entstehenden Wohlstand der Fabrikanten, erwuchs in ihnen der Wunsch, dem wirklichen Adel mit Villen und Gärten nicht nach zustehen, um sich ebenfalls wie oben beschrieben ins Zentrum der Macht zu begeben. Zeugnisse dieser Aera sind Breidings Garten in Soltau und des Farbenfabrikanten Borchers Garten in Goslar. Die Gärten der Nordwolle hatten zwar auch mit der Industrialisierung zu tun, aber sie kamen dann doch eher den Arbeitnehmern zu Gute. 3000 von ihnen erhielten mit Haus und Hof auch einen Garten, welche die Wollkämerei Delmenhorst anlegen lies. Von besonderer Art - meist kleiner aber nicht weniger liebevoll angelegt - sind die Gärten der Künstler. Klar das Worpswede auch in diesem Niedersachsenbuch nicht fehlen darf.
Auch die Botanischen Gärten und Aboreten Niedersachsens - in Hannover, Göttingen und Hamlen finden in dem Band ihren Platz.  Besonders anrührend ist die Geschichte von Christa von Winnig, die in "besserem Haus" geboren war, aber in dem Gartenhandwerk ihre Berufung sah. Erst ein wenig verpönt, rettete ihr die Gartenkunst nach dem Krieg die Existenz. Sie floh in die Nähe von Uelzen, fing an Obst und Gemüse anzubauen und züchtete Blumen. Das Sammeln exotischer Pflanzen war dann nur noch eine Frage der Zeit.
Das letzte Kapitel wendet sich beispielhaft der Gartenkunst des 20. Jahrhundert zu. Der Autor dieses Beitrags (auch in seinen Adern fließt Gärtnerblut - sein Großvater war Landschaftsgärtner in preussisch-brandenburgischen Schlossgärten) kann der monitär hyperfuturistischen Landschaftsgestaltung der Autostadt Wolfsburg nichts abgewinnen. Mehr Beton als Grün, ist auf jeden Fall ein Grund fern zu bleiben...oder ist er noch nicht enmal im 20. Jahrhundert angekommen?  Johaentges, der Fotograf, findet sich zurecht und die richtige Perspektive für die Fotos der neuen Zeit. Expogärten, der neue botanische Garten Osnabrück und die Gärten von Ippenburg setzt er in Szene. Wobei mit letzteren eine Art Ringbau geschlossen wird, den die 2009 angelegte Gartenanlage kann, wie Jens Beck formuliert "auf eine stattliche grüne Vergangenheit zurückblicken, denn die seit über 600 Jahren im Besitz der Famlilie von dem Busche befindliche Gutsanlage hat vermutlich immer über Nutzgärten und ein gestaltetes Umfeld verfügt."
Einen I-Punkt schiebt Beck noch nach - seinen Lieblingsgarten. Diesen findet er im Gutspark Horneburg im Alten Land. Was diesen Garten so einzigartig für ihn macht, verrät er aber selbst...in seinem Buch!

Rund um gelungen!

Mit dem Bildband "Gärten und Parks in Niedersachsen" ist dem Team um Wilken von Bothmer und dem Hinstorff - Verlag Rostock ein Glanzstück gelungen. Nicht nur für bibliophile Sammler, sondern auch für Gartenfreunde, Niedersachsen Besuchende und Freunde Niedersachsens ist dieses Buch eine anregende Lektüre. Anregend im Winter, um an den Sommer zu denken, im Frühjahr, um die ersten Touren zu planen, im Sommer, um die Spaziergänge mit Erkenntnissen anzureichern und im Herbst, um diese noch einmal zu erleben. Ein wundervolles Buch, welches gern noch ein taschenformatiges Geschwisterchen bekommen dürfte!

Sehenswürdigkeiten in DeutschlandSchlösser, Parks, Gärten, Friedhöfe, Museen und Kirche die im Bildband "Gärten und Parks in Niedersachsen" zu finden sind.

Gärten und Parks in Niedersachsen


144 Seiten / Hardcover mit 100 Farbfotos
ISBN 978-3-356-01344-3
Preis: 24,90 Euro

 

 

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