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Der gestiefelte Kater
 Wer wissen will, warum 4+4+4=18 sind, der sollte die echt meisterhafte Verfilmung des Grimm-Märchens "Der gestiefelte Kater" anschauen. Die Brüder Hermann (Josef Heynert) Hubert (Stefan Haschke) und Hans (Jacob Matchenz) verlieren gleich am Anfang des Films ihren Vater (Jan Fedder). Dieser, der Müller, vermacht dem Ältesten die Mühle, dem Zweiten den Esel, um den sich dieser gut kümmern soll und dem Jüngsten, dem Tagträumer Hans den zarten rotweiß getigerten Kater Minkus. Trauernd um den Vater, welcher sich zu Lebzeiten schützend vor Hans stellte, aber gleichzeitig entäuscht über das scheinbar geringe Erbe des Vaters, beabsichtigt Hans, mit grober Geste veranschaulicht, aus des Kater Minkus Fell Fäustlinge zu machen. Doch Minkus rettet sein Fell mit schlauem Spruch. Ja Minkus, so stellt sich heraus, ist ein sprechender Kater, der Hans auffordert, ihm Stiefel zu kaufen. Just in diesem Moment erscheint auf dem Hof vor den Augen des verbluften Hans zu seiner noch größerer Verwunderung ein fahrender Schuster mit wundschönen roten Stulpenstiefeln. Minkus reibt sein Fell kurz an der neuerworbenen Fußbekleidung und siehe da, er ersteht als menschenähnlicher Kater (Roman Knižka) in feinster Hofbekleidung. Er greift sich Mehlsack und ein paar Körner, um den verdutzten Hans mit den Worten zu verlassen: "Das Glück liegt auf der Straße".
Nur wenig später fallen drei schwarzen Reiter gefolgt von dem bösen Zauberer Abaddon (Jürgen Tarrach) in das Dorf ein, um Steuern ein zu treiben. Da die Müllerssöhne nicht zahlen können, verzaubert Abaddon Hubert in einen ziemlich niedlichen Hund, und droht Hermann in einen Dackel und Hans in einen Mops zu verwandeln, wenn sie nicht bis zu seinem nächsten "Besuch" das Geld bei der Hand hätten. Ein dramaturgischer Vorgriff auf den Zauberer, der die Grimmsche Vorlage verlässt, aber so früher den Bösewicht einführt und die Spannung erhöht. Der von Roman Knižka unglaublich witzig dargestellte gestiefelte Kater nimmt nun das Geschick der Brüder in die Hände. Wie im Märchen der Brüder Grimm fängt er Rebhühner, bringt sie zum König (Kai Wiesinger), erhält dafür Golddukaten und entfacht bei der Prinzessin Frieda (Jennifer Ulrich) ein liebliche Neugier auf den Grafen? Karabas / Hans. Minkus kehrt zurück ins Dorf rettet mit den Dukaten Hermann und Hans vor dem Hundsein und fädelt geschickt die Verwandlung des nun von Prinzessin Frieda träumenden Müllerssohn Hans in den von Bauern und Waldarbeitern geliebten Grafen Karabas ein. Als er nach bekannter Prozedur den Zauberer Abaddon als Maus verschluckt (der Mäuseschwanz ist eine braungefärbte Nudel) steht dem künftigen Glück von Hans und Frieda nichts mehr im Wege. Als Lohn für seine treuen Dienste wird Minkus vom (verspielten, naiven, etwas dusseligen) König in den Adel erhoben und Erster Minister.
Zieglerfilm Köln
Die Zieglerfilm Köln GmbH hat mit dem "Gestiefelten Kater" wieder eine erstklassige Produktion für Kinder und Erwachsene auf den weihnachtlichen Filmgabentisch gelegt. Die Erfahrungen nutzend und vom Erfolg motiviert, im letzten Jahr steuerte Zieglerfilm Köln "Das tapfere Schneiderlein " der ARD-Produktion "Sechs auf einen Streich" bei, bewog Produzentin Elke Ried das nahezu identische Produktionsteam auf den "Gestiefelten Kater" loszulassen. Das ohnehin schöne Märchen wurde unter der Regie von Christian Theede zu einem kurzweiligen und spannenden "Grimmi". Witzige Dialoge, das Buch schrieben Dieter und Leonie Bongartz, ein beschwingendes Musikalisches Thema - Peter W. Schmidt (ehrlich, ich hopste noch Stunden nach dem Filmerlebnis, mit der Melodie im Kopf durch einen Berliner Supermarkt, um die letzten Weihnachtseinkäufe zu erledigen!) farbenfrohe Kostüme (Susanne Platz) und zauberhafte Kamerabilder rundeten das Kunstwerk ab. Aber da gibt es noch etwas wichtiges, was zum Erfolg des Filmes beiträgt: die...
Drehorte des "Gestiefelten Kater"
Wie im vergangenen Jahr produzierte Zieglerfilm Köln für den NDR und so lag es nah, im Norden nach geeigneten Drehplätzen zu suchen. Für die Außenaufnahmen von Mühle und Dorf ging es ins Schleswig-Holsteinsche Freilichtmuseum Molfsee am südlichen Ortsrand von Kiel. Hier fand man in Wald und Wiesen eingebettet die ländliche Idylle eines norddeutschen Dorfes mit reedgedeckten Fachwerkbauten. Das Innere der Mühle hingegen wurde im Freilichtmuseum am Kiekeberg / Rosengarten-Ehestorf im Landkreis Harburg gedreht. In diesem Museum mit 30 historischen Gebäuden aus der Lüneburger Heide und der Winsener Marsch, hier gibt es u.a. eine orginal ausgestattete Schmiede, ein Backhaus, einen Schafstal und Bauernkaten, war es nicht schwer den geigneten Hintergrund für das Haus des Müllers zu finden. Hier wurde Hubert in das niedliche Hündchen verzaubert.
Neben den dörflichen Leben spielt der Film auch in Schlössern und Palästen. Auch hier ist Außen nicht gleich Innen. Der Tronsaal der Königs beispielsweise ist der Spiegelsaal im Hamburger Museum für Kunst & Gewerbe. Direkt am Hamburger Hauptbahnhof gelegen, würde das Treiben der Großstadt kaum zulassen, hier auch die Außenaufnahmen zu machen, zumal das Museum für Kunst & Gewerbe als Gründerzeitbau auch Architektonisch nicht ins Zeitbild des Märchens passen würde. Im inneren des Museums aber liefert der 1909, im neoklassizistischen Stil errichtete Spiegelsaal, der erst 1980 vom Hamburger Budge-Palais hierher kam, die prachtvolle Kulisse für ein Königshaus. Den Schlosspark (u.a. Abfahrtspunkt der Kutsche) fanden das Filmteam im Altonaer Volkspark. Als Außenmotiv für das Königsschloss diente Schloss Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Das Schloss des Zauberers Abaddon und spätere Schloss des Grafen Karabas ist das heutige Tagungshotel Schloss Tremsbüttel . In heutiger Form im Neorenaissancestil Ende des 19. Jahrhundert errichtet, geht es auf einen Vorgängerbau aus dem 18. Jahrhundert zurück. Große Namen logierten hier: Matthias Claudius (Der Mond ist aufgegangen), Friedrich Kloppstock, Wilhelm von Humboldt, Sophia Loren und die Rolling Stones. Die Beatles liesen sich auf dem Balkon über dem Eingangsportal ablichten. Hier war im Film das große Finale. Die von Abaddon verzauberten "Steuerschuldner" verwandelten sich vom Hund in Menschen, Hans traf seine Brüder wieder, küsste sein Frieda erstmals und Kater Minkus wurde erster Minister. Das Innere eines heutigen Tagungshotels lieferte nicht die etwas düstere und staubige Atmosphäre des Zaubertempels. Hierzu mussten die Filmleute ins 15 Kilometer entfernte Grabau. Im hiesigen Herrenhaus, welches 1908 im neogotischen Stil gebaut wurde, verwandelte sich Abaddon in Elefant, Löwe und Maus, um schließlich verspeist zu werden.
Bleiben die herrlichen Landschaftaufnahmen. Kaum zu glauben, das Hans an einem Hamburger See seine Hüllen vom Müllerssohn zum "Grafen" wechselte. Der Hummelsee im Hamburgs nördlichem Stadtteil Hummelsbüttel war der Schauplatz des vorgetäuschten Diebstahls der gräflichen Tracht und Kutsche. Die Grenzbrücke zwischen Königreich und Reich des Abaddon lässt sich am Gut Schönau in Reinbeck/Ohe wiederfinden. Nur sollte die Movietouristen die Porträts von König "Kai" und Zauberer "Jürgen" hier vergeblich suchen. Dafür sollten sie aber bei einem Spaziergang um Gut Schönau, das heute als Veranstaltungsort (Bismarkscheune) genutzt wird, die Wiesen und Felder des Grafen Karabas entdecken. Hier sprach der Gestiefelte Kater: "Hier wird gleich der König vorbei fahren! Und wenn er wissen möchte, wem diese Felder gehören, sagt ihm: Dem gütigen Grafen von Karabas, den wir von Herzen lieben! " Die Waldarbeite hingegen, grüßte Minkus im Naturschutzgebiet Hahnenheide bei Trittau, 30 Kilometer westlich von Hamburg. In diesen Wäldern kann der Besucher mit Ruhe und Geduld ausgestattet wirklich noch Rebhüner entdecken, die der Gestiefelte Kater im Film dort fing. Aber Achtung! Auch er hat sich an die Vorgaben des Naturschutzes
gehalten. Für den Betrachter des wahrhaft zauberhaften Märchens, fing er die Rebhühner, aber immer dran denken, es ist nur ein Film...
Bildquelle: NDR/Nicolas Maack
nächster Sendetermin:
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