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Acht auf einen Streich Märchendrehorte der ARD

Artikelinhalt
Acht auf einen Streich Märchendrehorte der ARD
Schneewittchen
Rapunzel
Der gestiefelte Kater
Dornröschen
Die Gänsemagd
Rumpelstilzchen
Die Bremer Stadtmusikanten
Die kluge Bauerntochter

Rapunzel

Rapunzel Bild: rbb/Arnim Thomaß/Isabella Malek (Grafik)Als eine junge Frau mit dickem Zopf aus dem Dorf rennt, um ihrem Mann, der gerade den kargen, offenbar brandenburgischen Acker pflügt, zu sagen, dass sie ein Kind von ihm erwartet, ist die böse Alte schon in der Nähe.  Suzanne von Borsody musste lange dafür in der Maske sitzen, um derart unangenehm auszusehen. Lange, so sagt sie hat sie auf eine derart böse Rolle gewartet, lange, habe sie selbst an dem von ihr für diese Rolle gestrickten Umhang gesessen und ganz und gar nicht lange kam ihr der Dreh zu dem wunderbar von der Potsdamer ANTAEUS Film und TV Produktion GmbH für den rbb inszenierten Märchen "Rapunzel" vor. Das Interesse der Alten an den leiblichen Eltern von Rapunzel ist ausdauernd. Direkt nach der frohen Botschaft sitzt die Mutter (Anja Westermann / der Vater wird von Boris Aljinovic gespielt) auf dem Eselfuhrwerk der bösen Kräuterfrau. Mit dem Spruch "Euer Glück soll meines werden!" nimmt sie die Geschichte, die sich dann ereignet vorweg und mit: "Erst die Rapunzel bringen euer Kind zum schmunzeln" verführt sie die werdende Mutter zum verzehr dieses gesunden Salates, von dem sie von nun an, bis zur Geburt ihres Kindes nicht lassen kann. Täglich holt der werdende Vater einen Korb dieser grünen Pflänzchen von der Alten. Die Sucht seiner Frau wird so groß, dass er eines Nachts, als ihm die Tür zum Kräuterhof erschlossen bleibt, die trennende Mauer zum Feld überwindet und heimlich den unglückbringenden Salat pflückt. Ertappt on der Kräuterfrau, erzwingt sie als Gegenleistung für den Diebstahl das erwartete Kind. Seine Hoffnung, dass dies alles nur ein finsterer Traum bleibt, währt nicht lange. Kurz nach der Geburt holt sich die Alte das Kind aus der Wiege.
Einige Jahre gehen ins Land das Mädchen Rapunzel hat von ihrer Ziehmutter, der Raub des Kindes hat sie um Jahre verjüngt, allerlei über Kräuter, deren Wirkung und Aufbewahrung gelernt aber nicht über die Menschen, von denen sie getrennt gehalten wird. Das schöne Kind mit den blonden langen Haaren ertrotzt sich von ihrer "Mutter" einen Besuch am königlichen Schloss. Dort soll der junge Prinz vom Hoflehrer (ein wunderbar verrückter Piet Klocke), auf Empfehlung der Königin (die elegante Rita Feldmeier) auch im Fechten, Reiten und Seilklettern ausgebildet werden. Der König (der besorgte Dieter Montag) stellt sich schützend vor den Sohn: "Heutzutage muss ein Prinz doch nicht mehr gegen Drachen kämpfen". Die energische Königin setzt sich durch und bald versucht sich der Prinz am Seil unter einem Erkerfenster. Rapunzel Königsschloss Bild: rbb/Arnim Thomaß/Isabella Malek (Grafik)Rapunzel, von ihrer Mutter am Schloss im Eselskarren allein gelassen und von dieser aufgefordert sich nicht aus diesem zu enfernen, lenkt behänd den Karren unter den vom Seil abstürzenden Prinzen. Der charmanten Einladung des Prinzen ihn in seine Gemächer zu begleiten kann Rapunzel nicht widerstehen. Selbst der Wunsch der Ziehmutter:"Ich habe doch nur Angst um dich, ich will dich nicht verlieren. Du bist doch alles was ich hab" scheint für Rapunzel vergessen. sie Folgt dem Prinzen und kommt so, ohne dass sie es ahnt erstmals seit Jahren in die Nähe ihrer leiblichen Eltern, die unterdessen am Hofe als und Zofe eine Anstellung erhalten haben. Diesen zaghaften Versuch einen Schritt in die Freiheit zu gehen, bestraft die böse Kräuterfrau hart. Durch den Geruch eines Krautes soll Rapunzel die Menschen vergessen. Abgeschirmt von diesen und eingesperrt in einen hohen Turm soll sie ihr Leben verbringen. Nur mit dem goldenen Kamm mit dem sie ihre blonden Locken kämmt erhält sie Zugang zu Außenwelt. Ihr Haar wächst zu einem langen starken Zopf, über den die Mutter in den Turm gelangen kann.
Rapunzel mit der bösen Alten Bild: rbb / Arnim Thomaß/Isabella Malek (Grafik)So vergehen die Jahre bis zu ihrem 18. Geburtstag. Rapunzel (Luisa Wietzorek) schwört ihrer "Mutter" die ewige Treue. Derweil soll der zu einem hübschen Mann erwachsene Prinz (der herzergreifend lächelnde Jaime Ferkic) mit einer lockigen oder gelenkigen oder lauten Prinzessin verheiratet werden, keine von diesen gefällt ihm und er ergreift die Flucht. Im Wald hört er den zarten Gesang Rapunzels "...nur meine Mutter kann es hören, nur ihr soll ich gehören...". Zwei weiße Tauben zeigen ihm den Weg zum Turm und so hört er den Ruf der Kräuterfrau "Rapunzel lass dein Haar herunter". Erst als es dunkel ist, verlässt die Alte Rapunzel. Der Prinz ruft nach dem Zopf und klettert zu der erschrockenden Schönen herauf. Es gelingt ihm Rapunzel die Erinnerung an ihren Schlossbesuch zurückzugeben. Bezaubert von ihrer Schönheit möchte der Prinz sie mit in Schloss nehmen und sie heiraten. Die Mutter kommt der Flucht zuvor. der Prinz kann sich noch einmal verstecken. Er reitet zurück zum Schloss um seine Heirat zu verkünden. Als er seine Braut holen will, werden die beiden von der Kräuterfrau überrascht. Sie lässt den Prinzen erblinden ("Er wird dich nie wieder sehen!"), schneidet Rapunzel das Haar ab und führt sie in den finsteren Wald. Nach einem anstrengenden Weg voller Ungemach kommen die Liebenden in einem kargen Gebirge wieder zusammen. Die Kräuterfrau will der Beiden Tod herbei führen, mit verstellter Stimme lockt die Alte den Prinzen an einen Abgrund. Das Lied Rapunzels rettet sein Leben. Ihre Tränen machen ihn wieder sehend, die berührung seiner Hände lässt ihr Haar wieder wachsen. Die Macht der Bösen ist gebrochen. Der Prinz geleitet seine Rapunzel ins Schloss der Eltern, beider Eltern wie sich herausstellt. Eine stürmische Hochzeit wird gefeiert...

Drehorte des Märchenfilms "Rapunzel"

Regisseur Bodo Fürneisen hat dieses Märchen gern erzählt, weil es um das grundlegende Thema geht, dass Eltern ihre Kinder irgendwann loslassen müssen. Rapunzel ist unter seinen Händen ein leibevolles, buntes, aufregend lustiges Märchen der Brüder Grimm geworden. Die Drehbuchautoren Nicolas Jacob und Olaf Winkler haben den Akteuren unaufdringlich eindringliche und auch witzige Worte in die Münder gelegt. Das Filmteam fand in Brandenburg faszinierende Motive für die Dreharbeiten. Das Dorf, in dem Rapunzels Eltern bis zur Geburt der Tochter lebten, fand man in Brandenburg / Havel. Mitten in der historischen Altstadt Brandenburg, direkt am Ufer der Havel gelegen, entstand und entsteht ein Dorf, das an die früheren Bewohner dieser Gegend erinnern soll,  die Slawen. In diesem Freilichtmuseum Slawendorf , welches einige, auch eingerichtete Häuser aus dem 11. Jahrhundert wiedererlebbar macht, können Besucher auch in Projekttagen die Kultur und Lebensweise der Slawen erfahren. 
Über die Mauer zum Garten der Zauberin, kletterte Rapunzels Vater in Lindow (Mark) im Landkreis Ostprignitz Ruppin. Hier wählten die Filmleute die Ruine des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters als Kulisse. Spätestens hier bekommen die Drehorte ein historische Dimension, während das Dorf die Nachbildung einer Slawischen Siedlung ist, stehen in Lindow die steinernen Zeugen der Christianisierung des Slawenlandes. Von seiner Gründung 1230 bis zur Reformation 1524 gehörte es zu den reichsten Klöstern seiner Zeit. Nur noch wenige efeuüberwucherte Back- und Feldsteinmauern blieben von dem Hauskloster derer von Arnstein. Das Grafengeschlecht, verwandt mit den Askaniern war ausgezogen im Osten neue Gebiete zu erobern.

Rapunzelturm war der Askanierturm

Askanierturm in der SchorfheideEtwa 50 Kilometer östlich von Lindow, hatten besagte Askanier, der bekannteste von ihnen war der Gründer der Mark Brandenburg Albrecht der Bär, um den Werbelinsees drei Burgen (Grimnitz, Breden, Werbellin)  errichtet. Burg Werbellin am südlichen Ufer des Werbellinsees in der Schorfheide gelegen, wurde zu Zeiten des Urenkels von Albrecht dem Bär, Otto III. im 13. Jahrhundert errichtet. Im Dreigespann mit den anderen Burgen war sie wichtig für die Eroberungspläne der Markgrafen gegen die Uckermark und Pommern. Als die Grenzen weiter in nordöstliche Richtung verschoben wurden, wurden die Burgen bedeutungsloser. Burg Werbellin wurde im 14. Jahrhundert herrenlos und in darauffolgenden Kriegen bis auf die Grundmauern geschliffen. Fast Fünfhundert Jahre interessierten die alten Fundamente niemanden, die in der feuchten Niederung des Dorfes Wildau im Barnim vermoderten. Der Heimatdichter Ferdinand Brunhold war es, der mit seinem Buch "Die Askanierburg Werbellin", die alten Steine wieder in Erinnerung brachte. Prinz Carl von Preußen erfuhr davon, erwarb den Grund der ehemaligen Burg und lies zur Erinnerung an die Besiedlung des Barnim den Askanierturm errichten. Vor genau 130 Jahren am 2. Oktober 1879 wurde der Turm von ihm eingeweiht, wie die Erinnerungstafel über dem Eingang erklärt. Die Turm wurde von der Filmcrew als Rapunzelturm auserkoren. Doch Tür und Rapunzel, dies hat wenig mit einander zu tun. Für die Filmaufnahmen, wurde er um einiges verändert die Tür verschwand hinter einem Kulissenteil, der Balkon wurde von den Kameras nicht eingefangen und auch das Metalldach und die Backsteinzinnen verschwanden für den Film. Das Fenster, aus dem Rapunzels Zopf herniederfiel wird der Besucher (empfohlen ist eine etwa 2 Kilometer Wanderung von Eichhorst kommend entlang dem Kanal) vermissen. Auch dieses entstand nur für die Filmaufnahmen.Dennoch verlohnt der Aufstieg zur Aussichtsplattform, der Schlüssel für den Turm ist in der Eichhorster Touristinformation hinterlegt. Wer dann oben das Rapunzelzimmer erwartet, wird allerdings enttäuscht sein, den dieses war nicht in der luftigen Höh sondern im Filmstudio aufgebaut.

Schloss Boitzenburg

Schloss Boitzenburg Drehort für ARD Märchen RapunzelUnd wieder geht es etwa 50 Kilometer weiter, allerdings nach Norden. Unmittelbar an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern liegt in einer recht hügeligen Wald- und Seenlandschaft die Ortschaft Boitzenburg. Diese heutige Landesgrenze trifft zwar nicht genau die jahrhunderte alte Machtanspruchslinie, um die um Jahrzehnte gekämpft wurde, aber auch die Wurzeln von Schloss Boitzenburg gehen auf das 13. Jahhundert zurück. In dieser Zeit stand auch hier eine Burg, die in der Hand der Mecklenburger war. Viele Male wechselte im Rahmen der besagten Grenzstreitigkeiten die Burg ihre Besitzer. Erst ab 1415 blieb sie dauerhaft in der Hand des brandenburgischen Adels. Unter Hohenzollernfürst Friedrich I. (nicht zu verwechseln mit dem ersten Preußischen König gleichen Namens 1657-1713) wurde den Brüdern Jasper und Hans von Arnim die Hoheit über das für Brandenburg strategisch wichtige Gebiet der Uckermark übertragen. Aus ihrem Geschlecht gingen über die folgenden Jahrunderte zahlreiche hohe Amts- und Würdenträger Brandenburgs und Preußens hervor. Burg Boitzenburg und das spätere Schloss, wurden Sitz des späteren Grafengeschlechtes. Im 18. Jahrhundert im Barockstil errichtet, wurde das Schloss Ende des 19. Jahrhunderts im Neorenaissancestil umgebaut. In dieser Pracht steht der weiße, mächtige und mit zahlreichen verspielten Türmchen, Erkern und Giebeln umgeben von einem Park mit alten Baumbeständen und einem großen Teich den Besuchern offen. Das neben Schloss Sanssouci in Potsdam größte Schloss Brandenburgs ist heute ein Hotel mit einem einzigartigen Konzept. Die große Anzahl großer und speziell hoher Räume lies den Initiatoren des Hotels drei Nutzungsvarianten unter einem Dach vereinen. So ist das Schlosshotel Boitzenburg heute Kinder- , Familien und Tagungshotel in einem. Gerade für Kinder ist hier alles bereitet. Große Zimmer für bis zu sechs Kinder, vier davon im Etagenbett, die anderen zwei sind ganz speziell. Über eine Holzleiter, die einem Klettergerüst ähnelt kommen die Kinder auf einen Zwischenboden der die eingebaute Dusch- und Toilettenkabine abdeckt. Hier in die Schulferien zu gehen muss ein Spass sein. Der Park im Schloss bietet abenteuerliche Spielmöglichkeiten, Baden, Kanu fahren, Tischtennis, Ballsport...ja und auch ein Clown sorgt für allerlei lustige Abwechslung.
Derartige Spielmöglichkeiten hatten der Prinz im Märchen Rapunzel nicht. Er musste Seilklettern üben. Diese Szene und alle weiteren Außenaufnahmen des Märchenschlosses wurden in Boitzenburg gedreht. Die MovieTouristen werden sich beim Gang durch den Park und eine Schlossführung schnell in die Märchenzeit versetzen können, dem Schlossrestaurant bleibt nur empfohlen, künftig neben einem Dornröschenteller für die Kinder auch Rapunzel als Salat zu servieren.

Schloss Friedrichsfelde

Bleiben noch die Innenaufnahmen des Märchenschlosses: Diese wurden nicht in Schloss Boitzenburg sondern in Berlin im Schloss Friedrichsfelde gedreht. Dieses Schloss, heute auf dem Gelände des Tierparks Berlin zu finden, wurde 1695 im Stil eines holländischen Landhauses errichtet. Mehrfach wechselte es seine Besitzer und wurde aus- und umgebaut. So findet sich in der klaren Strukturiertheit des Barock wieder, aber vorallem in den Schmuckformen des Frühklassizismus. Besonders das Treppenhaus mit seinen Fresken (der Prinz entkommt hier der Verfolgung des Hoflehrers) und der Festsaal mit seinen Säulen zeigen die Stilelemente dieser Bauepoche. Der Saal ist im Film Ort des Hochzeitscasting und der späteren Hochzeit. Auch die mit Stofftapeten und historischem Mobiliar ausgestatteten Wohnräume sind in der wundervollen Märchenverfilmung "Rapunzel" zu sehen.  


Bildquelle 3x  rbb / Arnim Thomaß/Isabella Malek (Grafik)

nächster Sendetermin:



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