"Das mit der Liebe wird sich finden.
Doch vorher gilts zu überwinden,
den Hass
der jedem Glück im Wege steht"

mit diesem Reim des Hofnarren (der brilliante Jörg Schüttauf) ist der Film in vier Zeilen auf den Punkt gebracht. Wie der Hass überwunden wird, erzählt ein recht düster inszenierter Märchenfilm, der sicher korrekt bewertet erst von Kindern jenseits des fünften Lebensjahres gesehen werden sollte. Finstere Wälder, mittelalterliche Burgen zwischen Blitz und Donner, eine hintertriebene Stiefmutter (wieder einmal besonders böse Sonja Kirchberger) die in einem arglistigen Schattenspiel den Hofjäger (feige und gehorsam zugleich: Martin Brambach) auffordert Schneewittchen (die sanftmütige Laura Berlin)
zu töten, ihr Herz auf dem Tablett zu servieren um wieder den Zauberspiegel fragen zu können, ob sie, nur sie die Schönste im Lande sei. Nur an wenigen Stellen weicht Drehbuchautor Andreas Kaufmann von der grimmigen Märchenvorlage ab. So erscheinen die Stiefmutter und künftige Königin, die bei ihrer Selbstintronsierung bemerkenswert der schönen Uta von Naumburg ähnelt, und der künftige Gemahl von Schneewittchen, der Prinz (Nicolás Artajo-Kwasniewski) am Hofe des Königs (ein etwas wirrer und wankelmütiger Jaecki Schwarz). Die Stiefmutter mit großem Getöse, wunderbar ins Bild gesetzt von Kameramann Patrick Popow. Der Prinz getarnt als Jagdgehilfe, der die Liebe von Schneewittchen nicht als Prinz sondern als Mensch erhalten will. Nach der Entführung der Königstochter durch den Hofjäger die zweite Abweichung vom Originalstoff. Prinz/Jagdgehilfe und Narr machen sich auf die Suche, um Schneewittchen zu retten. Dabei kommt langsam Licht ins Dunkel. Bezaubernde Landschaften Mitteldeutschlands liefern dafür den Hintergrund für die sieben Berge. Bis sich allerdings Schneewittchen und der Prinz in den Armen liegen muss nach Grimms Entwurf die Königstochter erst drei Mordanschläge mit Gürtel, Kamm und Apfel überstehen, wobei die sieben Zwerge: Knirps (Volker Zack Michalowski), Niffel (Michael Markfort), Querx (Karsten Kramer), Quarx (Manni Laudenbach), Wichtel (Peter Luppa), Schrat (Erwin Bröderbauer) und Gorm (Uwe Meyer) der Schönen rettend zur Seite stehen.
Die Leipziger Filmproduktionsgesellschaft
Saxionia Media schickte das Filmteam um Regisseur Thomas Freudner, der als Tatort-Regisseur predistiniert für diesen Grimmi ;-) war, auf weite Reisen durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.

Schon auf den gezeichneten Startbildern des Films erkennt der Burgenfreund
Burg Kriebstein .
Die Kriebstein, ca. 75 Kilometer von Leipzig entfernt, ist heute ein vielbesuchtes Museum auf einem Bergsporn über der Zschopau. Sie wurde im 14. Jahrhundert gegründet. Bestimmender Baustil, da wenig verändert, ist die Gotik. Hier wurden für Schneewittchen alle Außenaufnahmen des Königshofes gedreht. So ist die Anreise der bösen Stiefmutter durch das Burgtor in den Hof für viele Museumsbesucher gut nachvollziehbar. Nur wenige Kilometer entfernt, auf
Schloss Rochlitz an der Mulde, auch hier lädt ein Museum ein, wurde das Verlies des Königshofes gedreht, in dem der Hofjäger von der Stiefmutter eingekerkert wurde, nachdem sie erfahren hatte, dass Schneewittchen noch lebt. Auch das Zimmer der Königin mit dem Zauberspiegel und der Truhe mit den Mordutensilien wurde auf Schloss Rochlitz gedreht. Den Thronsaal fanden die Filmleute nicht in der Kriebstein und auch nicht im Schloss Rochlitz. Für dieses Aufnahmen zogen sie in den Harz. Im Klausurgebäude des
Kloster Ilsenburg fanden sie eine Säulenhalle, die für den Thronsaal geeignet war.
Das Kloster ist Teil der Sachsen-Anhaltinischen Straße der Romanik. Auch im Märchenfilm ist die besonderheit jeder einzelnen Säule des Raumes zu sehen. Ein architektonisches Kleinod, welches bereits vor fast 1000 stand. Die Klausurgebäude wurden im 12. Jahrhundert errichtet. Heute kann man sich im Museum in der ehemaligen Klosterkirche über das Leben der Mönche des Mittelalters informieren.

Nun neben dem Adelshaus gab es viele Szenen hinter den sieben Bergen zu drehen. Hierzu wählte das Filmteam die unmittelbare umgebung des höchsten Berges Norddeutschlands. Am Brocken im Harz fanden sie die gesuchte Fels und Waldlandschaft. In der Nähe der Steinernen Renne, einem Wasserfall der Holtemme oberhalb der Fachwerkstadt Wernigerode, errichteten die Szenenbildner um Reinhard Glöde in vier Wochen das moosbedeckte Zwergenhaus zwischen den markanten Harzer Granitsteinen. Die Szenen der Suche nach Schneewittchen durch Prinz und Narren, mit schönen Felsfromationen, weiten Aussichen und Wasserfällen wurden im ebenfals zum Harz gehörenden niedersächsischen Okertal gedreht, am Radauwasserfall bei Bad Harzburg, der Feigenbaumklippe und am
Alten Mann am Berge . Bleibt das Bergwerk der Zwerge. Auch dieses ist im Harz zu finden in dem kleinen und beliebten Örtchen Rübeland. Die
Baumanshöhle mit ihren berühmten Tropfsteinen bot für die Zwerge die rechte Kulisse. Bereits im 16. Jahrhundert entdeckt und seit 1645 von geführten Gruppen besucht, gilt sie als älteste Schauhöhle Deutschlands.
Die Reise der Filmemacher ist reizvoll wie ihr Film, der uns in märchenhafter Weise deutsches Kulturgut vermittelt in der faszinierenden Natur- und Kulturlandschaft Mitteldeutschlands.
Bildquelle: Schneewittchen und die sieben Zwerge BR/Saxonia Media/Andreas Wünschirs
Die Drehorte von Schneewittchen auf der Karte