Selketal in Gefahr |
| Geschrieben von Roland Wagner | |
Am Ostermontag versammelten sich zwischen 500 und tausend Demonstranten nahe des Familienhotels Talmühle im Harzer Selketal, um gegen die geplante Errichtung eines Staudammes zu protestieren. Mit diesem Bau würden, in einem der reizvollsten noch unverbauten Täler in einem deutschen Mittelgebirge (Visitatio berichtete bereits: Rund um das Selketal ), nicht wieder korrigierbare Schäden für die Natur und die Tourismuswirtschaft entstehen. Die Sachsen-Anhaltinische Landesregierung will mit der Einleitung des Planfeststellungsverfahrens das Bauvorhaben beschleunigen. Sicher gibt es für die Beführworter des Hochwasserrückhaltebeckens, so der offizielle Begriff für das Bauwerk, auch Gründe, die Beachtung finden müssen. Am 13. April 1994 stieg innerhalb weniger Stunden der Wasserspiegel enorm an. Bei diesem Jahrhunderthochwasser entstand sowohl in den Dörfen des Selketales, als auch im Auenland vor dem Harz Sachschaden in Millionenhöhe. Viele der Gegner des Staudammes waren selbst von den Überschwemmungen betroffen. Dennoch fordern sie die Einstellung der Baupläne, und die Entwicklung von weniger einschneidenden Konzepten.
Vorschläge der Bürgerinitiative
Das Aktionsbündniss "Rettet das Selketal ", hat in den vergangenen Jahren
vielfältige Vorschläge eingebracht, die einen besseren Hochwasserschutz, ohne die Errichtung des Hochwasserrückhaltebeckens, ermöglichen. So sollen beispielsweise die bestehenden Harzteiche besser bewirtschaftet werden, geeignete Freiflächen im Selkeeinzugsgebiet wieder aufgeforstet werden, Einzelgehöfte eingedeicht werden, an den Häusern bessere Schutzvorkehrungen, wie Schnellabdichtungen für Kelleröffnungen, vorbereitet werden und das Hochwasserwarnsystem grundlegend verbessert werden. Solche und ähnliche Maßnahmen würden sicherer und sinnvoller bei zu erwartenden Hochwassern schützen, als der geplante 15 Meter Erdwall, der in einer Breite von 100 Metern das Tal absperren soll. Die Wirkung des ErdwallsNur wenige hundert Meter hinter dem Familienhotel Talmühle soll dieses Hochwasserrückhaltebecken errichtet werden. Vor dem Rad- oder Wandertouristen, der bisher eine sieben Kilometer lange, bisher weitgehend naturbelassene Wegstrecke vorfindet, würde sich dann eine Mauer erheben. Diese könnte zwar, laut der Planung, an einem Hangweg umgangen werden, aber dahinter würde der Naturfreund, auf einem mehr als zwei Kilometer langen Abschnitt durch ein karges, da abgerodetes Tal wandern müssen. Auf dieser Länge würde sich, im Falle eines Unwetters, das Wasser stauen. Das Volumen reicht gerade, um die Wassermassen 5einhalb Stunden aufzuhalten. Bei einem Hochwasser, wie es 1994 war ein Tropfen auf den heißen Stein. Nach der Flut kommt wie immer die Ebbe. Und diese würde in der Talsohle eine verherende Schlambrühe hinterlassen. Die artenreiche Wiesen- und Weidelandschaft wäre auf Monate, wenn nicht Jahre zerstört, seltene Tierarten wie der Feuersalamander, die Ringelnatter oder die Wildkatze verlören ihre Rückzugsgebiete oder ihre gewohnte Umgebung. Das Touristen dieses Tal nicht gern besuchen würden, steht außer Frage. Dies hätte zweifellos für die Hotels, Pensionen und Gaststätten negative Auswirkungen. Mit einer Unterschriftensammlung, einer Postkartenaktion, weiteren Demonstrationen sowie aktiver Öffentlichkeitsarbeit erhofft das Aktionsbündnis die Landesregierung zum einlenken zu bringen. Visitatio wird weiter berichten. Downloadmaterialien zur Unterstützung des Aktionsbündnisses Kontakt zum Aktionsbündniss
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Am Ostermontag versammelten sich zwischen 500 und tausend Demonstranten nahe des Familienhotels Talmühle im Harzer Selketal, um gegen die geplante Errichtung eines Staudammes zu protestieren. Mit diesem Bau würden, in einem der reizvollsten noch unverbauten Täler in einem deutschen Mittelgebirge (Visitatio berichtete bereits:
vielfältige Vorschläge eingebracht, die einen besseren Hochwasserschutz, ohne die Errichtung des Hochwasserrückhaltebeckens, ermöglichen. So sollen beispielsweise die bestehenden Harzteiche besser bewirtschaftet werden, geeignete Freiflächen im Selkeeinzugsgebiet wieder aufgeforstet werden, Einzelgehöfte eingedeicht werden, an den Häusern bessere Schutzvorkehrungen, wie Schnellabdichtungen für Kelleröffnungen, vorbereitet werden und das Hochwasserwarnsystem grundlegend verbessert werden. Solche und ähnliche Maßnahmen würden sicherer und sinnvoller bei zu erwartenden Hochwassern schützen, als der geplante 15 Meter Erdwall, der in einer Breite von 100 Metern das Tal absperren soll.
erheben. Diese könnte zwar, laut der Planung, an einem Hangweg umgangen werden, aber dahinter würde der Naturfreund, auf einem mehr als zwei Kilometer langen Abschnitt durch ein karges, da abgerodetes Tal wandern müssen. Auf dieser Länge würde sich, im Falle eines Unwetters, das Wasser stauen. Das Volumen reicht gerade, um die Wassermassen 5einhalb Stunden aufzuhalten. Bei einem Hochwasser, wie es 1994 war ein Tropfen auf den heißen Stein. Nach der Flut kommt wie immer die Ebbe. Und diese würde in der Talsohle eine verherende Schlambrühe hinterlassen. Die artenreiche Wiesen- und Weidelandschaft wäre auf Monate, wenn nicht Jahre zerstört, seltene Tierarten wie der Feuersalamander, die Ringelnatter oder die Wildkatze verlören ihre Rückzugsgebiete oder ihre gewohnte Umgebung. Das Touristen dieses Tal nicht gern besuchen würden, steht außer Frage. Dies hätte zweifellos für die Hotels, Pensionen und Gaststätten negative Auswirkungen. 