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Sie
glauben deutsche Grünanlagen wären künstlich,
unnatürlich und langweilig? Der Wörlitzer Park wird Sie vom
Gegenteil überzeugen. Unweit der Lutherstadt Wittenberg lädt
dieser Teil des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches seine Besucher
auf einer Fläche von über 100 Hektar zu einem
unvergleichlichen Ausflug ein, den sich jeder leisten und keiner so
schnell vergessen kann. Nicht umsonst gehört der Landschaftspark
zum UNESCO Weltkulturerbe.
Anfahrt über die A9
Vom
Eise befreit waren Strom und Bäche, der alte Winter hatte sich
in die rauen Berge zurückgezogen und die Sonne belebte alles mit
den bunten Farben des Frühlings. Seit einigen Wochen schon. Doch
Professor Faust bemerkte von alledem nichts. Er bretterte hinter den
abgedunkelten Scheiben seines BMW über die A9 von Berlin
Richtung Halle, wo er am Abend einen Vortrag halten würde. Er
war angespannt. Die gute Laune seiner studentischen Hilfskraft, die
auf dem Beifahrersitz seit geraumer Zeit Verse von Hölderlin vor
sich hin aufsagte fiel ihm auf die Nerven. Plötzlich
unterbrach sich sein Famulus. “Halt!” “Ja, sind Sie denn
wahnsinnig, Wegner? Sie können mir doch nicht ins Lenkrad
greifen.” “Fahren Sie hier ab!” Mürrisch, aber folgsam,
lenkte der Professor seinen Wagen in die Ausfahrt Vockerode. “Müssen
Sie an den Baum?” “Keineswegs. Haben Sie denn das Schild nicht
gesehen?” “Baustelle?” “Nein. Aber der Wörlitzer Park.
Da fahren wir jetzt hin.” “Sind Sie von allen guten Geistern
verlassen, Man? Wenn ich bei jedem braunen Schild von der Autobahn
abführe, dann würde ich nie ankommen.” “Aber schauen
Sie doch mal wie herrlich das Wetter ist und werfen Sie einen Blick
auf die Uhr. Es ist kaum um Elf, Professor Meyer erwartet Sie erst
Halbsechs und ich werde keine Viertelstunde brauchen um im Hörsaal
den Beamer aufzubauen.” “Na schön, Sie Kindskopf!”
Ärgerlicherweise konnte Faust seinem jungen Mitarbeiter nie
etwas abschlagen. Im Stillen erinnerte ihn dessen euphorisches Wesen
an die eigene Jugend, aber freilich gestand er das weder sich noch
anderen ein. Man musste vernünftig sein. Schließlich war
er Gelehrter.
Beginn eines Rundgangs
Der
zentrale Parkplatz war keine 50 Schritte vom Parkeingang entfernt.
Wegner löste einen Parkschein und trabte geschäftig weiter
zu einer Würstchenbude nahe dem Café “Am Eichkranz”,
dass nicht nur zu Eis und Fassbrause, sondern auch zu Spenden für
die Instandsetzung des gleichnamigen historischen Gästehauses
einlud. Der Professor zündete sich missmutig eine Zigarette an,
machte einem rheinländischen Reisebus Platz und betrachtete eine
heitere italienische Großfamilie, die sich, mit einem anständig
großen Picknickkorb versehen, auf den Weg in den Park machte.
“Schauen Sie doch nicht so griesgrämig drein! Kaffee?” Jetzt
musste er sich schon von seinem Famulus schulmeistern lassen.
“Schwarz!” Er nahm dem jungen Mann, der sich an der Würstchenbude
für einige Cent mit einem Lageplan der weiträumigen
Gartenanlage versehen hatte, den Thermosbecher aus der Hand. “Na,
dann mal los.”
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