Ein (Oster-)Spaziergang im Wörlitzer Park |
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| Geschrieben von Anja Wellenreich | |||||
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Eine Begegnung am Gotischen Haus„Jetzt sind wir schon über zwei Stunden unterwegs, Wegner. Sie zahlen das Knöllchen, wenn nachher eins am Wagen steckt.“ „Das ist es mir wert, Herr Professor.“, grinste der Famulus, der sich freute, dass sein Vorgesetzter diese Worte nicht so mürrisch wie sonst, sondern mit einem unüberhörbaren scherzhaften Unterton geäußert hatte. Langsam taute der alte Griesgram tatsächlich auf. Außerdem hatte ihm die Parkuhr diensteifrig und vorausschauend eine Zeitempfehlung für den Rundgang durch den Park gegeben, weshalb er nicht für zwei, sondern für vier Stunden bezahlt hatte.
Seit
einer Viertelstunde waren sie, verloren in der weiträumigen
Anlage, nur geleitet durch kleine Hinweissteine und die sich immer
aufs Neue auftuenden Sichtachsen, keinem Menschen mehr begegnet. Nur
von fern konnte man das stille Plätschern einer Gondel und das
Gelächter der italienischen Großfamilie vernehmen. Auf
Höhe des Gotischen Hauses Abschluss des SpaziergangsSchon waren sie wieder allein, der Professor und sein Famulus. Am Nymphaeum traten sie aus dem Blumendickicht und fanden sich an der Uferböschung des Wörlitzer Sees. Gegenüber lag das Schloss, an dem sie vor nunmehr fast drei Stunden vorbeigekommen waren. Dem Uferweg folgend schlossen sie bald ihren Rundgang und näherten sich dem Parkplatz und der Würstchenbude, worauf Wegner seinen Professor wiederum mit Goethes Worten aufmerksam machte: “Ich höre schon des Dorfs Getümmel. Hier ist des Volkes wahrer Himmel. Zufrieden jauchzet Groß und Klein ...” “Jawohl”, atmete Faust tief durch, “hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.” Lachend erreichten sie das Auto. “Kein Strafzettel, Herr Professor.” “Umso besser, Wegner. Kommen Sie, ich lade Sie zu einer Fassbrause ein.”
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