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Sachsen

Frauenkirche Dresden.jpg

Mit dem Rad auf Mühlentour in Sachsens Norden

Geschrieben von Roland Wagner   
Mühlentour SachsenAuch zufällig kann man auf wunderschöne Radwege stoßen. In unserem Fall war es ein Zeitfenster von vier Stunden und ein Wegweiser der in die eine wie die andere Richtung ca. 25 Kilometer nach Ortrand anzeigte. Suma sumarum, also 50 Kilometer ... die richtige Distanz für einen schönen Sonntagsnachmittagsradausflug. Der Leser mit Ortskenntnis wird sich fragen "Ortrand? - ist das nicht in Brandenburg?" Richtig wir starten im Norden Sachsens und kreuzen für einige besonders interessante Kilometer das südliche Brandenburg und unterwegs erfahren wir, dass wir auf der Mühlenroute unterwegs sind...

Sehenswürdigkeiten in Sachsen

 Liega --- Linz --- Ortrand --- Großkmehlen --- Blochwitz --- Schönfeld --- Ebersbach --- Rödern --- Zschorna --- Dobra --- Links

 

Von Tauscha nach Thiendorf


Mühlentour-Herrenhaus TauschaEin Familienfest lockte uns in den Norden Sachsens. Sanfte Hügel zeichnen hier den Horizont. Nur im Osten erhebt sich in einigen Kilometern Entfernung der 413 Meter hohe Keulenberg. Felder, Wiesen und Wälder wechseln sich ab und in kurzer Distanz tauchen immer wieder Dörfer, Siedlungen und Städtchen auf. Ein wunderschöner Landstrich, der einlädt zu interessanten Radtouren, die Abwechslung versprechen. Zu erreichen ist diese Gegend recht leicht über die Autobahn Berlin-Dresden. Von der Abfahrt Thiendorf nur etwa 20 Autominuten von Dresden entfernt ist Tauscha mit seiner Dorfkirche von 1650 und dem leider etwas im Verfall begriffenen Herrenhaus im Renaissancestil erreicht. Wer hier länger verweilen möchte, dem sei die Pension "Im Heidebogen" wärmstens empfohlen. 
Starten wir also in Richtung Sacka. Schnell ist der kleine Ort erreicht. Schon von der Ferne sehen wir den Kirchturm des nach der Reformation errichteten Gotteshauses. Direkt vor der Kirche biegt die Straße ab in Richtung Lötzschen. Die schmale asphaltierte Straße bringt uns über leichte Wellen und so mit gutem Schwung in den Ort. Bevor wir ihn erreichen, können wir lings eine wirklich große Dammwildgruppe beobachten, die hier auf eingezäuntem Gelände weidet... Da geht es den Rehen am Ortsende Richtung Thiendorf besser. Sie genießen die Freiheit wie wir...Bald ist die Autobahn erreicht, die uns ein kurzes Wegstück linkerhand begleitet. Dort ist ein Straßenschild zu sehen "Kienmühle" erst später als ich erfahre, dass wir auf der Mühlenroute unterwegs sind frage ich mich warum der Weg nicht an dieser Wassermühle vorbei geht. ...

 Über Liega nach Linz

Mühlentour - Dorfkirche Linz

 Am Orteingang von Thiendorf lädt ein gemütliches Cafe' zum verweilen ein. Direkt nach dem Start ist uns dies ein wenig früh. Wir überqueren die Fernverkehrsstraße und es geht leicht den Berg hinauf. Im Ortsteil Welxande, dieser Name erweckt irgendwie Erinnerungen an Asterix und Oberlix, finden wir eine Übersichtstafel über die Radwege der Region Heidebogen. So finden wir heraus, das wir auf der Mühlenroute unterwegs sind, was unsere Freude auf die Tour nur wachsen lässt.  
Richtung Liga verlassen wir den Ort. Der grüne Wanderwegweiser zeigt die Entfernung zur Kaltenbachmühle an. Ah, die erste Mühle auf dem Weg....rechts biegt die "Straße an der MTS" (Motoren Traktoren Station) ab. Das schmale Asphaltband strebt dem Waldstück entgegen, dessen Dunkel und Kühle uns wenig später schluckt. Dann ist die "Mühle" erreicht. Kein Hinweisschild gibt Auskunft über dieses einstige technische Denkmal. Der See auf der einen Seite der Straße und das Häuschen, mit Schuppen und Sägewerk deuten die Vergangenheit an. Der Flecken ist leider wenig einladend, es sieht rumpelig aus, die Holzstapel links und rechts des Weges möchten wir schnell passieren.  
Im sauberen Dörfchen Liega geht es wieder leicht den Berg hinauf. Am Ortsende ein Gasthof mit passendem Namen: "Gaststätte Zum Wegweiser ". Dieser weißt in vier Richtungen. Sternförmig zweigen die Fernstraßen ab. der Radfahrer allerdings muss rätseln wie es weiter geht...hier fängt leider die völlig unbefriedigende Ausschilderung an einem langen Teilstück der Strecke an...Wir wollen Richtung Ortrand und stehen vor zwei Anstiegen in diese Richtung der eine geht über  Linz der andere über Ponickau. Wir wählen den Anstieg nach Linz und liegen zufälliger Weise richtig. Wenn der Berg erklommen ist, lohnt ein Blick zurück. Von hier hat man einen Wunderbaren Ausblick in Richtung Elbetal! 

Auf Umwegen nach Ortrand


Mühlentour - Rathaus OrtrandKurz vor der Ortseinfahrt von Linz holpern wir ein kurzes Stück auf Kopfsteinpflaster dann geht es in rasanter Fahrt... hier sollten die Bremsen am Rad wirklich gut funktionieren, in den Ort hinab. Bevor die tiefste Stelle im Ort erreicht ist, erblicken wir die im 16. Jahrhundert errichtete Kirche. Ihre gelbe Farbe entspricht dem Barockstil, in dem sie später verändert wurde. Bis 1948 stand hier in unmittelbarer Nähe noch eine ansehnliche Burganlage mit Wassergraben, von der nur noch wenige Reste erhalten sind.
Den Wegweiser in Richtung Ponickau, hier soll der Mühlenradweg weitergehen, finden wir nicht (oder gibt es ihn gar nicht ?). So verpassen wir an diesem Tag die Besichtigung der Ponickauer Dorfkirche mit ihrem spätgotischen Flügelaltar. Wir nutzen die gut ausgebaute Landstraße Richtung Ortrand und gelangen nach leichten Geländeschwüngen über die Bahnstrecke, um kurz danach Richtung Kraußnitz abzubiegen. Über die Ortrander Straße queren wir das Örtchen und sehen schon in der Ferne den Turm der 1886 gegründeten Eisenhütte Ortrand. Hier, "Ortrander" ist weithin auf dem Turm zu lesen, erreichen wir den südlichsten Zipfel Brandenburgs. Leider fehlen auch in der Ortslage Ortrand die Wegweiser des 
Mühlenradweges...Improvisation ist gefragt. Zuerst geht es also Richtung Marktplatz. Auf dem Weg dorthin, in der Bahnhofstraße, lohnt eine kurze Pause im Eiscafé... dort gibt es noch immer das leckere Softeis!!! 

Der Ortrander Markt, erscheint im neuen Glanz. Das Rathaus, ein cremefarbener klassizistischer Bau von 1840, ziert ein Glockentürmchen. Bis zu einem verheerenden Brand 1838 stand hier das alte Renaissanche-Rathaus. Der Neubau beherbergte neben den Verwaltungsräumen auch eine Schankwirtschaft, das Gefängnis und die Nachtwächterstuben... Vorbei an der Kursächsischen Postsäule von 1730 geht es über die Kirchgasse zum stadtbildprägenden Bau der St. Barbara Kirche. Bis zur Reformation war die heutige Friedhofskapelle St. Jacobi das kirchliche Zentrum der Stadt. Als die Stadt wuchs entstand in der Nähe des Marktes wahrscheinlich unter Einbeziehung von Bauteilen der Schlosskapelle die heute Stadtkirche St. Barbara. Im 18. Jahrhundert hinterließ noch ein berühmter Dresdener Baumeister seine architektonische Handschrift an dem Kirchenbau. Ihr heutiges barockes Erscheinungsbild erhielt sie vom Erbauer der berühmten Dresdener Frauenkirche George Bär (1666-1738).

Großkmehlen - Ein Schloss ohne Herren und eine Silbermannorgel


Weiter geht es in westliche Richtung. Nur wenige Meter hinter deMühlentour -Renaissanceschloss Großkmehlenr Tankstelle in der Elsterwerdaer-Straße von Ortrand erhebt sich eine Autobahnbrücke. Wir unterqueren hier die A13 Berlin-Dresden genau an der Stelle wo sich die Fernstraße einen markanten Bergrücken emporklimmt. Die Kmehlener Berge schirmen, so könnte man denken Brandenburg in Richtung Süden nach Sachsen zu ab. Oder konnten die Sachsenkönige von dort oben in preußisches Flachland blicken?
 Eigentlich nicht, denn zu Zeiten der Zwisitgkeiten zwischen Sachsen und Preußen war dieser Landstrich, der heute zu Brandenburg zählt noch sächsisches Gebiet.  Aber Grenzland war der Schraden, wie die Flußniederung von Pulsnitz und Schwarzer Elster genannt wird, Grenzland zwischen der Mark Meißen und der Oberlausitz. Wo Grenzland war, konnten Befestigungen nicht fehlen und so sieht der aufmerksame Radfahrer gen Westen markante Bauten, die in stärker locken als die Suche nach eh nicht vorhandenen Wegweisern des Mühlenradweges. 
Ein Kirchturm mit barocker Haube und daneben die Silhouette des Wasserschlosses Großkmehlen sind hinter den schmucklosen Mehrfamilienhäusern am Ortseingang zu erkennen. Das Schloss, leider befindet sich im Graben kein Wasser mehr, wurde in den letzten Jahren von der Brandenburgischen Schlösser GmbH aufwendig saniert. Doch ein Nutzer für die 2100 Quadratmeter ist noch nicht gefunden!!! Ein prachtvoller Schlossbau im Renaissancestil, errichtet im 16. Jahrhundert, einst Wohn- und Verwaltungssitz von meißener Amtmännern, Geheimen Räten ja selbst Kanzlern und wettiner Landesherren ... und nun verwaist... Das Wasserschloss hätte geradezu ein Recht darauf neu belebt zu werden, würde sicher auch der Rechtsgelehrte Karl Eduard Zachariae von Lingenthal anmerken, der bis 1894 immerhin 50 Jahre dieses Anwesen sein Eigentum nannte. Verlässt man das Schloßgelände gen Norden, kann man noch den Schlosspark besuchen... aber dies ist dann schon wieder eine ganz andere Geschichte, die etwas mit einem "Pfad der 1000 Eichen " zu tun hat.
Wir hören die Glocken der Großkmehlener Pfarrkirche St. Georg und betreten durch den schmalen Eingang mit quitschendem Tor vom Schloss her, den von einer Mauer gesäumten Kirchhof. Der gelbe Anstrich des Sakralbaues ist ein wenig in die Jahre gekommen. Dunkle Wolken ziehen auf und bevor ein kräftiger Schauer niedergeht betreten wir das Gotteshaus, dessen früheste Erwähnung von 1205 stammt. Die heutige Kirche geht auf einen Bau aus dem 15. Jahrhundert zurück. Schon immer war sie mit dem Schloss und der vorherigen Burg eng verbunden. Ebenso wie die  St. Barbara Kirche von Ortrand, hat auch hier der Erbauer der Frauenkirche Gerorge Bär seine Finger im Spiel. Er erstellte ein Gutachten, in dessen Folge zwischen 1716 und 1718 das barocke Äußere der Kirche vollendet wurde. Aus dieser Zeit stammt ein wirkliches kulturhistorisches Kleinod. Ende 1718 nahm der kurfürstlich sächsische und königlich polnische Organist Christian Petzold aus Dresden eine besondere Orgel ab. Gottfried Silbermann hatte sie im Auftrag der Schlossherrin Johanna Eleonore von Brause für 1000 Taler errichtet. Es war die 12. der 50 Orgeln des sächsischen Meisters und gäbe es nicht noch die im  81 Kilometer entfernten Lebusa zwischen Herzberg und Dahme, wäre es die einzige Silbermannorgel im Land Brandenburg.
Noch eine weitere Einzigartigkeit hat dieses Großkmehlen, aber dazu gilt es nach dem Regenguss wieder in die Pedale zu treten...

Über die Kmehlener Berge nach Blochwitz


Mühlentour - Dorfkirche BlochwitzNur ein ganz kleines Stück pendelt die Kompassnadel Richtung Westen .... die Blochwitzer Straße führt gen Süden schnurgerade aus Großkmehlen heraus. Erst am ehemaligen Weinberg krümmt sie sich mehr Richtung Westen und von hier geht es steiler den Berg hinauf...auf bestem Belag aus Asphalt...Radfahrern vorbehalten...und im Winter dann den Skiläufern wie der aufmerksame Chronist bemerkt. Wegweiser zeigen in Richtung zweier Skischanzen und einer Skihütte - alpine Phantasien im eigentlichen flachen Land Brandenburg - unser Radweg führt nur wenige hundert Meter an Brandeburgs höchstem Berg dem 201 Meter hohen Kutschenberg vorbei, was Großkmehlen eine weitere wirkliche Sehenswürdigkeit verleiht. Dabei hatten die Brandenburger wirklich Glück mit ihm, denn nur wenige Meter weiter beginnt Sachsen! ... und dieses spüren wir auch bei dem beschwerlichen Aufstieg mit dem Rad, denn genau an der Landesgrenze wechselt der Belag in einen recht unbefestigten Schottergrund, welcher mit dem Tourenrad nur nach das Absteigen anzeigt... (es scheint aber, dass hier Bauarbeiten im Gange sind, die Besserung versprechen!!!) 2,3 Kilometer lang ist der Anstieg dann können wir ins sächsische Blicken und radeln dem kleinen Ort Blochwitz entgegen. An seiner Dorfkirche, einem Renaissancebau  von 1665, in der Kirche sind noch spätgotische Wandmalereien eines Vorgängerbaues erhalten, finden wir wieder Radwegweiser...Sachsen hat uns wieder und wir haben den Mühlenradweg wieder erreicht. Doch am Ortsausgang, wo uns die Kreuzung in drei Richtungen entlässt bleiben wir mit unserer Entscheidung wieder allein und wählen die goldene Mitte, wie sich herausstellt erreichen wir nach 4 Kilometern, erneut mit einem fordernden Anstieg, Lampertswalde...

Trabikonvoi und Traumschloss


Mühlentour - Traumschloss SchönfeldAn der Großenhainer Straße in Lampertswalde kommen wir gerade recht als ein Autokonvoi mit ostalgischem Komfort und unveränderter Duftmarke den Ort passiert. Am Pfingstwochenende 2012 trafen sich Freunde von Trabi, Wartburg, Lada, Moskwitsch ... zum Simsontreffen in Schönborn ... Wir verfolgen die nicht enden wollende Ausfahrt der OstOldTimer...
Nach dem leichten Anstieg die Bahnhofstraße hinauf sehen wir in östlicher Richtung in einer Senke den Ort Schönfeld, der auf einem bestens ausgebauten Radweg in wenigen Minuten erreicht ist. Schon am Ortsrand fallen zwei markante Turmspitzen auf, die allerdings den Rest der Gebäude hinter alten Bäumen verbergen. Über den Schulweg erreichen wir das Traumschloss...
Nun der Name ist nicht unbedingt passend...unter den inflationär vielen Schlössern im Sachsenland ist es wahrlich nicht das reizvollste...aber zum Träumen lädt es dennoch ein. Irgendwie hat der Betrachter den Eindruck, das der Bau nichts Halbes und nichts Ganzes ist. Das Schloss erinnert ein wenig an eine überdimensionierte Villa aus der Gründerzeit mit seinen schnörkeligen Fassadenteilen und der große Turm kommt von seiner Silhouette herüber wie der Petersdom für Arme...aber nun wird es wirklich ungerecht...sicher ist bei den Umbauten Ende des 19. Jahrhunderts unter dem damaligen Besitzer Maximilian Dathe von Burgk etwas zu viel Spielerei am Werk gewesen, als aus einem typischen Renaissancebau ein Neorenaissancebau wurde...aber besuchenswert ist das Traumschloss und sein Park auf jeden Fall. Ein Tipp! Gehen Sie auf jeden Fall auch in den Innenhof hier kann man erahnen, welchen Eindruck das Schloss nach einer vollständigen Renovierung haben wird...
Für den Radfahrer hat der Innenhof ein weiteres Plus...hier findet er wieder eine Übersichtskarte über den Verlauf der Radweg der Region...Wir entschließen uns wegen der fortgeschrittenen Zeit den Mühlenradweg abzukürzen, also nicht in Richtung Großenhain fortzusetzen...aber eine Mühle wollen wir unbedingt noch sehen...deshalb auf nach Ebersbach...

Die Mühlen von Ebersbach


Mühlentour - Blockwindmühle EbrersbachIn Schönfeld sind die Radwege wieder bestens ausgeschildert! Bis kurz vor dem Ortsausgang folgen wir dem Mühlenradweg und biegen dann ebenfalls der Ausschilderung folgend Richtung Ebersbach ab. An der ehemaligen MTS ist ein Menschenauflauf. Hier hat sich in einem kleinen Schuppen ein Eisverkauf eingerichtet. Dem Zuspruch nach sollte das Eis recht gut schmecken...Eine alte Landwirtschaftsstraße mit gutem Belag führt uns in den nächsten Wald. Darin verborgen ein erster Hinweis auf die Mühlengeschichte der Region. Als sich der Wald öffnet erblicken wir Gebäude, die am Rande einiger künstlicher Teiche stehen. Sind es die Reste eines Mühlteiches? Die Anschrift der Teichwirtschaft, die sich auf die Produktion von Bio-Karpfen spezialisiert hat, deutet darauf hin: "An der Dammühle1" Schade, dass wir an einem Sonntag unsere Tour machen - so hat der Hofladen mit seinem Angebot von frischem Fisch geschlossen...
Nach einer weiteren kurzen Passage durch ein Waldstück können wir bereits in Richtung Ebersbach schauen. In der Ferne ist die schon der wuchtige Kirchturm der Nierderebersbacher Kirche zu sehen. In der Vielzahl der sächsischen Barockkirchen fällt er auf. Zwar besitzt auch er ein wirklich zierliches Häubchen, aber dieses sitzt auf einem Westturm der auf seine Entstehungszeit in der Romanik verweist. Bereits Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Kirche errichtet. Das Langhaus selbst ist nicht mehr aus dieser Zeit, es wuchs mit der größe der Gemeinde und steht heute in seinem spätklassizistischem Stil aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Wo aber finden wir die Bockwindmühle. Ein älteres Paar, welches gerade auf dem Kirchof beschäftigt ist klärt uns auf, dass wir weiter nach Oberebersbach müssen, dass es ein rechtes Stück sein und gut den Berg hinauf. Hinter der Kirchen würden wir dann schon den Wegweiser finden.
Ja dieses Ebersbach zieht sich ein gutes Stück und es geht sanft den Berg hinauf...viel sanfter als beschrieben....Nach 2,5 Kilometern ist die Windmühle erreicht. Malerisch steht sie am Hang seitlich der Straße nach Naunhof. 1865 wurde sie errichtet und war bis 1940 in Betrieb. Hundert Jahre nach ihrem Aufbau bemühte sich die Gemeinde um den Erhalt des technischen Denkmals. Es dauerte viele hundert Arbeitsstunden, kostetete viele tausend "Taler" und ist ein Ergbnis von anhaltendem Idealismus der Freunde der Mühle, das sie heute als vollständig erhaltene Bockwindmühle in ursprünglicher Art besichtigt und betrieben werden kann. Sie ist u.a. alljährlich am Mühlentag zu Pfingsten ein außerordentlicher Anziehungspunkt für Mühlenbegeisterte! 

Vorbei an der Niedermühle Rödern nach Zschorna


Der Mühlenradweg, wir haben ihn wieder erreicht, führt  weiter nach Rödern, einem weiteren Ortsteil von Ebersbach. Der Eilige, Sportliche wählt die Landstraße über den Schafberg. Der ruhige Radfahrer nutzt den Weg durch die Niederung südlich der Landstraße. Nach 2,5 bzw. 3,5 Kilometern ist dann das Dörfchen Rödern erreicht, welches 2012 seine erste urkundliche Erwähnung zum 750. mal begeht. Die Dorfstraße zeigt sich aus diesem Grunde festlich geschmückt. Jedes Anwesen wetteifert mit dem Nächsten mit bunten Bändern, Luftballons, skurril und manchmal historisch angezogenen menschengroßen Puppen, die das Leben im Haus verkörpern sollen. Manch antikes Stück aus Schuppen und Scheunen steht aufgeputzt in den Vorgärten ein ansehnliches temporäres Museum präsentiert sich in diesen Tagen dem Besucher...
Am Ortsende steht ein beschaulicher Dreiseitenhof, der als Biohof genutzt wird. Es ist die Niedermühle Rödern. Das Mahlwerk ist erhalten, aber nicht im Betrieb die Wasserkraft der Röder treibt Turbinen an, mit denen Strom erzeugt wird. Es gibt Pläne auch die Getreidemühle wieder in Gang zu bringen...auch hier sind Besichtigungen im Rahmen des Mühlentages möglich. 
Gerade hier wird ein kleines Defizit am Mühlenradweg sichtbar...wenn es doch ein Mühlenradweg ist, und aus diversen, auch höchst verständlichen Gründen nicht immer die Mühlen mit ihrer Technik zugänglich sind könnten doch Infotafeln an diesen Objekten über die Geschichte und ihre Technik aufklären! Dies würde die Freude an dem Rundkurs mit einem ordentlichen Wissenszuwachs kombinieren!  
Während wir bis Rödern auf allen Wegabschnitten von besten Radwegbelag verwöhnt wurden, kommt nun ein Stück der Bewährung für das Material. 5 Kilometer Wald- und Feldweg liegen vor uns, die zum Teil kräftig von Kiefernzapfen übersät sind. Um die Reifen zu schonen geht es hier manchmal nur noch schiebend voran. Landschaftlich wirklich schön aber das Fahren macht bis Zschorna leider weniger Spaß... 

Über Dobra zurück nach Tauscha


Mühlentour - Dorfkirche DobraEs ist ein wirklich großer Teich, der Großteich, der sich hinter der Autobahnbrücke zeigt. Eine Baumallee geleitet uns das letzte Wegstück am Teich vorbei zur Ortslage Zschorna. Hinter Gebüsch und Bäumen versteckt, auf einem Gelände, welches wohl zuletzt vor der Wende gepflegte Zeiten erlebte, versteckt sich bei genauerem Hinsehen ein Schloss in Orange. Wenige sichtbare Bauelemente verraten, dass es sich hier um ein einst prachtvolles Renaissanceschloss handelt, von dem nur wenig erhalten ist. Der Wassergraben ist versandet Zweckentfremdungen im letzten Jahrhundert haben dem Bau von 1537 zugesetzt. Schade! Auch hier könnte eine Informationstafel Licht ins Dunkel bringen!
Über einen von Bäumen gesäumten Deich geht es über den Teich wieder in den Wald, vorbei an einem Campingplatz und Waldbad erreichen wir nach wenigen Minuten das in die sanften Hügel gebettete Dörfchen Dobra. Hier lohnt noch ein Abstecher zur 1750 errichteten barocken Dorfkirche bevor es über die alte Poststraße nach Tauscha zurück geht.

Fazit

Ein wirklich schöne Radtour geht zu Ende, die jedoch einiges Potential für Verbesserungen besitzt! Die Strecke selbst ist abwechslungsreich und landschaftlich sowie kulturhistorisch sehenswert! Auf dem Großteil der Route verspricht bester Belag hohes Fahrvergnügen. Durch die Kmehlener Berge erhält die Strecke einen sportlichen Anspruch. Es sollte dringend an der Ausschilderung im brandenburgischen Teil der Strecke gearbeitet werden - hier sind im Grunde keine Schilder zu finden! Überlegens wert wäre die Tour grundsätzlich über das sehenswerte Ensemble von Schloss und Kirche in Großkmehlen zu führen. Um den Anspruch gerecht zu werden, auf einer Mühlenroute unterwegs zu sein, wird empfohlen an vorhandenen und ehemaligen Mühlen Informationstafeln über die Standorte aufzustellen. An geeigneten Plätzen wären auch Displays mit Flyern zur Strecke angebracht um Zufallsnutzer der Strecke auf die Route und ihren Verlauf aufmerksam zu machen.

Dennoch bleibt unser Eindruck, dass es sich lohnt auf dem Weg von Berlin nach Dresden bei Thiendorf einen Stopp zu machen, um die Räder vom Gepäckträger zu holen!!!

Links

Radwege im Dresdener Heidebogen
Tourismusregion Dredener Heidebogen
Bockwindmühle Ebersbach
Niedermühle Rödern
Kirchen der Region Großenhain

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