• luftbild.jpg Der Weg zum  GoogleEart-Modell beginnt mit einer Fotosichtung der Gebäude. Hier Bilder von www.euroluftbild.de unserem Luftbildpartner.

     

  • gitternetz.jpg  Das Drahtgittermodell wird mit einem 3D Grafik-Tool maßstabsgetreu hergestellt.

     

  • Shading  Wie ein graues Pappmodell.  Aus digitalem Bildmaterial wird nun die "Fotohaut" erzeugt.

     

  • mapping.jpg
     Das GoogleEath-Modell der Nienburger Klosterkirche St. Marien und St. Cyprian ist fertig. Demnächst wird es auch auf dieser Seite zu finden sein.

     

Durch die Königshalle zum Kloster Lorsch

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Geschrieben von Roland Wagner   
koenigshalle-lorsch-marke.jpgWie oft waren eigentlich diese Postwertzeichen von Sehenswürdigkeiten mit der 20 auf Briefen oder Paketen? Ein Gebäude mit zwei kleinen runden Treppenhäusern, einem recht hohen Giebeldach und asymmetrisch angeordnetem Glockentürmchen, schimmerte grün-weiß von diesem Standartwert aus den sechziger Jahren, wanderte so in alle Ecken der Welt, um dieses einzig erhaltene Gebäude aus der Zeit der Karolinger in Deutschland zu präsentieren. Die „Königshalle“ und das Kloster in Lorsch , einem malerischen Ort zwischen der Domstadt Worms und Heppenheim an der Bergstraße gelegen, Station der Nibelungen- und Siegfriedstraße , ist wegen seiner kulturhistorischen Einzigartigkeit und als Ursprungsort des Lorscher Evangilar und des Lorscher Arzneibuches 1991 in Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden.

 Ein Besuch dieses Baudenkmals und dem dazugehörenden Museum lohnt auf jeden Fall. Vielleicht machen Sie ja auch mal Pause auf dem Weg nach Süden...

visitatio_logo_button.gif3D - Modell Kloster-Lorsch laden

 

Die Königshalle

Die Mittagssonne brennt ungebremst auf Straße und Karossen, selbst die Klimaanlage will nicht mehr für angenehme Frische sorgen. Die Getränkevorräte sind zur Neige gegangen. Ich muss runter von der Autobahn...Pause machen auf dem Weg nach Süden. Die Abfahrt von der A5 kommt gerade im rechten Augenblick. Direkt nach dem Verlassen der Schnellstraße weisen Wegweiser Königshalle Kloster Lorsch Hessenzum in der Innenstadt gelegenen Kloster. Eigentlich will ich doch nur kurz Pause machen. Der Wegweiser und eine Briefmarkenerinnerung aus der Kindheit lotsen mein Auto dann doch auf den großen Parkplatz am Rande der Innenstadt. Das Gras am Wegesrand hat seine Spannkraft verloren, müde und schlapp durstet es nach Erfrischung. Für einen Moment denke ich, „was soll mir dieses Kloster doch...“. Auch ich muss unbedingt etwas trinken. Nach einer kleinen Biegung liegt die Ortsmitte vor mir. Da, vor dem wunderschönen Fachwerkrathaus, sitzen in Biergärten, im Schatten der Sonnenschirme, Erfrischungsuchende. Ein Blick nach links lenkt mich ab. Eine Gruppe japanischer Touristen fotografiert sich gegenseitig vor der Kulisse eines sehr alten Gebäudes mit einem zierlichen Türmlein auf dem Dach. Irgendwie kommt es mir bekannt vor. Klar das ist doch die 20 Pfennig-Briefmarke. Aber diesmal in Echt!  Die Neugier wird größer als der Durst. Das Klostergelände kann kostenlos betreten werden, eine hervorhebenswerte Tatsache. Ich eile an den Touristen vorbei und stehe vor der Königshalle des ehemaligen Klosters Lorsch. Die Blütezeit dieser Anlage währte 500 Jahre – nochmal 500 Jahre, von heute 500 Jahre zurück wusste noch niemand etwas von Luther gerade mal seine Familie, der dreißigjährige Krieg, Goethe, Schiller, die Napolionische Zeit, die Industriealisierung, das Jahrhundert der Weltkriege, was für ein Zeitraum... Vom 8. bis ins 13. Jahrhundert war dieses Kloster kulturelles, geistiges und machtpolitisches Zentrum einflussreicher Mönche, die bereits Ende des 8. Jahrhunderts starke Beziehungen zum direkten Umfeld Kaiser Karl des Großen hatten. Vorerst als adliges Eigenkloster gegründet übertrug es schonkoenigshalle mauerwerk Kloster Lorsch kurz nach der Gründung der vorstehende Abt Gundeland an Kaiser Karl den Großen, um Streitigkeiten mit verschiedenen Gruppen einen Riegel vorzuschieben und das Kloster unter den Schutz des Kaisers zu stellen. Als 774 die Klosterkirche fertiggestellt ist, lädt Gundeland den Kaiser zur Kirchweihe nach Lorsch ein. Von dieser Zeit ist Karl offenbar häufiger hier. Ob die Kaiserhalle in direktem Bezug steht ist ungewiss, allein die Pracht des Baus ist dafür kein Beleg. Mit seinen drei runden Torbögen erinnert das Bauwerk an einen Triumphbogen. Bei dem zweifarbigen Mauerwerk, welches erst gewöhnlich vermauert ist, nehmen die Wände dem Dachgiebel zu, immer ungewöhnlichere Form an. Erst diagonal gesetzt, haben die vorzeitigen Handwerksmeister dann sogar sechseckige rote Steine verwendet, immer im Wechsel mit weißen Dreiecksteinen. Die einzelnen Bereiche sind untergliedert von Sandsteinfriesen und -säulen. Geradezu schlicht wirken dagegen die beiden natursteinernen halbrunden Treppenhäuser. Auf dem Dach sitzt das zierliche Glockengeläut.
Während sich die nächste Reisegruppe in den einen Treppenturm windet, öffnet sich die Tür des anderen Turms, und der nächste Schwung Touristen kommt ins Freie, rasch die Sonnenbrillen wieder vor die Augen schiebend. Die Frauen schien es gefröstelt zu haben. Die Sonne hier draußen überredet sie, sich die leichten Sommerjacken wieder auszuziehen.

Die Klosterkirche

Wie einst Kaiser Karl durchschreite ich die Torhalle, um mir den Rest der alten Klosterkirche anzusehen. In ihrer ganzen Pracht war sie Stein gehauenes Machtdokument, der weiteren Entwicklung des Klosters. Der Enkel Karl des Großen, Ludwig der Deutsche, bestimmt die Kirche zum Grabgelege seines Geschlechtes. Durch Schenkungen gelingt es den Äbten Ländereien von der Nordsee bis in die Schweiz zu erhalten. Waren es anfangs die Benediktiner folgte ihnen ab 1232 , das Kloster wurde dem kloster kirche lorschErzbistum Mainz unterstellt, die Zisterzienser, die allerdings nur kurz das Leben der heiligen Hallen bestimmten. Danach kamen dann die Prämonstratenser an die Reihe, die das Kloster bis 1564 leiteten. Zu dieser Zeit hatte die Reformation die Kurpfalz erreicht. Die Klosterkirche wird aufgehoben und in den folgenden Jahrzehnten als Steinbruch genutzt. Einzig das Mittelschiff der Vorkirche hat die Jahrhunderte überstanden. An den Giebelseiten gestützt, sind die Seitenwände noch original erhalten. Die Rundbögen allerdings, sind zugemauert und bilden so einen Raum, in dem die Besucher Fundstücke der archäologischen Grabungen im weiten Klostergelände ansehen können. Aus dem Schatten der Halle trete ich wieder ins Licht. Eine Buchsbaumhecke markiert die Fundamente des einst riesigen Kirchenbaues. Etwas abseits finde ich die Klostergärten, welche wiederbelebt den Gewürz- und Arzneipflanzenanteil am autarken Konzeptes der Klosters veranschaulichen.
Ich wende mich wieder der Kaiserhalle zu diesmal reihe ich mich ein in den Fluss einer Reisegruppe und wendele mich die Treppe hinauf. Beim Betreten des Saales bekomme ich eine Gänsehaut. Nicht die angenehme Kühle ist der Grund. Die Wirkung des Raumes ist es mit seinen Wandmalereien und Fresken. Für einen Moment verharre ich in diesem Zeitdokument und habe das Gefühl, dass mit rasanter Geschwindigkeit die Jahrhunderte durch meinen Körper rasen. Ich erwache aus diesem Traum der Geschichte und denke daran, dass ich doch eigentlich nur etwas trinken wollte. Es wird Zeit zum Auto zurückzukehren.

 
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