Seit nun fast einem Jahr begleitet Visitatio die twitternden Museen in Deutschland mit der monatlichen Rangliste. Vor wenigen Tagen veröffentlichten wir eine derartige Liste auch von twitternden Tourismusverbänden und Institutionen. Aus beiden Betrachtungen kann man feststellen, dass Twitter an Bedeutung gewinnt. Die Ranglisten werden von Monat zu Monat länger, die Anzahl der Followers nimmt zu, die Qualität der Twitteraccounts verbessert sich stetig. Es dürfte kein Zweifel bestehen, das Twitter einen festen Platz in Kommunikationsstrategien von Unternehmen und Institutionen besitzt oder erhält. Allerdings existiert da eine überwältigende Konkurrenz mit unglaublichen Wachstumsraten - Facebook! Macht es Sinn, auch zukünftig auf Twitter zu setzen oder ist dies unsinnig genutzte Zeit und verschwendetes Geld? Visitatio versucht darauf eine Antwort zu finden!
Wachstumsraten bei Facebook und Twitter
Nähert man sich dem Thema ausschließlich über die Wachstumsraten, kommt der Betrachter nicht an dem Giganten Facebook vorbei. Innerhalb eines Jahres verdoppelte Facebook in Deutschland seine Nutzerschar von ca. 6 Millionen auf ca. 12 Millionen (einige Quellen gehen sogar von 14 Millionen aus). Jeder Siebente Deutsche also, vom Baby bis zum Senioren besitzt ein Facebook mit mehr oder weniger Freunden. Eine gewaltige Zahl, die auch in den kommenden Monaten zunehmen wird.
Während "MySpace", "StudiVZ", "Schüler VZ" und "Wer kennt wen?" in Deutschland geradezu erdbebenhafte Abstürze verzeichnen mussten, konnten YouTube und Twitter in etwa das Niveau von Januar 2010 halten. Dies liegt vorallem daran, dass bei den abgestürzten Communitys die Nähe zu Facebook so groß, dass die Entscheidung einen Facebookaccount anzulegen mit der Einstellung der Aktivitäten auf den anderen Portalen einhergeht. Eine meiner Studentinen sagte mir dazu vor einer Woche: "Warum sollte ich auch noch eine Minute in StudiVZ verweilen, wenn alle auf Facebook sind?"
Welchen Vorsprung besitzen dann aber YouTube und Twitter? Während es bei YouTube auf der Hand liegt, da mit dem Video ein komplett andere Informationstechnologie im Hintergrund steht, nutzt Twitter wie Facebook die Schriftzeichen als hauptsächlichen Informationsträger.
weitere Informationen und Fakten dazu bei: www.thomashutter.com --- sysomos.com --- webevangelisten.de
Aktuelles Datenmaterial zur Facebooknutzung in Deutschland (15.2.2011)
Verschiedene Kommunikationstechniken bei Facebook und Twitter
Nun so hauptsächlich sind sie bei Facebook nicht, denn die Einbindung von Bildern, Videos, epapers und sogar ganzen Applikationen lässt das microbloggende textlastige Twitter auf den ersten Blick alt aussehen. Ganze 140 Zeichen stehen bei Twitter zur Verfügung um eine Information markant und originell zu verpacken. Auf den ersten Blick ein wenig irritierend die merkwürdigen Einschübe von Zeichen wie "@, #, RT" .Dazu kommen die optisch wenig sagenden verkürzten Links. Im Gegensatz dazu erhält man bei Facebook auf den ersten Blick schon recht viel !
Wie sagt aber das Sprichwort: "In der Kürze liegt die Würze". Dies ist ein wichtiges Credo für Twitter! Durch die begrenzte Anzahl von Zeichen wird die Information auf den Punkt gebracht. Der Lesende kann innerhalb von Sekunden entscheiden ob diese Information für ihn wichtig ist oder nicht, ob er den beigefügten Link anklickt, um mehr Informationen zu erhalten. Twitter liefert die Spitzeninformation in so komprimierter Form, dass die Entscheidung wichtig oder nicht für den Lesenden sehr schnell zu treffen ist. Auffällig ist, dass von Twittereinträgen oft auch auf Langfassungen der Informationen in Facebook verlinkt wird. Als im Herbst 2010 erstmals die Twitter-Aktion askacurator , in der Twitteruser mit Museumsdirektoren und deren Mitarbeiter via Twitter in die Kommunikation traten,stattfand , wurde direkt der Ruf nach der kombinierten Kommunikation Twitter/Facebook laut: Twitter als schnelles, informatives, chatähnliches Medium zur Anbahnung des Gedankenaustausches, Facbook um diesen dann ausführlich fortzusetzen.
Aktualität und Schnelligkeit - Hat Twitter einen Vorteil?
Ehrlich gesagt ist auch für mich als bekennendem Twitterfan, die Taktrate in denen ich Informationen via Twitter erhalte oft zu anstrengend. Schon bei über 1000 Quellen (der Twitteruser folgt über 1000 Anderen, die ihn dann mit ihren Meldungen versorgen ) sind es schnell 5 bis 10 Tweets pro Minute. Absolut klar dies ist eine Menge, die nicht mehr zu überschauen ist, nicht einmal wenn man Twitter zu seinem Beruf macht. Dennoch sehe ich hier einen Vorteil von Twitter! Aus der großen Schar von Informationen lösen sich jederzeit Einzelne heraus. Sie stammen von bekannten Quellen (Marken, Medien, Freunden) oder sie sind mit einem RT - Retweet verbunden. Dies bedeutet, das zumindest einer meiner Informanten diese Information gefiltert hat und für wichtig erachtet. Nach einer gewissen Zeit der Nutzung von Twitter erarbeitet man sich so seine eigenen Selektionsmethoden, um Wichtiges aus der Vielfalt des Angebotes zu erkennen. Für mich als Journalist wurde Twitter so, beim Informationsimput, zum besseren Ersatz für Fernschreiber, Email, Agentumeldung, TV, Radio etc. Als Kreativitätsanstoß kann ich jederzeit aus dem Pool von Informationen Einzelne auswählen die ich dann weiter verfolge. Dies sollte auch in anderen Berufsfeldern möglich sein. In rasender Geschwindigkeit verbreiten sich die Informationen. Wissenschaftler erfahren von neuen Methoden, Archäologen von neuen Funden, Tourismusverbände von neuen Aktivitäten in den anderen Ferienregionen, oft live den Twitter ist mobil. Wie überlegen damit Twitter den herkömmlichen Informationskanälen ist, zeigt immer wieder das Beispiel der Notlandung des Airbus 320 im Hudsonriver . Die erste Meldung davon und das erste Bild wurden über Twitter verbreitet. Übrigens erfuhr ich nun zwei Jahre später auch über Twitter, dass besagte Maschine ins Museum kommt.
Twitter ist mobil - Facebook aber auch!
Das solche Informationen sich schnell verbreiten können, ist nur möglich, weil mobil getwittert werden kann. Mit Flatrate-Smartphones ist dies nun gar keine Überraschung, aber bei Twitter funktioniert Dank der 140 Zeichen Limitierung sogar noch der Weg über die SMS. Ganz traditionell schicke ich von Radtouren, Recherchereisen und Events meine Tweets als SMS an die Nummer 0176-88850505 und wenige Augenblicke später sind sie Online. Natürlich geht das Ganze mit verschiedenen Apps noch viel komfortabler, aber die Einfachheit von Twitter schlägt hier offenbar noch Facebook, welches definitiv auf Internetfähige Handys angewiesen ist. Nach einer Statistik greifen 37 Prozent aller Twitter- aber nur 30 Prozent aller Facebook - User mobil auf die Community zu.
Zahlen, Zahlen, Zahlen - ein statistischer Vergleich zwischen Facebook und Twitter
Bleiben wir kurz bei den Zahlen. In folgender Tabelle sind einige soziologische Erkenntnisse über die jeweilige Nutzerschaft von Twitter und Facebook zusammengetragen:
| |
Facebook
|
Twitter
|
Frauen
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54% |
52% |
| Männer |
46% |
48% |
logen täglich 1x ein:
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41% |
27% |
folgen einer Marke:
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40% |
25% |
der logins aktualisieren täglich ihren Status:
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12% |
52% |
studieren oder haben studiert:
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49% |
55% |
| sind 13 - 17 Jahre alt
|
11% |
4% |
| sind 18 - 25 Jahre alt
|
29% |
13% |
| sind 26 - 35 Jahre alt
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23% |
30% |
| sind 36 - 45 Jahre alt
|
18% |
27% |
| sind 46 - 55 Jahre alt
|
23% |
30% |
| sind älter als 55
|
18% |
27% |
Quelle ein schlecht zu vergleichende Grafik von www.digitalsurgeons.com
Einige der Werte sprechen unter bestimmten Zielgruppenaspekten für Twitter. Twitteruser kommen zwar seltener auf die Seite, sind wenn sie kommen aber deutlich aktiver, sind höher gebildet und etwas älter.
Twitter und die Medien
In Zeiten knapper Kassen (und davon lese ich beständig über Tourismus- und Kultureinrichtungen in meinen einlaufenden Tweets ) ist nahezu kostenlose Werbung ein willkommenes Ereignis. In einem Interview das uns der Museumsdirektor vom Warener Müritzeum Thomas Kohler gab, antwortete er auf die Frage, warum in Museen getwittert werden soll: "Kinderleicht, kein Risiko, keine Kosten! " Mit einer viertel bis halben Stunde Einsatz am Tag, lässt sich über einen längeren Zeitraum auch ohne technische Hilfsmittel (es werden immer wieder Software- und Webseiteangebote gesichtet, welche sehr schnell eine große Anzahl von Followers zu generieren versprechen - hiervon rate ich allerdings ab!) eine ansprechende Zahl von Followers gewinnen. Schwerpunkt sollte gerade in der Anfangszeit sein, wirkliche Multiplikatoren zu gewinnen, aktiver Twitteruser, Brancheninsider, Branchenblogger, Consulters und Medienvertreter. Langfristig gesehen, ist durch sie eine Verbreitung von Ideen, Inhalten, Treminen und Veranstaltungen im Schneeballprinzip zu erwarten. Bei regelmäßiger Pflege der Followers unter anderem mit Empfehlungen am #followfriday #traveltuesday oder #museummonday regelmäßigen Retweets und sinnvollen Messages entsteht eine hochwertige Kommunikation in einem fast persönlichen Verhältnis. Unterbleiben sollten spamähnliche Angebotsattacke, wie sie von einigen Fluggesellschaften, Reiseveranstaltern und Hotelwerbeportalen besonders in den Nacht- und Morgenstunden über den Twitter"äther" gehen.
Interessant könnte es sein via Twitter an Zeitungs-, Zeitschriften- Rundfunk- und TV-Redaktionen zu gelangen um eventuell von ihnen mit redaktioneller Werbung verwöhnt zu werden. Eine Studie der - Westfälischen Wilhelms Universität Münster - zum Thema Twitter und Medien stellt zwar einerseits fest, dass der Umgang mit Twitter in den Redaktionsstuben noch recht unqualifiziert ist, aber im Reigen der "Social Web Dienste ergibt sich sogar dass Twitter die am häufigsten genutzte Anwendung ist, und zwar noch vor Weblogs, „Social Bookmarking“-Diensten, Facebook, YouTube, StudiVZ/MeinVZ und MySpace." Laut dieser Studie nutzen 72% Prozent der Redaktionen Twitter zur Interaktion mit ihren Nutzern. Zitat: "Nutzermitteilungen haben sich immer wieder als nützlich erwiesen: Redaktionen haben darüber Hinweise auf Ereignisse oder Themenideen erhalten." Es liegt also auf der Hand, Twitter zu nutzen ist ein sinvoller Weg, um relevante, origniell verpackte und hochaktuelle Informationen über sein Unternehmen oder seine Institution an die Medien weiter zu leiten. So wird Twitter die Presseinformation der neuen Art. Bis dahin benötigt man allerdings Geduld, den Redaktionen lassen sich gern verfolgen, folgen aber selbst recht selten...
Benutzerfreundlichkeit von Twitter und Facebook
Twittern ist Kinderleicht sagt Thomas Kohler im Interview. Die Benutzerführung ist nachvollziehbar, seit es die neue Oberfläche gibt zwar komplexer aber nach wenigen Stunden der Nutzung leicht und verständlich einsetzbar, Support und Hilfedateien fast unnötig, da wirklich intuitiv. Bei Facbook kann der Einsteiger schon recht früh Fehler machen, die ihm später viel Zeit kosten und manchmal kaum rückgängig gemacht werden können. Für Firmen und Institutionen stellt sich oft schon am Anfang die Frage, ob ein Unternehmenskonto oder doch lieber ein Privatkonto angelegt werden soll. Unbedarft wird die Entscheidung immer für ein Unternehmenskonto sprechen. Die damit verbundenen Konsequenzen, dass ein Unternehmenskonto keine saubere Domain (www.facebook.com/musterfirma) ermöglicht oder die Kommunikation recht eingeschränkt über ein Unternehmenskonto möglich ist, wird in der Entscheidungssituation nicht vermittelt - Lehrgeld, was wirklichen Geldwert besitzt. Auch die teils recht verborgenen Klickfelder zum Schutz der Privatsphäre, dem Verbergen oder Anzeigen einzelner Fans ist nicht sofort durchschaubar. Gut wer schon in dieser Zeit helfende Tipps zur Hand hat, wie z.B. das " Kleine Facebook Lexikon " von Annette Schwindt oder ihr Facebook - Buch ! Für Einsteiger kann Twitter der einfachere Weg sein, sich mit dem Thema SocialMedia in Praxis auseinander zu setzen!
Twitter oder Facbook - oder was ? - der Versuch eines Fazit
Es gäbe sicher noch weitere wichtige Betrachtungspunkte zu diesem Thema und die Auseinandersetzung könnte fast in einem unüberbrückbaren Widerspruch beider SocialMedia - Plattformen enden, wie beim Streit ob Apple oder PC nun die besseren Rechner sind. In unserer Betrachtung scheint es nur einen Sieger zu geben: Wer mit Facebook und Twitter, also beiden Plattformen professionell agiert wird erfolgreich im SocialNet unterwegs sein! So sind fast 75 Prozent Reichweite unter den Nutzern von SocialMedia - Diensten erreichbar. Jedes Tool für sich hat seine Vorzüge und Zielgruppenspezifika, die, wenn sie richtig erkannt und genutzt werden, eine effektive Kommunikation ermöglichen. Die vernetzte Nutzung von Facebook und Twitter macht den Nutzer stark. Wer jetzt mit diesen Plattformen lernt umzugehen, wird den Zug der Zeit nicht verpassen, der den digitalen Kommunikationswegen vorbehalten ist. Jim Breyer , vom Venture Capitalist ACCEL - Partners sagte dazu auf der DLD (Digital - Life - Design) Conference im Januar, vor den in Hamburg versammelten Führungseliten der konventionellen Medien: "Zeitungen sind tot! Neben dem digitalen Publizieren werden alle andere Kanäle irrelevant." Die Diskussion ist eröffnet!
in folgenden weiteren Blogs wird regelmäßig über das Thema geschrieben:
Museumsreif
Kulturmanagment
Hotel-Newsroom
Tourismuszukunft
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Aus meiner Sicht hat Twitter mindestens ebenso große Potneziale wie Facebook, vor allem weil die Kommunikationsstrukturen viel transparenter sind. Ich halte es deshalb für gut möglich, dass sich Twitter und Facebook langfristig komplementäre Angebote koexistieren. Größere Sorgen macht mir, ob Twitter seine Bedeutung rechtzeitig in Umsätze verwandeln kann. Was passiert eigentlich, wenn mal eine Finanzierungsrunde scheitert? Dann könnten von heute auf morgen global gesehen ein paar Milliarden Arbeitsstunden der User sich in Luft auflösen. Aber ich will nicht unken ...