8.Mai 2001 Am 65. Jahrestag des Sieges der Antihitlerkoalition wurde mit einem feierlichen Festakt die Wiedererrichtung der Wismaer St. Georgenkirche begangen. Damit endet eine zwanzigjährige Bauzeit, an dieser beudeutenden Sehenswürdigkeit, die somit wieder zu den Prunkstücken des UNESCO - Weltkulturerbes gezählt werden darf.
Die spätgotische Backsteinbasilika wurde im 15. Jahrhundert vermutlich auf den Mauern der Burgkapelle des Fürstenhofes aus dem 14. Jahrhundert errichtet. (Verschiedene Quellen vermerken, dass mit dem Bau bereits im 13. Jahrhundert begonnen wurde!) Gottfried Kiesow und Thomas Grundner schreiben in ihrem kürzlich im Hinstorff - Verlag Rostock erschienenen Bildband "Backsteingotik" , dass sie schon durch ihren Namen eine besondere, unter den backsteinernen Stadtpfarrkirchen in Mecklenburg-Vorpommern ist. Typisch und in allen vier großen Hansestädten (Rostock, Greifswald, Stralsund, Wismar) zu finden sind die Nikolai- und die Marienkirchen. Während Nikolaus der Schutzpatron der Patrizier, Fernhandelskaufleute und Hansegründer war, galt die Maria als Schutzherrin den kleineren Kaufleuten (Krämer und Höker) und Handwerkern. Dem untersten Stand waren in Rostock, Greifswald und Stralsund die St. Jakobi Kirchen gewidmet, welche in den zuletzt errichteten Stadtteilen lagen. Zu ihren Gemeindemitgliedern zählten die "Schauerleute, Matrosen, Werftarbeiter, Gesellen und Mägde".
St. Georg Wismar die Kirche der einfachen Leute
Auch der heilige Georg war Schutzpatron der niederen Schichten und Zuständig zur Abwehr von Pest, Fieber und Kriegsgefahren. Er wurde zum Namenspatron der stattlichen Backsteinkirche in der Wismarer Bliedenstraße direkt neben dem Fürstenhof. Die Nähe dieses Baues führte bei St. Georgen zu architektonischen Besonderheiten. So konnte im Vergleich mit ähnlich großen Pfarrkirchen der Backsteingotik wahrscheinlich aus Platzgründen kein runder Abschluss für den Chorraum im Osten gewählt werden. Faszinierend ist die Höhe der Kirche. 35 Meter über dem Fussboden schließen sich die Backsteingewölbe über dem Kirchenbesucher. Der Bau besticht durch seine schlichten Formen und vergleichsweise schmucklosen Giebel. Die Kirche war für das einfache Volk gebaut. Viele hundert Jahre zierte der stolze Kirchenbau die Silhouette der Hansestadt Wismar, bis in der Nacht vom 14. zum 15. April 1945, nur wenige Tage vor Kriegsende eine britische Luftmine den historischen Kirchenbau stark zerstörte. Im zerstörerischen Wahnsinn des von Deutschland ausgegangenen Krieges konnte selbst der Heilige Georg dem ihm gewidmten Kirchenbau nicht nützlich zu Seite stehen. Der Turm brannte nieder, die Gewölbe des Kirchenbaus stürzten weitgehend ein, auch viele Teile des Inventars verbrannten. Während der DDR-Zeit wurde nichts für den Wiederaufbau unternommen, die Bausubstanz trug über die lange Zeit weitere Wunden. Im Januar 1990 kam mit einem Orkan das Ende der Verwüstungen. Der Nordgibel stürzte unter der Windlast ein und beschädigte noch einige Häuser.
Erstes Hilfsprojekt der Stiftung Denkmalschutz im Osten
Mit der politischen Wende kam auch die Wende zum Guten für den Erhalt und die Wiedererrichtung des Kirchenhauses. Noch 1990 wurde der Wiederaufbau beschlossen und mit den ersten Sicherungsmaßnahmen begonnen. Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz war es das erste große Hilfsprojekt in den östlichen Bundesländern. 40 Millionen Euro mussten von allen Partnern des Wiederaufbaus aufgebracht werden. Damit wurde das Bauvorhaben St. Georg Kirche Wismar der zweitgrößte Wiederaufbau einer Ostdeutschen Kirche nach der Dresdner Frauenkirche. Auch was den Anspruch an das Bauhandwerk betrifft ähneln sich beide Bauprojekte. Viele alte Handwerkstechniken, vor allem beim Bau der Backsteingewölbe mussten mühevoll wieder erlernt werden.
Am 8. Mai 2010 wurde die St. Georgen Kirche mit einem feierlichen Festakt wieder eröffnet. Künftig soll sie vorrangig kulturell genutzt werden. Das erste große Konzert in diesem Sinne war die Neunte Sinfonie von Beethoven, die das NDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Christoph von Dohnányi aus Anlass der Eröffnung ertönen lies. In wenigen Wochen werden hier die PRINZEN auftreten und im Juli sind die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern zu Gast in dem alten / neuen Meisterwerk deutscher Baukunst.
Die St. Georgen Kirche Wismar zählt zum UNESCO - Weltkulturerbe und ist Teil der Europäischen Route der Backsteingotik .
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