Jean Paul Wanderweg Oberfranken |
| Geschrieben von Roland Wagner | |
In Oberfranken lässt es sich wahrlich gut wandern! Dies wusste schon vor 200 Jahren der seinerzeit sehr populäre Schriftsteller Johann Paul Friedrich Richter - Jean Paul, der sich vor allem bei seinen Wanderungen durch das Saaletal, das Fichtelgebirge und die Berge und Wälder um Bayreuth für seine Werke inspirieren lies. In seinen Büchern, wie z.B. dem "Schulmeisterlein Wutz", den "Flegeljahren" oder seinem Roman "Siebenkäs" sowie in vielerlei Briefen hinterließ er brillante Beschreibungen seiner Heimat. Diese aufzugreifen, seine Lebensstationen durch erhaltene Sehenswürdigkeiten zu präsentieren und mit einem Wanderweg untereinander zu verbinden, der heute vom beschaulichen Joditz im Bayerischen Vogtland bis ins fürstliche Bayreuth führt - ist eine touristische Meisterleistung, die sowohl Freunde der Kunst, Kultur und Geschichte aber auch passionierte Wanderer begeistern wird. Wir haben uns ein Teilstück des Jean-Paul-Weg -es in Bayern begeben...
Sie werden es sicher bestätigen können, schöne Erlebnisse haben es oft mit einem Zufall zu tun! Wir strandeten nach mehreren hundert Autokilometern auf einem kleinen Campingplatz unweit des Autobahndreieck Bayerisches Vogtland, in welchem die A9 (Berlin-München) und die von Chemnitz in Sachsen kommende A72 zusammen treffen. Der Campingplatz "Auensee" wird häufig von in den Süden, oder Norden fahrenden Wohnmobilisten als Zwischenstation genutzt und ist dafür auch sehr empfehlenswert, denn wer später kommt hebt einfach die Schranke und sucht sich ein Plätzchen. Am kommenden Morgen bleibt immer noch Zeit sich anzumelden. Insgesamt geht in Joditz alles geruhsamer zu...der Platz ist ruhig, es liegt Land in der Luft und wir kommen an ... im Urlaub. Nachdem der Übernachtungsplatz hergerichtet ist bleibt noch Zeit für einen Spaziergang ins Dorf...vielleicht ja auch für ein erstes Bayerisches Bier und eine Brotzeit?... Jean Paul Museum Joditz Auf dem Weg Richtung Kirche überlegen wir, ob wir vielleicht am kommenden Tag noch hier in der Gegend verweilen. Uns treibt nichts. Eine Radtour könnte eine gute Abwechslung vor der Weiterfahrt sein und da Joditz an der Saale liegt, ist anzunehmen, das hier auch der Saaleradweg entlangführt. Gerade schlägt die Turmuhr sechs, als wir den zentralen Platz der 350-Seelen-Gemeinde erreichen. Zwei Gasthöfe gibt es hier, einen Bäcker, ein altes einst von der Wasserkraft der Saale angetriebenes Sägewerk und ... ein Museum! Aufmerksam darauf werden wir durch eine offene Luke in einem mit Holz verschaltem Dachgiebel. Da schaut doch einer raus! Ein grauhaariger älterer Mann schaut bewegungslos auf die Straße. Beim näheren Betrachten ist es das Bild eines grauhaarigen älteren Mannes, welches uns zu beobachten schien. Auf der Straße ein Wegweiser zum Jean- Paul-Museum. Der Weg dorthin führt einen kurzen steilen Berg hinauf. Für einen Moment denken wir ein Privatgrundstück zu betreten und erreichen nach wenigen Schritten ein kleines mit Schiefer gedecktes und kleinen Fenstern. Auf einer Tafel mit einem merkwürdigen Holzschnitt ... ist es ein Lehrer, der einen Hund unterrichtet? ... steht Jean Paul Museum. Da es nach 18.00 ist das Museum natürlich geschlossen. Jean Paul !? Wer ist das nur? Wir rätseln rum. Ich bin mir sicher, es ist ein Philosoph aus der Zeit der Aufklärung...aber wie kommt dieser Franzosse in diesen kleinen Ort?www.jean-paul-museum.de Dorfkirche Joditz und ein Gedenkstein... Die Abendsonne gibt der ohnehin gelb gestrichenen Dorfkirche einen noch satteren Farbton. Neben dem Tum steht ein Granitstein mit dem Abbild von Jean Paul. Unter dem Bildnis steht: "Deutscher Dichter 1763-1825 Joditz-Auenthal" Also ein Dichter! Neben dem Gedenkstein die letzten fehlenden Informationen auf einer Grünen Tafel mit markanten Hinweis "Station 1" : "Johann Paul Friedrich Richter - wie Jean Paul bürgerlich hieß - wurde 1763 in Wunsiedel geboren. 1765 kam er nach Joditz. Er wuchs in dem kleinen Dorf als Sohn des Pfarrers auf...Als Auenthal, Hukelum, Elterlein kommt der Ort in fast allen seinen Romanen vor" Wir erfahren, das er gern von hier ins nahe Hof wanderte, das im ehemaligen Pfarrgarten das Museum zu finden ist und das es einen Jean Paul Felsen gibt...
Hinauf auf den Jean Paul Felsen Dieser Felsen wäre noch ein gutes Ziel für diesen Abend. Wir gehen in Richtung Saalebrücke, auch um zu schauen, wo der Radweg entlang führt und wie seine Beschaffenheit ist. Die Saale ist hier durch das Wehr vom Sägewerk in die Breite gezogen. Wurzeln und Geäst liegen in den Rinnsalen am des Wehrüberlaufs, die mit etwas Phantasie märchenhafte Gestalten sein könnten...Am anderen Ufer wie erhofft der Wegweiser des Saaleradweges. Von Joditz bis Hof sind es 12 Kilometer - Wahrlich keine Riesenetappe für Radwanderer. Unter dem Symbol des Radweges auf grünem Grund wieder das Abbild von Jean Paul. Offenbar beginnt hier auch der Jean-Paul-Wanderweg nach Hof. Wir schauen uns an und denken im gleichen Augenblick: Warum radeln, wenn es auch zu Fuß geht! Der Plan ist gefasst am nächsten Tag soll die Wanderung beginnen.
Den Jean-Paul-Felsen wollen wir aber heute noch "erklimmen" Der Wegweiser zielt die Straße nach Isaar an. Kurz vor dem Ortsausgang, die Straße ging für Flachländer steil hinauf, biegen wir links in einen Schotterweg ein. Weiter geht es bergauf. Der Schotterweg endet am letzten Grundstück. Weiter geht es über eine Wiese. Das Gras kitzelt und die Nesseln brennen an unseren Waden. Dieser Weg wird nicht häufig benutzt. Dann fehlen noch wenige Meter durch ein Waldstück mit noch jungen Nadelbäumen und der Jean-Paul-Felsen ist erreicht. Was für ein wunderschöner Anblick. Vor uns im Saaletal liegt Joditz. Die Abendsonne steht nur noch wenige Einheiten über dem Horizont. Auf der grünen Tafel lesen wir, wie Jean Paul diesen Ausblick genoss: "...da erblickte er Joditz. Es kam ihm aber vor, er habe es längst gesehen, der Strom um das Dorf, der Bach durch dasselbe, der am Flusse steil auffahrende Waldberg...." Jean Paul muss es gerade gesehen haben, nur von der Abendsonne schriebt er nicht und wie der Dunst aus dem feuchten Tale nach oben drängt...aber vielleicht war er ja in der Mittagssonne hier... Uns treibt der Durst auf ein Bayerisches Bier und eine zünftige Brotzeit ins Tal zurück. Im Gasthof Krauß soll der Appetit gestillt werden... www.jeanpaul-oberfranken.de Auf dem Weg nach HofDer nächste Tag beginnt mit der Radiomeldung, dass Temperaturen über 30 Grad zu erwarten sind. Wir wollen uns auf den Wanderweg nach Hof begeben. Im Gepäck befindet sich nur das Nötigste: eine Handvoll Obst und Gemüse und für jeden eine Flasche Wasser. Frühstücken wollen wir unterwegs...irgendwo wird sich etwas finden!? Ein wenig fühlt es sich so an als würden wir Jean Paul auf seinen wöchentlichen Gängen von Joditz nach Hof begleiten. Auf der Infotafel zum Wanderweg am Jean-Paul-Stein neben der Kirche lesen wir: "Mit einem passenden Quersack auf dem Rücken wanderte er zu den wohlhabenden Großeltern, um Fleisch und Kaffee und alles zu holen, was im Dorf entweder gar nicht zu haben war, oder doch nicht um den äußerst geringen Stadtpreis." Wir stapfen los. Hinter der Saalebrücke rechts ab geht es auf einem mühelosen Wegstück Fattigsmühle entgegen. Links hebt sich das Land in einem Waldstück. Hier und da stehen noch Häuser an dem Hang. Rechts zwischen uns und der Saale Wiesen und Felder. In der Ferne tuckert der Motor eines Staub aufwirbelnden Mähdreschers. Nach 1,5 Kilometern steigt der Weg steil an. An der Weggabelung ist die Station 2 des Jean-Paul-Wanderweges erreicht. Vor einigen Apfelbäumen einer Streuobstwiese, das grüne Schild mit Versen des Dichters:
Unter den Menschen
und Borsdorfer Äpfeln sind nicht die glatten die besten, sondern die rauhen mit einigen Warzen. Man muß seine Ideen verwirklichen sonst wuchert Unkraut darüber. Man kann einen seligen, seligsten Tag haben, ohne etwas anderes dazuzu gerbauchen als blauen Himmel und grüne Frühlingserde. Jede Minute, Mensch, sei dir ein volles Leben! Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Fattigmühle - Bauernhof und BiergartenSo wie der Berg anstieg, geht es steil hinab und an Felsen vorbei. Für die einstige Mühle wurde das Wasser der Saale gestaut und verzweigt. Rechts von uns rauscht der Mühlenstrom noch unter einem in die Jahre gekommenen Gebäude hervor. Wie schön wäre es, würde sich hier noch ein Mühlrad drehen! Die erste Hauswand das Gehöftes empfängt uns mit einem freundlichen Gruß der Besitzer des Areals. Es sind Bauern , die ihre Produkte direkt vom Hof verkaufen. Unsere erste Chance auf ein Frühstück verpassen wir aber leider, denn der Hofladen hat nur von geöffnet. Wir haben Diesnstag. Auch der Biergarten ist noch geschlossen wir sind zu Früh losgewandert...unser Ziel ist Hof und bis dahin wird sich noch etwas finden! Wir lassen die historischen Fachwerkgebäude hinter uns, überqueren auf einer Brücke die Saale und streben dem Ort Saalenstein entgegen... Kommentare (1)
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In Oberfranken lässt es sich wahrlich gut wandern! Dies wusste schon vor 200 Jahren der seinerzeit sehr populäre Schriftsteller Johann Paul Friedrich Richter - Jean Paul, der sich vor allem bei seinen Wanderungen durch das Saaletal, das Fichtelgebirge und die Berge und Wälder um Bayreuth für seine Werke inspirieren lies. In seinen Büchern, wie z.B. dem "Schulmeisterlein Wutz", den "Flegeljahren" oder seinem Roman "Siebenkäs" sowie in vielerlei Briefen hinterließ er brillante Beschreibungen seiner Heimat. Diese aufzugreifen, seine Lebensstationen durch erhaltene Sehenswürdigkeiten zu präsentieren und mit einem Wanderweg untereinander zu verbinden, der heute vom beschaulichen Joditz im Bayerischen Vogtland bis ins fürstliche Bayreuth führt - ist eine touristische Meisterleistung, die sowohl Freunde der Kunst, Kultur und Geschichte aber auch passionierte Wanderer begeistern wird. Wir haben uns ein Teilstück des Jean-Paul-Weg -es in Bayern begeben...
Auf dem Weg Richtung Kirche überlegen wir, ob wir vielleicht am kommenden Tag noch hier in der Gegend verweilen. Uns treibt nichts. Eine Radtour könnte eine gute Abwechslung vor der Weiterfahrt sein und da Joditz an der Saale liegt, ist anzunehmen, das hier auch der Saaleradweg entlangführt. Gerade schlägt die Turmuhr sechs, als wir den zentralen Platz der 350-Seelen-Gemeinde erreichen. Zwei Gasthöfe gibt es hier, einen Bäcker, ein altes einst von der Wasserkraft der Saale angetriebenes Sägewerk und ... ein Museum! Aufmerksam darauf werden wir durch eine offene Luke in einem mit Holz verschaltem Dachgiebel. Da schaut doch einer raus! Ein grauhaariger älterer Mann schaut bewegungslos auf die Straße. Beim näheren Betrachten ist es das Bild eines grauhaarigen älteren Mannes, welches uns zu beobachten schien. Auf der Straße ein Wegweiser zum Jean- Paul-Museum. Der Weg dorthin führt einen kurzen steilen Berg hinauf. Für einen Moment denken wir ein Privatgrundstück zu betreten und erreichen nach wenigen Schritten ein kleines mit Schiefer gedecktes und kleinen Fenstern. Auf einer Tafel mit einem merkwürdigen Holzschnitt ... ist es ein Lehrer, der einen Hund unterrichtet? ... steht Jean Paul Museum. Da es nach 18.00 ist das Museum natürlich geschlossen. Jean Paul !? Wer ist das nur? Wir rätseln rum. Ich bin mir sicher, es ist ein Philosoph aus der Zeit der Aufklärung...aber wie kommt dieser Franzosse in diesen kleinen Ort?
Die Abendsonne gibt der ohnehin gelb gestrichenen Dorfkirche einen noch satteren Farbton. Neben dem Tum steht ein Granitstein mit dem Abbild von Jean Paul. Unter dem Bildnis steht: "Deutscher Dichter 1763-1825 Joditz-Auenthal" Also ein Dichter! Neben dem Gedenkstein die letzten fehlenden Informationen auf einer Grünen Tafel mit markanten Hinweis "Station 1" : "Johann Paul Friedrich Richter - wie Jean Paul bürgerlich hieß - wurde 1763 in Wunsiedel geboren. 1765 kam er nach Joditz. Er wuchs in dem kleinen Dorf als Sohn des Pfarrers auf...Als Auenthal, Hukelum, Elterlein kommt der Ort in fast allen seinen Romanen vor" Wir erfahren, das er gern von hier ins nahe Hof wanderte, das im ehemaligen Pfarrgarten das Museum zu finden ist und das es einen Jean Paul Felsen gibt...
Dieser Felsen wäre noch ein gutes Ziel für diesen Abend. Wir gehen in Richtung Saalebrücke, auch um zu schauen, wo der Radweg entlang führt und wie seine Beschaffenheit ist. Die Saale ist hier durch das Wehr vom Sägewerk in die Breite gezogen. Wurzeln und Geäst liegen in den Rinnsalen am des Wehrüberlaufs, die mit etwas Phantasie märchenhafte Gestalten sein könnten...Am anderen Ufer wie erhofft der Wegweiser des Saaleradweges. Von Joditz bis Hof sind es 12 Kilometer - Wahrlich keine Riesenetappe für Radwanderer. Unter dem Symbol des Radweges auf grünem Grund wieder das Abbild von Jean Paul. Offenbar beginnt hier auch der Jean-Paul-Wanderweg nach Hof. Wir schauen uns an und denken im gleichen Augenblick: Warum radeln, wenn es auch zu Fuß geht! Der Plan ist gefasst am nächsten Tag soll die Wanderung beginnen.

Hier stehen Daten zum Jean-Paul-Weg, sowie alle anderen Wanderwege zum download bereit. www.tz-fichtelgebirge.de