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Berlin

Humboldts Spuren in der Hauptstadt

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Geschrieben von Anja Wellenreich   
Artikelinhalt
Humboldts Spuren in der Hauptstadt
Der Werdersche Markt
Die Humboldt-Uni
Die Singakademie
Das Jüdische Viertel

Der Kosmos zu Gast im Maxim-Gorki-Theater

Einen kleinen Begriff dieses Bildes einer Weltbeschreibung hatte sich die Berliner Öffentlichkeit bereits 1827 machen können, als Humboldt in der Berliner Singakademie Berliner Sinakademieseine 16 Kosmos-Vorlesungen gehalten hatte. Völlig frei, ohne Unterlagen, dafür mit der ihm eigenen Erzählkunst, hatte der berühmte Kosmopolit vor stets ausverkauften Rängen ein Bild der „Erscheinung der körperlichen Dinge in ihrem Zusammenhange“ entworfen, seinem Auditorium „die Natur als durch innere Kräfte bewegtes und belebtes Ganzes“ vorgestellt und war dafür von Blumen und Verlegern fast erdrückt und durch den Applaus hunderter begeisterter Zuhörer aller Klassen und Stände beinahe taub geworden. Auch heute würde wieder Applaus von der Singakademie zur angrenzenden Universität hinüberschallen. Das Gebäude, zu dem sich der Spaziergänger nun begab, in dem er am linken Flügel der Bildungsanstalt entlang von der Hauptstraße abschwenkte, war immer noch dasselbe. Nur war es heute nicht mehr als Singakademie, sondern als Maxim-Gorki-Theater bekannt.

Sich vor dem Gebäude erneut rechts haltend gelangte der Spaziergänger an die Spree und lief, Am Kupfergraben an der Museumsinsel entlang, auf die nun, da es schon später Vormittag geworden war, zahlreiche Touristen strömten. Der Spaziergänger würdigte das kulturschwangere Eiland nur eines kurzen Blickes. Auf dieser Spreeinsel hatte Alexander von Humboldt nach seiner Übersiedlung von Paris 1827 gewohnt, bis ihn der König 1841 aus seinem Haus „vertrieben“ hatte, wie er sich scherzhaft auszudrücken pflegte, um nach dem Abriss mit dem Bau des „Neuen Museums“ beginnen zu können. Hierhin hatte Humboldt auch den Mathematiker Gauß bestellt, als er ihn zum 1828 zum deutschen Naturforscherkongress einlud.

Ein Jahr hatte Humboldt dann, wir haben es bereits erzählt, gegenüber der Friedrichswerderschen Kirche gelebt um dann jene Bleibe zu beziehen, zu der es unseren ruhelosen Spaziergänger nun trieb. Zu jenem Haus in der Oranienburger Straße 67, vor dem er, die Ebertbrücke über- und die Tucholskystraße durchschreitend, eine Viertelstunde später anlangte.


 
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