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Geschrieben von Anja Wellenreich
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Ich lege dir die Garten der Welt zu Füßen
Es
war schon dämmrig, als Professor Faust der Dame seines Herzens
die kleine Nachpforte am hinteren Ausgang der Gärten der Welt
aufhielt um ihr und ihrem breitkrempigen Sonnenhut ganz gentlemanlike
den Vortritt zu lassen, ihr dann den Arm zu bieten und den Weg zum
Taxistand an der Straßenbahnstation Alt-Marzahn einzuschlagen.
Versonnen blickte sie in den Sternenhimmel. “Ach Johann, es war
einfach herrlich: zuerst der orientalische Garten mit den duftigen
Sandelholzschnitzereien, den bunten Steinfließen und den
Springbrunnen wie in den Kulissen zum kleinen Muck. Dann die
Orchideen des Balinesischen Gartens in dem Gewächshaus. Eine
richtige Regenwaldatmosphäre und die sanfte Ruhe, die der
kieselsteinerne See im japanischen Garten des zusammenfließenden
Wassers ausgestrahlt hat. Da hätte ich ewig sitzen können,
kannte ich doch zu diesem Zeitpunkt das niedliche Teehäuschen im
Chinesischen Garten noch nicht. Der war wirklich am prachtvollsten,
mit der kleinen Dschunke und den zahlreichen Wasserläufern auf
der weiten Wasserfläche. Es sah aus, als würde es aus dem
blauen Himmel regnen, wenn sie über das Wasser flitzten. Apropos
flitzen: als du mit deinen hochgekrempelten Hosen losgewatet bist, um
mir eine der Seerosen aus dem Wasser zu fischen, obwohl das sicher
verboten war und dann vor den unschuldigen Brokatkarpfen, diesen Kois
davon ranntest ... Ach Johann, das hat mich so sehr an unsere
Jugendzeit erinnert.” “Und was die Kinder für Augen gemacht
haben, als wir uns jenseits des Märchengartens auf die Schaukeln
geschwungen haben.” “Und unser Versteckspiel im Labyrinth. Ich
dachte du würdest nie wieder hinausfinden.” “Aber du hast am
Lebensbaum auf mich gewartet und zu guter Letzt ...” “...der
Sonnenuntergang auf der Marmorbank vor dem Renaissancegarten.
Wirklich Johann, du hast mir mit dem Reiseprospekt heute morgen nicht
zuviel versprochen. Das war ja nicht nur eine Rundreise durch den
Fernen Osten, sondern auch eine Zeitreise durch die verschiedenen
Hochkulturen und das alles gleich vor der Wohnungstür. Ich hatte
ja keine Ahnung.“ “Tja, das ist eben die Globalisierung,
Hasenlöckchen. Obacht, nun müssen wir nach links.” “Nicht
zum Taxistand?” “Nicht doch. Unsere Reise ist noch nicht vorbei.
Einen Teil Asiens haben wir noch nicht besucht.” Mit diesen Worten
zog der Professor seine Angetraute auch schon in ein hinter der
Ladenfläche eines Discountmarktes und einer Videothek
verstecktes Thailändisches Restaurant. Ein weiterer Geheimtipp
Wegners, der ihm auch den Lageplan des Landschaftsgartens, nebst
Fotos und Hintergrundinformationen aus dem Internet gezogen hatte.
Wenn jemand ihn in diesem Augenblick gefragt hätte, ob Wegner
nicht ein bisschen weniger Arbeit und mehr Gehalt verdient habe, er
hätte zu allem ja und Amen gesagt. Aber niemand fragte ihn und
irgendwie war das auch gut so.
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