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Hochzeitswald und Rüschhaus
Wir radeln
weiter. Nur eine Allee vom Rüschhaus entfernt weist ein
Schild zu einer kleinen Waldlichtung. In einigen Jahrzehnten wird diese als
solche nicht mehr existieren, da zweimal im Jahr, im Frühjahr
und Spätherbst jung Vermählte ihre Hochzeitsbäume
pflanzen. Vor wenigen Jahren erst wurde dieser Brauch, der auf eine
mittelalterliche Tradition zurückgeht, wiederbelebt. Unterdessen
wachsen Stieleichen, Rotbuchen, Ebereschen und Spitzahorne auf dieser
Wiese und werden in einigen Jahren ein schattiger Wald sein, in dem
nicht nur die älter gewordenen Eheleute spazieren gehen.
Das
Rüschhaus ist ein Anziehungspunkt für die Radwandergruppen.
Direkt am Europäischen Fernradweg R1 gelegen und Teil der
100-Schlösser-Route, stehen auf dem Vorplatz des Barockhauses
regelmäßig abgestellte Fahrräder. Das
Backsteinensemble besteht aus drei Häusern und einem kleinen,
aber wunderschönen Park auf der Rückseite. Das Haupt- und
somit Wohnhaus steht im Zentrum. Spiegelgleich, mit geringem Abstand
und leicht versetzt zwei eher als Wirtschaftshäuser genutzte
Bauten. Während auch hier die linke Seite des Hauses privat
genutzt wird, kann in der rechten Hälfte das Museum im Rahmen
von Führungen besichtigt werden. Die kleine, aber liebevoll
gestaltete Ausstellung beschäftigt sich zum einen mit dem Leben
und Wirken des Baumeisters Johann Conrad Schlaun (1695-1773) und mit
Annette von Droste-Hülshoff, die in diesem Haus viele
Lebensjahre verbrachte. Schlaun hat mit seinen Bauwerken die
Architektur weiter Teile des Münsterlandes geprägt. Das
Rüschhaus selbst ist Beleg seiner Kreativität. In Münster
zeigte er sich unter anderem verantwortlich für die Gestaltung des
Fürstbischöflichen Schlosses, des Erbdrostehofes und der
Clemenskirche . Im Verlauf der 100-Schlösser-Route sind weitere
Bauten von ihm zu bewundern, so Haus Schücking in Sassenberg
oder das Versailles Westfalens – Schloss Nordkirchen. Ein wenig
weiter entfernt, in Brühl, rühmen die Schlösser
Augustusburg und Falkenlust seine baumeisterlichen Fähigkeiten.
Letztgenannte wurden 1984 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.
Annette von Droste-Hülshoff zog mit ihrer Mutter nach dem
Tod des Vater 1826 in das Rüschhaus. Hier entstanden viele ihrer
Werke. Herausragend die „Judenbuche“ und Teile des „Geistlichen
Jahres“. Im Museum sind Dokumente ihres Schaffens verwahrt und
ausgestellt. Das originale Mobiliar verführt den Besucher in die
Lebenszeit der großen Dichterin. Doch auch an ihr Sterben wird
hier erinnert, seit einigen Jahren befindet sich im Museum Rüschhaus
das Sterbebett der Annette von Droste-Hülshoff. Aus Meerseburg am
Bodensee, wo sie 1848 an einer Lungenentzündung verstarb, wurde
es in ihre Heimat gebracht. Nach dem Besuch der Ausstellung spendet
der kleine Barockgarten ein wenig Ruhe vor der Fahrt nach Burg
Hülshoff. Niedrige, exakt geschnittene Hecken rahmen runde,
ovale oder rechteckige Rasenflächen ein, eine pausbäckige
Putte schaut träumend in den Himmel, ein kleiner Wasserlauf
rundet das Bild ab.
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