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Sachsen-Anhalt

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Kommt nach Lutherstadt-Wittenberg!

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Geschrieben von Anja Wellenreich   
Artikelinhalt
Kommt nach Lutherstadt-Wittenberg!
Elstertor
Lutherhaus
Melanchtonhaus
Stadtkirche
Schlosskirche

Lutherhaus in Wittenberg

Schon nach weniger Schritten, die sie quer über die Straße und dann über den kleinen Parkplatz und durch das Eingangstor in den Innhof des ehemaligen Augustinerklosters von Wittenberg führten, stand die Gruppe wieder still. “Hier lebte Luther während seiner Lehrzeit als Theologieprofessor an der Wittenberger Leucorea-Universität und dann später, nach der Auflösung des Klosters, mit seiner Frau Katharina von Bora, einer ehemaligen Nonne, die mit ihren Gefährtinnen 1523 in Heringsfässern aus dem Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbsch flüchtete und Luther 1525 heiratete. Sie sehen hier rechterhand eine Bronzestatur von ihr. Wir gehen jetzt geradezu in den zweiten Hof und von dort direkt ins Museum des Lutherhauses. Wie Sie dem Katalog, den ich vorhin im Zug herumgegeben habe entnehmen konnten wurde die Ausstellung nach einem aufwändigen Umbau 2004 neu eröffnet. Sie zeigt, nach einer Einführung im Erdgeschoss, im ersten Stock Luthers Leben und Werk und im zweiten Stock die Rezeptionsgeschichte. Jeder der Ausstellungsteile wird durch einen einzelnen Rundgang erschlossen Mehr als zwei Drittel der Besucher sehen sich übrigens nur den ersten Stock an. Ein sehr bedauerlicher Fakt, wie Sie auch finden werden, wenn Sie im zweiten Stock die berühmten historistischen aber weniger historischen Wandgemälde des 19. Jahrhunderts und schließlich auch Luther in der Nazipropaganda betrachtet haben werden. Achso, werfen Sie bitte noch einen kurzen Blick zurück. Dort sehen Sie ein Stück der historischen Stadtmauer. Wittenberg war im Vorfeld des Schmalkaldischen Krieges 1547 befestigt worden. Nach der Schlacht bei Mühlberg, bei der die Katholiken unter der Führung des Kaisers Karls V. einen strahlenden Sieg errangen, gelangten Sie auch nach Wittenberg. Doch Karl, der sich als Schutzherr der Kirche verstand und die Niederlage der Protestanten mit dem Ausspruch “veni, vidi, Deus vicet!” - “Ich kam, ich sah, Gott siegte!” kommentiert hatte, ließ den im Jahr zuvor verstorbenen und in der Schlosskirche beigesetzten Luther nicht exhumieren und verbrennen, wie einige seiner Berater verlangten. Er wusste, dass das Urteil über die Toten einem anderen Richter oblag. ... Nun lassen Sie uns aber hineingehen. Sie sind ja schon ganz blaugefroren. Eineinhalb Stunden verweilten die Studenten unter Leitung ihres Professors in dem Museum. Vom Erdgeschoss, wo sie die originale fahrbare Predigerkanzel des Reformators besichtigten, und sich die Geschichte der Antoniner-Schweine hinter die Ohren schrieben - jene Rüsseltiere, besonders gekennzeichnet durch Glöckchen an den Ohren und einem in ihr Borstenkleid rasierten Kreuz, wurden nämlich auf Gemeindekosten gefüttert, weshalb einige listige LutherhausWittenberger auf die Idee kamen, ihre eigenen Schweine zu rasieren und mit Ohrbehängen zu versehen, um sie nicht selbst füttern zu müssen; ein schweres Vergehen - stieg die Exkursionsgruppe in den zweiten Stock. Neben zahlreichen historischen Dokumenten, die sich der Besucher durch multimediale Transkription und Übersetzung kinderleicht erschließen kann, finden sich Zeitzeugnisse wie etwa der (wahrscheinlich) originale Mönchskittel, den Luther seiner Zeit in Worms trug und mit dem er auf die Wartburg verbracht wurde und außerdem das mit historischen Möbeln rekonstruierte Wohnzimmer Luthers, dass man durchwandern darf. Ein Badezuber allerdings, wie jener, indem Luther sich, in Guido Knopps neuester, starbesetzter und mit Herr-der-Ringe-Zoomoptik versehener Sendereihe “Die Deutschen”, von Katharina den Rücken schrubben ließ, sucht man hier vergebens. Der würde vielleicht auch eher in die zweite - übrigens auch sehr sehenswerte und kurzweilige - Etage zur Rezeptionsgeschichte gehören.


 
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