Kommt nach Lutherstadt-Wittenberg! |
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Geschrieben von Anja Wellenreich
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Stadtkirche Wittenberg
Als
sie wieder auf der Straße standen graute bereits der Abend.
“Sappelot und Potzdonner, Wegner. Nun habe ich mich wieder in der
Reformationsgeschichte festgeredet und wir haben die Zeit vergessen
...” “Ich bitte vielmals um Verzeihung, Herr Professor,”
stotterte Wegner, der noch nicht einmal die Muße hatte, sich seine
in langer stille Vorfreude erhoffte Zigarette anzuzünden, als er
sich schon von Faust am Arm gepackt und gen Stadtkirche fortgezogen
fühlte. Die Wege zwischen den Wittenberger Kulturdenkmälern waren
zu kurz für einen Glimmstängel. Vielleicht ein Grund dafür, dass
Wittenberg so sauber daher kam. “Nur keine Müdigkeit vorschützen,
meine Damen und Herren. Um 16:00 Uhr schließen die Kirchen. Uns
bleiben also noch genau ...” “15 Minuten und 32 Sekunden, Herr
Professor.” “Na dann los!” Auf dem Weg Richtung Marktplatz bis
zur Abzweigung zur Stadtkirche berichtete Prof. Faust, wie Luther es
seinerzeit durchgesetzt habe, dass in den Kirchen kein Bier mehr
gelagert werden durfte, auch im Sommer nicht, wo die Deutschen ihr
Nationalgetränk gern kühl und gruftig aufbewarten und das er es
a uch gewesen war, der die Gotteshäuser mit Sitzbänken ausstattete,
denn der Glaube, das wusste der Reformator sehr wohl, kommt vom
Hören, das Hören aber kommt unzweifelhaft vom Sitzen. “Sitzen!”,
ging es Wegner durch den Kopf, da war die Gruppe auch schon am
Straßenabzweig hin zur Stadtkirche angelangt. Faust wandte sich
konspirativ zu den Exkursionsteilnehmern um. “Wir betreten und
besichtigen die Kirche jetzt individuell oder in zweier Grüppchen,
meine Damen und Herren. Gruppen sind nämlich zahlungspflichtig.”
Ehrfürchtig betraten die Studenten jenes Gotteshaus, dass als
Mutterkirche der Reformation gelten darf, denn hier wurde erstmals
ein Gottesdienst in deutscher Sprache zelebriert und mit dem
“Laienkelch”, Leib und Blut Christi auch an die Gemeinde gegeben.
Ein Bildersturm, dem im Jahre 1522 beinahe die gesamte
Innenausstattung der Kirch zum Opfer fiel, veranlasste Luther
seinerzeit von der Wartburg zurückzukehren, wo er sich als Junker
Jörg unter dem Schutz Friedrichs des Weisen versteckt gehalten und
das Neue Testament ins Deutsche übersetzt hatte. Lucas Cranach, den
der Kurfürst 1505 nach Wittenberg berief und der dort vierzig Jahre
wirkte, wie die Cranachhöfe am Markt 4 und an der Schlossstraße 1
noch heute belegen, malte das neue Altarbild, dass 1547 trotz oder
gerade wegen des nahenden Feindes feierlich eingeweiht wurde.
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