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Der Dom und die Aegedienkapelle
Nach dem einmaligen Sektgenuss,
der bei der prickelnden Wirkung des Getränks nur den Beifahrern
empfohlen sei, geht es über die Saale in das Zentrum der
Domstadt. Gut ausgeschildert finden wir bald ein Parkplatz, der Dom
mit seiner Uta nur wenige Fußminuten entfernt. Das freundliche
Angebot einer echten Thüringer Rostbratwurst mußte vorerst
warten. Der Steinweg breitet sich zum Platz vor dem Dom „St. Peter
und St. Paul“. Gotische Giebel und Fenster verwirren den
Spurensucher der Straße der Romanik. Die Ursprünge des
bedeutenden Kulturdemkmals aus dem Hochmittelalter gehen zurück
auf das Jahr 1028. Der Sitz der Bischöfe von Zeitz wurde nach
Naumburg verlegt – der Grund einer Grundsteinlegung. Aus dieser
romanischen Bauzeit ist einzig die Krypta erhalten geblieben. Über
die Jahrhunderte erweitert, verändert, restauriert erleben die
Besucher eine geschlossene Domanlage mit großem Anteil
gotischer Bausubstanz. Der Westchor aus der Frühgotik, der
Ostchor aus der Hochgotik, die Osttürme mit Barockhauben, die
Westtürme erinnern an Bamberg und das französische Laon.
Innen die wertvollen Reliefs im Westlettner und die Stifterfiguren
im Westchor. Der Anblick der anmutigen Uta von Naumburg, die
eigentlich eine Uta von Ballenstedt war, verheiratet mit dem
Markgrafen von Meißen, Ekkehard II., ihre stolzen und dennoch
liebevollen Augen, ihr Gesicht, das geradezu keck hinter dem
hochgeschlagenen Kragen hervor guckt... Sie muss die
Sachsen-Anhaltinische Mona Lisa sein und in jenem Augenblick klingt
in mir der Vers „Ich kann den Blick nicht von dir wenden“ von
Tucholsky in den Ohren. Aber die Uta ist nicht die einzig
Einzigartige in diesem Dom. Neben den Stifterfrauen Gepa und
Reglindis, hat auch die
„Heilige Elisabeth von Thüringen“ im Dom ihren Platz. In
der, als Raum der Stille genutzten, Elisabethkapelle befindet sich
eine der ältesten Elisabethstatuen (1236). Sicher hatte ihr
einige Monate währender Aufenthalt auf der nahen Neuenburg in
Freyburg Einfluss auf die frühe Elisabeth-Verehrung, da diese
Kalksteinstatue bereits kurze Zeit nach ihrer Seligsprechung
aufgestellt wurde. Die letzte in der Reihe der Frauen im Naumburger
Dom ist die Heilge Maria Magdalena an der Seite von Apostel Jakobus.
Beide zieren einen Altarflügel, den Lucas Cranach der Ältere
um 1519 fertigte.
Nur einige Schritte vom Eingang des
Doms entfernt finden wir ein weiteres Baudenkmal der „Straße
der Romanik“ - die Aegidienkapelle. Diese steht nicht nur
sinnbildlich im Schatten des bedeutenden Domes. Der geradezu
schmucklose quaderförmige Bau mit Pyramidendach wurde Anfang des
13. Jahrhunderts errichtet. Das Innere der Kapelle bleibt uns
verborgen, es findet sich für den Unangemeldeten kein Eingang
nicht mal ein Hinweisschild. Im Nachgang, bei der Webrecherche
werde ich erfahren, dass auf Anfrage, Gruppen ab 10 Personen der
Zugang gewährt wird.
Weiter geht es zum Markt. Es ist ein
ruhiger kühler Sonnabend im Februar. Der Platz ist menschenleer.
Gerade im Dom empfand ich es wohltuend, nicht mit riesigen Gruppen
von Touristen unterwegs zu sein, wie sie hier in den wärmeren
Monaten unterwegs sind, hier auf dem Markt fehlen mir wenigsten
einige von ihnen. Noch ahne ich nicht, dass es auch Gründe dafür
gibt. Oder sind die Türen der Aegidienkapelle und der
nachfolgenden Sehenswürdigkeiten geschlossen, weil die Touristen
fehlen? Es ist die Frage nach dem Ei und der Henne. Doch eins nach
dem anderen.
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