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steht wahrlich nicht im Schatten des Magdeburger Doms, die Dorfkirche
St. Peter in Seehausen Börde. Bei normalem Verkehrsaufkommen benötige
ich 45 Minuten vom Magdeburger Domplatz bis in das Zentrum von
Seehausen. Das knapp 2000 Einwohner zählende Städtchen ist kaum zu
verfehlen, wenn man eine der westlichen Ausfahrtstraßen der
sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt nimmt. Es geht durch einige
kleine Dörfer in der mit besten Humusböden gesegneten Börde. Die
Ortsnamen enden hier meist mit ...leben. Die Namenforscher leiten das
"leben" aus "leve" ab, was soviel wie Hinterlassenschaft oder Erbe
bedeutet. Niederndodeleben, Klein- und Groß Rodensleben und Dreileben,
durchfahre ich auf dem Weg nach Seehausen. Hat man hier einst Rodungen
hinterlassen oder gleich an drei Leute vererbt? Es wird kaum zu
ergründen sein bei diesen alten Orten in dieser Gegend mit ihren
fruchtbaren Ackerböden, die schon vor über 1000 Jahren die Menschen
hier seßhaft werden liesen. Einige hundert Meter hinter Dreileben ist
schon der Kirchturm von Seehausen zu erkennen.
3D - Modell St. Pauls Kirche laden
Vom See, der dem Ort wohl seinen Nam

en gab ist noch nichts zu erkennen.
Oder schimmert da hinten etwas? Dieser See gab mit seinen Fischerträgen
schon im 9. Jahrhundert den Menschen einen zusätzlichen Grund hier
seinen Wohnsitz zu wählen. Bei der Einfahrt in den Ort ist kaum jemand
zu sehen. Eine holprige Straße führt in die Mitte des Ortes. Dort wo
die Kirchturmspitze zu sehen war. Verblüfft muss ich feststellen, dass
dies nicht die St. Paulskirche ist. Ihr spitzer Turm entspricht
keinesfalls den Erwartungen eines trutzigen Weststurms romanischer
Bauart. Ja und das Dach scheint dieser Kirche auch schon eine Weile zu
fehlen. Eine ältere Frau erklärt mir, dass dies die evangelische St.
Laurentis-Kirche und nicht die gesuchte St. Pauls-Kirche sei. Also
wieder ins Auto und kurz bevor die Straße den Ort in Richtung Eilsleben
verläst biege ich links ab. Ein wenig bergab, ein leichte Rechtskurve
und da ist sie zu sehen: Die St. Paul Kirche Seehausen. Nach einer
Auffrischungskur wirkt sie überhaupt nicht wie die älteste Kirche der
Magdeburger Börde. Einige Steine ihres Feldsteingemäuers gehen auf den
Bau aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts zurück. Wenige Jahre
zuvor hatte Karl der Große das Bistum Halberstadt gegründet. Die
Bewohner des Bistums sollten auf das Christentum eingeschworen werden.
Vielerorten entstanden einfache Feldsteinkirchen. Hildegrim von
Halberstadt, der erste Bischof des Bistums,soll allein in seiner
Amtszeit von 819 bis 827, es war sein Todesjahr, 35 Kirchen in dieser
Gegend gegründet haben. Ob auch die St. Paul dazu gehört, lies sich
bisher noch nicht ergründen, da hier recht wiedersprüchliche
Informationen vorliegen. Da ist in ernst zunehmenden Quellen davon die
Rede, das es ein Bischof Hildgruen von Halberstadt die Rede, der in den
Listen des Bistums nicht zu finden ist. Im Jahr des vorgeblichen
Kirchenbaus war Thiatgrim im A

mt, Hildegrim bereits drei Jahe tot.
Vielleicht werden wir noch ein Antwort darauf finden...
Sehen wir uns den Bau etwas genauer an! Auf einem Grashügel erhebt sich
der kleine viergliedrige Bau. Der Westturm wirkt mächtig. Romanische
Doppelfenster zieren ihn kurz vor dem Dachabschluss. Als sehr kleine Kirche ist sie einschiffig gebaut. Zweigeteilt, könnte man meinen, das kleiner, an welches sich die Miniapsis drängt, wurde wie eine Ziehharmonika aus dem größeren Teil herausgezogen. Dieses markante Element finden wir immer wieder an romanischen Kirchen. Ein kleines Makel hat sie an der Südseite, hier wurden Fenster im Barockstil eingebaut, die allerdings mehr Licht in das innere des einfachen Kirchenraumes lassen. Eine Holzbalkendecke schließt den Raum ab, der keine Säulen und Pfeiler kennt. Mit sparsamer Farbgebung und Ornamentik in weiß und weinrot sind die Wände gestrichen. Die von außen klein wirkende Apsis sieht im Inneren aus, als würde sie sich liebevoll um den Altar schmiegen. Ein besonderer Hingucker ist das wahrscheinlich romanische Taufbecken.
Die romanische St. Pauls-Kirche von Seehausen/Börde ist ein besonderes Schmuckstück auf den Strecken der Straße der Romanik. Als besondere Tipp kann wirklich dieses Kontrastprogramm bezeichnet werden, die Reise an den mächtigen und doch geradezu reich wirkenden Kirchenbauten Magdeburgs zu beginnen, um dann in das Umland zu diesen kleineren Sakralbauten zu reisen von denen es hier viele mit romanischem Ursprung gibt.
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