Zwickau die Stadt von Schumann und Trabant |
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Geschrieben von Roland Wagner
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Zwickau ist die viertgrößte Stadt in Sachsen. Nur die Landeshauptstadt Dresden mit ihrer weltberühmten Barocksilhouette, die Messestadt Leipzig und Chemnitz sind größer. Bekannt ist die Stadt am Rande des Erzgebirges und des Vogtlandes durch den legendären Trabant, der hier von 1957 bis 1991 hergestellt wurde. In der Kunst und Musikwelt ist der Name der Stadt mit dem Komponisten Robert Schumann eng verbunden, der hier geboren wurde. Ob Zwickau eine besuchenswerte Stadt ist und interessante Sehenswürdigkeiten besitzt wollte Visitatio bei einem Stadtspaziergang ergründen...
Wenige Fahrminuten von der Autobahn entfernt
Der Weg via Autobahn von Berlin Richtung Regensburg wurde doch zu lang! Eine Pause abseits der viel befahrenen A 72 Richtung Hof wäre jetzt genau das richtige. Warum nicht zum Ausspannen einfach mal einen Stadtspaziergang durch Zwickau unternehmen. Über bestens ausgebaute Autobahnzubringer (zwischen Zwickau-Ost und der Innenstadt ist der Ausbau im Sommer 2011 im Gange) ist die historische Altstadt von Zwickau recht schnell erreicht. Diese liegt im Tal der Zwickauer Mulde und vorerst sieht der Stadtbesucher Plattenbauten, Einkaufszentren und direkt an der Mulde schöne Grünanlagen. Ein leichte Biegung und es geht in den 380 Meter langen Tunnel, der die B93 entlang der Mulde um die Altstadt führt. Wieder aufgetaucht, gleich links ,dann wieder rechts abbiegen und wir stehen am Dr. Friedrich Ring auf einem Parkplatz von dem die Innenstadt schnell erreichbar ist. Genau gegenüber die frisch verputzte Fassade eines beeindruckenden Renaissancebaues - Schloss Osterstein! Wir streben aber vorerst dem Markt entgegen, da wir hier wie immer die Touristinformation aufsuchen wollen. Neben Schloss Osterstein, stehen noch sanierungsbedürftige Teile der ehemaligen Schlossanlage, die den Besucher ein wenig verschrecken. Schnell ist über den Schumannplatz die Hauptstraße erreicht, ein Fußgängerboulevard, mit kleinen Geschäften und Cafe's... Es ist ruhig hier an diesem Montag Nachmittag. Offenbar hat die Hitze von jenseits der 30 Grad die Menschen aus den Straßen vertrieben. Nach wenigen Minuten stehen wir auf dem Hauptmarkt.
Sehenswürdigkeiten in Zwickau
Rathaus und Gewandhaus am Hauptmarkt von Zwickau
Von der Hauptstraße her kommend bietet der Hauptmark seine schönste Ansicht. Im leuchtenden Gelb, mit weißen Zinnen und Türmchen dominiert das Rathaus den Hauptmarkt. Auf den ersten Blick gibt die neogotische Fassade von 1862 dem Haus etwas von einem Bahnhof. Tief im Inneren verbirgt sich aber ein wirklich historischer Kern. Einige Elemente sind noch vom alten Rathaus erhalten - so die Jakobskapelle, die als Rats- und Empfangssaal genutzt wird.
Direkt neben dem Rathaus überragt dieses mit fünfgeschossigem Giebel und daraufsitzendemTurm das Gewandhaus. Es ist ein beiendruckender Bau dieses Gewandhaus. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde es errichtet und vereint spätgotische und Bauelemente der Renaissance. Seit 1823 wird es als Theater der Stadt Zwickau genutzt.
www.theater-plauen-zwickau.de
Robert Schuman der komponierende Sohn der Stadt Zwickau
Gegenüber des reichverzierten Gewandhauses sitzt ein denkender oder träumender Mann auf einem Stuhl. Der Ellenbogen ruht auf der Lehne. Sein Kopf liegt in seiner Hand. Auf dem Sockel sein Name: Robert Schumann. Am 8. Juni 1810 wurde der Komponist und Pianist in der Muldestadt geboren. Sein Geburtshaus steht nur wenige Meter vom Rathaus entfernt und ist heute Schumann - Gedenkstätte und - Dokumentationszentrum zugleich. An keinem Ort in der Welt gibt es so viele Originalhandschriften und Zeitdokumente über das Leben des großen Zwickauers wie in diesem Haus.
www.schumannzwickau.de
Der Zwickauer Dom die St. Marienkirche
Getauft wurde Robert Schumann 6 Tage nach seiner Geburt im Zwickauer Dom, der wiederum nur wenige Schritte vom Robert-Schumann-Haus entfernt ist. Ganz ehrlich dieser gotische Kirchenbau fasziniert. Gegründet wurde die Kirche bereits im 12. Jahrhundert. Der erste Bau im romanischen Baustil errichtet brannte im Winter 1327-1328 ab. Weitere Brände 1383 und 1403, die auch in Rest der Altstadt wütteten hinterliesen ihre Spuren. 1453-1470 wurde dann der gotische Kirchenchor aufgebaut. Mit dem Turmaufsatz von 1671-1672 stand die Kirche in heutiger Schönheit. Bemerkenswert, so lesen wir auf der ausführlichen Informationstafel, ist der reiche dreiflüglige Hochaltar aus dem 15. Jahrhundert sowie das Heilige Grab von 1507. Aus dem selben Jahr stammt die einzige erhaltene Doppelwendeltreppe Sachsens.
1520 wirkte in diesem Gotteshaus einer der spätere Anführer des Bauernkrieges Thomas Müntzer. Auf Anregung von Martin Luther vertrat Müntzer den Prediger Johannes Sylvius Egranus.
www.nicolai-kirchgemeinde.de
Die Priesterhäuser und die alte Lateinschule
Gegenüber der St. Marienkirche erklingt Gesang zu uns herrüber. Fröhlicher Gesang einer Altmännerrunde, die sich im Brauerreigasthof in den Priesterhäusern versammelt hat. Zur ofenfrischen Schweinshaxe auf Sauerkraut mit Klößen gibt es Priesterdunkel. Speis und Trank wie sie wahrscheinlich schon vor Jahrhundeten in diesen zu den ältesten Wohnhäusern Mitteldeutschlands zählenden Bauten gereicht wurden. Neben der Brauerei befindet sich in den Priesterhäusern auch ein Museum welches sich der Stadt- und Kulturgeschichte des 15. und 16. Jahrhundert zuwendet.
Bevor es zum Kornmarkt weiter geht rückt am Domhof 2 ein weiteres Gebäude in unseren Blickwinkel - die alte Lateinschule. 1383 bereits wurde hier ein Schulgebäude erwähnt. 1479 wurde eine neue Schule erbaut die bis 1548 als solche genutzt wurde. Einer der Lehrer in dieser Zeit war der Universalgelehrte Georgius Agricola, der diese humanistischen Bildungsstätte maßgeblich prägte. Heute befindet sich in dem 1878 für den Kunstverein neu errichteten Gebäude eine Galerie.
www.galerie-zwickau.de
Ein Schiffchen und die Postsäule
Wo die nächsten Sehenswürdigkeiten zu finden sind, steht auf vielen Wegweisern im gesamten Innenstadtbereich. In Richtung Kornmarkt ist von einem Schiffchen zu lesen. Das Schiffchen ist kein Wasserfahrzeug sondern ein ebenfalls historisches Haus welches bereits am Ende des Mittelalters an dieser Stelle stand. Es wurde in den sehr spitzen Winkel zwischen Münzstraße und Domhof gebaut und zeigt Baumerkmale der Spätgotik und der Frührenaissance. An der schmalen Giebelseite ist über dem Fenster im Erdgeschoss ein von Seilen und Tauen umwickelter Anker zu sehen. Es ist das Handwerkszeichen der Seiler. Der Anker und sicher auch die eigenwillige Form des Hauses, die an das Bug eines Schiffes erinnert, gab dem Haus den Beinamen "Schiffchen".
Einige Hausecken weiter, hier beherrschen wieder die Plattenbauten die Gebäudezeilen, wurde 2002 eine kursächsische Postmeilensäule wieder aufgestellt. Ursprünglich gaben an den vier Stadttoren die Postsäulen an wie weit es bis zu den nächsten Orten ist. Die wieder aufgestellte Säule ist eine Nachbildung der Säule die einst am Zwickauer Obertor stand.
Dünnebierhaus und Pulverturm
Über den Hauptmarkt, wir gehen an der langen Front des Gewandhauses entlang, erreichen wir das Dünnebierhaus. Dieser prachtvolle Bau mit einem wunderschönen Staffelgiebel wurde wahrscheinlich 1480 errichtet. Dieses Bürgerhaus diente den Zwickerauern als Hochzeitshaus.
Verborgen hinter hohen Plattenbauten nur wenige Meter von der Zwickauer Mulde entfernt finden wir die letzten Überreste der einst mächtigen Zwickauer Stadtbefestigung. Autos der Bewohner der umliegenden Häuser parken davor, Kinder toben im Schatten des Pulverturms, der wie es der NAme des Turmes verrät einst für die Bewahrung der Munitionsvorräte der Stadt errichtet wurde.
St. Katharinen Kirche und Schloss Osterstein
Zwei, für die Stadt und Region bedeutende Sehenswürdigkeiten beschließen den ca. einstündigen Rundgang durch die Zwickauer Altstadt. Vom Pulverturm gelangen wir über die Nicolaistraße zur St. Katharinen Kirche. Die dreischiffige Hallenkirche wurde in heutiger Form im 14. und 15. Jahrhundert errichtet. Seinen Ursprung hat der gotische Bau bereits im 13. Jahrhundert. Zwischen 1206 und 1219 wurde sie als Klosterkirche gegründet. Auf dem Altar, er wurde in den Cranachwerkstätten gefertigt, ist der Unterstützer der Reformation Kurfürst Friedrich der Weise abgebildet.
Besagtem Kurfürst unterstand auch das, in direkter Nähe zur Katharienen Kirche befindliche Schloss Osterstein. Er konnte es allerdings nicht in dieser Form bestaunen, denn der Renaissancebau wurde erst zwischen 1587 und 1590 errichtet. Vorher stand hier eine gotische Burg deren Ursprung bereits im 13. Jahrhundert zu suchen ist. Schloss Osterstein, welches heute als Seniorenwohnanlage genutzt wird, gehört als Station zum sächsischen Lutherweg. Am 2. Mai 1522 predigte Martin Luther im Schloss Osterstein.
www.katharinenkirche-zwickau.de
Da war ja noch der Trabant!
Spätestens auf dem Parkplatz fällt mir auf, dass wir einen wichtigen Zwickauer vergessen haben - den TRABANT. Für einen Besuch im August Horch Museum bleibt leider keine Zeit...das Trabantdenkmal am Georgenplatz wollen wir aber noch besuchen. Besuchen musste dann aber eher mit suchen ausgetauscht werden...Auf dem Georgenplatz angelangt sahen wir keinen TRABANT. Selbst offenkundliche Zwickauer konnten mir nicht sagen wo er zu finden ist, der "Plastik"-Sohn der Stadt, der über Jahrzehnte tausenden Zwickauern einen festen Arbeitsplatz gab und zu einem weltweit bekannten Symbol der Wendejahre wurde. Ein dritter Passant, den ich befragte antwortete: "Na sie stehen doch direkt davor! Drehen sie sich doch mal um!" In einem Winkel des Platzes steht eine etwa Sessel - große Steinplastik. An einen Trabant erinnert sie kaum. Das Trabant-Denkmal schafft es nicht in unsere Liste der Zwickauer Sehenswürdigkeiten.
www.horch-museum.de
Ein Besuch in Zwickau ist aber auf jeden Fall empfehlenswert!
www.zwickautourist.de
www.zwickau-aktuell.de
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