Ein Ausflug zur Gedenkstätte Buchenwald |
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Geschrieben von Anja Wellenreich
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Auf
dem Ettersberg
Auch
heute sang kein Vogel im Buchenwald. Aber das hatte wohl mit der
Jahreszeit zu tun. Es war Ende Februar. Die nasse Kälte hatte sich
überall im Wald um die braunen Buchenblätter geschlossen,
Eiskristalle auf ihnen hervorgebracht und den Ettersberg in jenen
weißen Hügel verwandelt, der Semprúns Buch zweifellos seinen Namen
gegeben hatte.
Die
Schüler machten nicht lange am Informationsgebäude halt und folgten
ihrer Lehrerin den Hinweisschildern folgend zum Eingang des Lagers.
Erst als sie unmittelbar davor standen ließ der dichte Nebel das
Gittertor aus der dunklen Vergangenheit emportauchen. André hielt,
gleichsam bebend vor Kälte und Scham einen Augenblick inne um jene
vernichtenden Worte zu lesen: JEDEM DAS SEINE! Und während seine
Klassenkameraden zur ehemaligen Effektenkammer eilten um sich zu
wärmen und sich die 1995 neu eingerichtete Dauerausstellung über
das Konzentrationslager anzusehen verweilte er am Stumpf der
„Goetheeiche“, die als einziger Baum im Innenhof des Lagers
gestanden hatte, bis im Herbst 1944 eine amerikanische Fliegerbombe,
die sich wenig um den Denkmalschutz der Eiche scherte, sie bis auf
die Wurzeln niederbrannte. Zur gleichen Zeit etwa, als die Gauleitung
von Weimar  beschloss, die Klassiker Särge mit dem „deutschen
Kulturgut“ der Überreste Goethes und Schillers in einen Jenaer
Sanitätsbunker zu evakuieren, wo sie nur durch Zufall der Sprengung
entgingen. Aus dem Stumpf der „Goethe-Eiche“, der übrigens nur
eine Lagerlegende zuschrieb, dass sich einst Goethe und Frau von
Stein in ihrer Rinde verewigt hätten, schnitzte Bruno Apitz - jener
Autor des KZ-Romans „Nackt unter Wölfen“ - in der
Lagerpathologie nach dem Abbild verstorbener Häftlinge die Skulptur
„Das letzte Gesicht“, die heute im Deutschen historischen Museum
in Berlin ausgestellt ist. Die Historie hatte noch etwas erschreckend
ironisches.
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