Auf Goethes Pfaden in Ilmenau |
|
|
|
Seite 2 von 3
Via Berggraben zum Schwalbenstein
Ein wenig steil wird es
jetzt auf dem Weg zum Mittleren Berggraben. Kaum zu glauben, dass
entlang dieses Weges vor über zweihundert Jahren Wasser floß,
um in den anliegenden Bergwerken die Technik anzutreiben. Dem Weg
folgen wir aus Ilmenau. Unter uns im Tal fließt die Ilm.
Laubbäume formen über dem noch recht breiten Weg ein Dach.
Immer weniger Fußgänger begegnen uns. Nach etwa einem
Kilometer verstummen die letzten Geräusche der
Universitätsstadt. Der sehr flache Wanderweg, hier steigt er auf
100 Metern Länge nur 10 Zentimeter, schlängelt sich durch
das Tal. Da eine etwas stärkere Kurve und wir stehen vor der
Bertha-Quelle, die an heißen Sommertagen sicher die erste
Abkühlung bringt, bevor wir auf etwas schmalerem und steilerem
Weg zum Schwalbenstein wandern wollen. Ein abgestelltes
Waldarbeiterfahrzeug verstellt etwas den Weg. Ich trau meinen Augen
nicht. Der Wanderweg weist regelmäßige Kratzpuren
eines Laubbesens auf. „Auf die Bäume ihr Affen...“, geht mir
das Lied über die Lippen, „...der Wald wird gefegt.“ Wenige
hundert Meter weiter sind drei Waldarbeiter dabei, den Wanderweg fit
zu machen für die neue Wandersaison. Das Qualitätsiegel
„Wanderbares Deutschland“ soll wieder verteidigt werden. Das Laub
wird von den Wegen gekämmt, Stufen an den Anstiegen erneuert,
angebrochene Geländer ausgetauscht und die Wegweiser auf
Vollständigkeit überprüft. Die fleißigen
Wegemeister bleiben hinter uns, als ein letztes steiles Wegstück
zum Schwalbenstein erklommen werden muß. Eine kleine Biegung
und hoch auf dem Porphyrfels die anmutige Holzhütte. Am Fuße
des Felsen die Goethegedenktafel, daneben auf einer Emailletafel seine
Worte „'Sereno de quita mente' schrieb ich ... den vierten Akt
meiner Iphigenia an einem Tage am 19. März 1779“. In der
Hütte, die über einen Steg erreicht werden kann, machen wir
eine kurze Rast. Der erhoffte Ausblick ins Tal ist durch gut
gewachsene Bäume etwas verstellt, getröstet durch den
historischen Ort, verzeihen wir den Waldarbeitern die nicht gekürzten
Äste und hoffen, dass sie noch eine Weile wachsen können.
|