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Amalienbibliothek und Gartenhäuschen
Der Reisende flieht aus der
Szenerie, gelangt zurück auf den Gehweg und biegt wenige
Schritte später in die Frauentorstraße ein. Er überquert
den alten Marktplatz mit dem nach einem schweren Brand 1831 im
neugotischen Stil wiedererrichteten Rathaus, ebenso den Platz der
Demokratie mit dem Standbild Carl-Augusts, hält sich etwas
rechts und erreicht in wenigen Minuten die Anna-Amalia Bibliothek,
die in renovierter alter Pracht ihre Besucher erwartet. Hier entlieh
sich der Greise Goethe seiner Zeit keine Bücher, sondern den
vermeintlichen Schädel seines Freundes Schiller, um ihn bei sich
daheim auf dem Schreibtisch zu platzieren, ihm sinnierend auf die
fahlgelbe Denkerstirn zu blicken und seinem Schreiber jenes Gedicht
zu diktieren, das mit den Versen beginnt: „Geheim Gefäß,
Orakelsprüche spendend/ Wie bin ich werth dich in der Hand zu
halten.“
Der Reisende wird an diesem Tag
die heiligen Hallen der Bibliothek mit den kostbaren, vor Brand und
Löschwasser geretteten Beständen nicht besuchen, nimmt sich
aber vor, in der Fürstengruft dem lorbeerbekränzten Haupt
Goethes und dem Pseudo-Schädel Schillers einen Besuch
abzustatten. Zunächst jedoch betritt er den nun vor ihm
liegenden englischen Garten an der Ilm. Bereits durch eine der ersten
Sichtachsen lädt das Gartenhaus des jungen Goethe zu einem
Besuch ein. Eine leichte Brise trägt ihm traurige Violaklänge
entgegen. In einer Felsengrotte am Weg, gerade zur Rechten der
kleinen Brücke, von der sich einst ein Mädchen, eine
Ausgabe der Leiden des jungen Werther an ihr Herz drückend, aus
Liebeskummer in die Ilm und den Tod stürzte, sitzt ein
Bratschenspieler und untermalt die tragisch-romantische Szenerie. Der
Reisende überquert die Brücke, betrachtet einige Zeit jene
Granitkugel auf einem Sockel, die Goethe selbst entwarf und als
Zeichen der Harmonie in seinem Garten aufstellte und schlendert
weiter an der Ilm entlang, vorbei an der Ruine eines Herrenhauses und
einem marmornen Shakespeare.
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