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Thüringen

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Weimar - Ein Klassiker unter den Klassikern

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Geschrieben von Anja Wellenreich   
Artikelinhalt
Weimar - Ein Klassiker unter den Klassikern
Schillerhaus Weimar
Die Amalienbibliothek
Der Frauenplan

Das gelbe Haus in der Schillerstraße

Einer der zahlreichen Musiker, die gemeinhin die Weimarer Innenstadt mit Klarinetten-, Violinen- oder Querflötenklängen erfüllen, reißt den Reisenden aus seiner Betrachtung. Er folgt der Melodie in die Schillerstraße und bleibt keine 3 Minuten später vor einem gelben Haus mit blauen Giebeln stehen. Es ist das Wohnhaus des Familienvaters Schiller, welches er bezog, nachdem er dem Ruf seines Freundes Goethe folgend von Jena nach Weimar gezogen war.Schillerhaus Weimar Eine erschütternde Rechenkalkulation, von Schillers Hand auf einem Schmierblatt festgehalten, hat sich der Nachwelt überliefert: Die Jahre der Dekade von 1799 bis 1809 sind aufgelistet, dahinter für jedes Jahr der Titel eines Theaterstücks - darunter die Jungfrau von Orleans, Wilhelm Tell, die Braut von Messina und der Demetrius - und hinter jedem Titel die Summe, die eine erfolgreiche Aufführung im Nationaltheater, das Goethe damals leitete, und eine spätere Publikation bei Cotta einbringen konnte. Was Schiller hier berechnete war die Abzahlung seines Hauses in Weimar in Abhängigkeit seiner verbleibenden Lebenszeit. 50 Jahre wollte er immerhin alt werden, dann hätte er Frau und Kinder versorgt und schuldenfrei zurückgelassen. Es sollte ihm nicht gelingen. Zur Jahrhundertwende litt der Dramatiker bereits seit fast 10 Jahren an schmerzhaften Koliken und Fieberschüben, die ihn ein ums andere Mal an den Rand des Grabes brachten. Eine nicht auskurierte Bauchfell- und eine plötzlich ausbrechende Lungenentzündung führten im Mai 1805 den Tod des damals 46-Jährigen herbei. Der Schreibtisch im obersten Stock des Hauses erweckt den Anschein, als sei der Dichter gerade erst aufgestanden, um in sein genau dahinterliegendes Bett zu taumeln: Eine Feder in einem Tintenfass und unter einer Glasplatte das Faksimile der zuletzt geschriebenen Seite seines Demetrius-Fragments „Soll ich den Blick zurück ins Leben wenden,/ Von dem ich endlich abgeschieden war? [...] Nicht bei den Toten wohnte meine Hoffnung?/ O sagt mir nichts mehr! Laßt mein Herz sich nicht/ An dieses Trugbild hängen!“ Die Sommersonne erfüllt das Arbeits- und Sterbezimmer des Klassikers mit einem klebrig-schweren Dunst. Das Fieber scheint geradezu noch in der Luft zu liegen.


 
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